Max Jechalke und Thomas Krüper engagieren sich mit ihren 22 Jahren in der katholischen Kirche.
Max Jechalke und Thomas Krüper sind neu im Pfarrgemeinderat.
Das Bild der katholischen Kirche wirkt für viele nach außen immer noch altertümlich und verstaubt. Doch diejenigen, die sich für das Leben in den Gemeinden einsetzen, wollen genau dem entgegenwirken und Kirche modern gestalten. So auch mit Max Jechalke und Thomas Krüper zwei junge Männer, die mit ihren je 22 Jahren in den Pfarrgemeinderat der Hattinger Stadtpfarrei St. Peter und Paul gewählt worden sind. Ihre Bereitschaft kommt gut an, sie müssen jedoch noch in ihre Funktion hineinwachsen und begleitet werden.
Seit November 2025 sind die beiden im Pfarrgemeinderat. Krüper ist zusätzlich Schriftführer des Gremiums. „Ich wollte den nächsten Schritt im kirchlichen Ehrenamt gehen“, sagt er, der seit vielen Jahren Messdiener in Welper ist, dort der Leiterrunde angehört und daneben in den Gottesdiensten als Kommunionhelfer oder Lektor mitwirkt. Er möchte sich nun nicht mehr nur für seine Gemeinde einsetzen, sondern für die gesamte Stadtpfarrei. Krüper möchte weitere junge Leute wieder an die Kirche heranzuführen: „Ich möchte ihnen zeigen, dass es immer noch notwendig ist, den Glauben zu haben. Gerade bei dem, was heute alles in der Welt passiert, darf man die Hoffnung nicht verlieren. Und die kriegt man durch Jesus.“
Er bekennt sich sehr zu seinem Glauben, erzählt dabei, dass er teilweise dafür belächelt wird. Zuletzt etwa, als der angehende Polizeianwärter vor einer Klausurphase einer nervösen Kommilitonin zur Beruhigung sagte: „Jesus kann dir Kraft geben.“ Er betont mit Blick auf seine neue Funktion in der Stadtpfarrei: „Es bringt nichts, uns von den christlichen Werten zu verabschieden. Damit würden wir uns selber verkaufen. Wir müssen schon weiter zu dem stehen, was in der Bibel steht und dies moderner bewerben.“ Sein Kollege, Max Jechalke, ist ebenfalls Messdiener in der Welperaner Gemeinde St. Joseph und studiert Theologie. Er möchte gewissermaßen aufklären – ohne zu bekehren. „Gerade der Pfarrgemeinderat ist sehr menschennah. Da kaum noch jüngere Personen in die Kirche kommen, gilt es, Dinge anzugehen, dies zu verändern“, sagt er.
„Format Messe schreckt junge Leute erstmal ab“
Das versucht die katholische Kirche, die seit Jahren sinkende Mitgliedszahlen hat, schon lange. Wie kann das gerade jungen Leuten gelingen? Jechalke ist es wichtig, die Generationen nicht zu trennen. Ganz im Gegenteil: Sie sollen bewusst vermischt werden. „Man sollte das Miteinander fördern und eine Messe nicht plötzlich nur komplett für junge Leute auslegen.“ Kirchenraum müsse geöffnet werden. Denn: „Das Format Messe schreckt junge Leute erst mal ab.“ Es brauche mehr Veranstaltungen außerhalb der Kirche, die den Glauben darlegen und vermitteln. Dazu merkt der Student an: „Wenn man nur sagt: Ich glaube, weil ich das so schon immer geglaubt habe, ist das recht wenig überzeugend für andere Menschen.“ Es sei schwierig.
Räumlichkeiten und Aktionen innerhalb der Pfarrei, aber außerhalb der stillen Orte in den Kirchen können lockerer gestaltet werden. Der Pfarrgemeinderat oder die Geistlichen können bei dieser Gelegenheit direkt auf Menschen zugehen und fragen, wie sie zur Kirche stehen. Jechalke weiß: „Die meisten kommen aufgrund des Festes und nicht aufgrund des Glaubens. So könnte man in den Austausch kommen und herausfinden, warum sie selten oder nie in die Kirche kommen. Und es gibt viele Menschen, die lieber einzeln darüber sprechen.“ Er möchte Gemeindemitglieder zudem mit einbeziehen und befragen, wenn Projekte geplant werden, was sie davon halten oder ob sie Ideen einwerfen können und möchten. Eigene Ideen müssten womöglich mal verworfen werden, wenn sie nicht fruchten. Ihm ist der Standort seiner Heimatgemeinde in Welper wichtig, doch es sei genauso wichtig, gemeindeübergreifend zu arbeiten, was mit Blick auf die Standorte nicht einfach sei.
Das hat auch Marlies Meier, die dem Pfarrgemeinderat vorsitzt, über die Jahre hinweg festgestellt. Sie erzählt: „Leider ist es so, dass viele keine Funktion mehr annehmen wollen.“ Das betreffe auch jüngere Personen – ein Problem, womit viele Bereiche zu kämpfen haben. Meier lobt daher grundsätzlich die Bereitschaft von Krüper und Jechalke, sich für die Kirche einzusetzen. Das komme im Gremium gut an. Gleichzeitig sagt sie: „Es muss sich entwickeln, beide waren vorher nur an ihrem Kirchstandort sehr aktiv, an dem die Messdiener unheimlich gut aufgestellt sind. Wenn sie sich etwas noch nicht zutrauen, ist Kommunikation wichtig. Und sie müssen an dem, was besteht, teilnehmen, um es aktiv kennenzulernen. Es wird ein Lernprozess sein, das funktioniert nicht sofort und wird eine Herausforderung.“ Vor allem, weil es nicht mehr viele Kirchgänger gibt, auch wenn nicht alle von ihnen den Glauben verloren haben.
Nicht nur planen, sondern aktiv unterstützen
„Die Messdiener in Welper haben viel Verbundenheit zur Liturgie. Pfarreiweit legen wir nicht nur Wert auf das Christliche sondern auch auf die Ökumene. Man muss dies nämlich gerade heutzutage aufbrechen“, sagt Meier klar. In diese Richtung müssen junge Leute gelenkt werden und dabei erhofft sich die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Unterstützung der beiden Neulinge: „Sie bringen mal andere Stimmen mit rein. Ich erhoffe mir, dass sie wirklich etwas umsetzen und nicht nur planen.“ Offene Angebote, die Jechalke angesprochen hat, nennt sie ebenfalls. Ein Beispiel: In Blankenstein gab es mal eine Segensfeier für ein Paar, was nicht kirchlich heiraten konnte. Nach so etwas seien Leute auf der Suche und finden auf diesem Wege einen etwas anderen Zugang zur Kirche – bestenfalls entwickeln sie Interesse. Jechalke spricht als offene, bestehende Veranstaltung das Sommergrillen der Pfarrei an: „Es gibt weniger Helfer, also haben wir bereits aktiv nachgefragt, wo sich Personen einbinden lassen.“
Krüper möchte gerne zwei Angebote unterstützten: Zum einen das Begegnungsangebot „Mahl-Zeit“, einem kostenlosen Mittagessen mit anschließendem Austausch im Pastor-Schoppmeier-Haus, was aktuell von zwei ehrenamtlichen Frauen getragen und von der Caritas unterstützt wird und er gerne pfarreiweit erweitern möchte. Zum anderen ebenso den einmal monatlich stattfindenden Abend in Welper mit Pastoralreferent Benedikt Poetsch, bei dem die Religion neu kennengelernt wird und ein Austausch entsteht – wie zuletzt zum Thema Fastenzeit. Zudem möchte Krüper aktiv bei einem Gedanken von Pastor Marius Schmitz helfen: einem Kneipenquiz. „Die Idee ist gut. So können wir ein Angebot außerhalb der Kirche schaffen, Personen begegnen und sie bestenfalls wieder in die Kirche locken“, plant Krüper.
Von Hendrik Steimann