Räumlichkeiten vergrößern sich deutlich und Bürgermeister sagt Unterstützung zu.
Vertreter der Wittener Tafel im Gespräch mit Bürgermeister Dirk Leistner (2.v.l.).
Noch sind die Fensterscheiben an der Bahnhofstraße abgedeckt, da im Inneren Bauarbeiten anstehen. In dem Gebäude befand sich zuletzt die Kodi-Filiale. Nun wird die Wittener Tafel in die Räumlichkeiten einziehen und sich damit deutlich vergrößern sowie auch bewusst präsenter im Zentrum sein. Nach ersten Gesprächen stellt sich Wittens Bürgermeister Dirk Leistner hinter das Projekt, zu dem er auch eigene Ideen mitbringt – und nach Ansicht des sozial engagierten Vereins unterstützen muss.
Momentan ist die Tafel an der Herbeder Straße 22 zu finden. Die Räumlichkeiten sind dort bis April 2027 angemietet, um den Übergang in Ruhe und reibungslos ohne Einbußen für die Nutzenden vorzubereiten. Die aktuellen Räume werden allmählich zu klein, das merkte die Tafel in den vergangenen Jahren. In der Immobilie an der Bahnhofstraße sind die Räumlichkeiten seit März dieses Jahres angemietet. Dort stehen im Erdgeschoss rund 400 Quadratmeter bereit – damit ist die Fläche circa dreimal so groß im Vergleich zur Herbeder Straße. Im Kellergeschoss gibt es zudem einen großen Lagerraum sowie bald einen Kühlraum mit zusätzlichen 250 Quadratmetern Platz.
Konkrete Vorstellungen der Raumnutzung
An der Bahnhofstraße soll einiges passieren. Natürlich wird das aktuelle Angebot erhalten, es soll mit nun viel mehr Möglichkeiten im neuen Gebäude sogar ausgeweitet werden. Nach Vorstellungen der Tafel wird es neben dem Eingangsbereich einen Bereich für das kostenlose Frühstück geben und einen für die Kleiderkammer – der aktuelle Verkauf geschieht draußen unter einer Bierzeltgarnitur. In den neuen Räumen ist teilweise schon Mobiliar vorhanden, was von der Tafel weiter genutzt werden kann. Baulich möchte und muss die Tafel gar nichts verändern. „Wir ziehen eigentlich nur ein und bringen Möbel mit. Fluchtwege sind vorhanden, Barrierefreiheit ist genauso gegeben“, sagt der Vorsitzende, Ulrich Wolf.
Er merkt zudem an: „Vermieter Manfred Detaille ist uns bei der Miete entgegengekommen.“ Denn schließlich zahlt die Tafel derzeit zwei Mieten durch den parallelen Standort. „Wir achten aber auf unsere Kosten und haben viele Ehrenamtliche im Einsatz“, so der Vorsitzende. Derzeit gibt es 25 ehrenamtliche Helfer sowie acht hauptamtliche Kräfte. Wie viel Geld die Tafel für das große Projekt investieren muss, möchte sie nicht verraten. Es sei aber genügend Budget vorhanden. „Wir sind solide aufgestellt und haben Rücklagen gebildet“, betont Schatzmeisterin Birgit Wolf. Was in den kommenden Monaten passieren wird, sind Handwerksarbeiten. Beispielsweise hinsichtlich Elektrik, Heizung, Sanitär, oder Anstrich. Dazu macht die Tafel einen Aufruf. „Wer helfen kann und möchte, darf sich gerne bei uns melden“, sagt Ulrich Wolf. Kontaktaufnahme: info@wittenertafel.de
Tafel feiert im November 30-jähriges Bestehen
Zum 13. November soll mit Blick auf die Innenausstattung alles stehen, denn dann möchte die Tafel anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens eine kleine Feier am neuen Standort machen. Wann der komplette Umzug erfolgen wird, steht noch nicht genau fest. Einen Vorteil sieht die Tafel in der guten Anbindung an den ÖPNV, sodass die Nutzenden das Gebäude gut erreichen können. Durch die deutlichere Präsenz in Wittens Zentrum, mitten auf der Einkaufsstraße, erhofft sich die Tafel noch einen zusätzlichen Effekt: Präsenz des Themas Armut. Denn selbstredend sei dies mit Schamgefühl verbunden und nicht alle der rund 800 Karteninhaber und Berechtigten wollen in ihrer Lage erkannt werden.
„Wir möchten die Armut in Witten nicht verstecken, sondern sie integrieren. Wir haben teilweise schon mit unseren Kunden gesprochen und für sie ist das in Ordnung“, sagt der Vorstand unisono. Je mehr die Tafel und die Bedürftigkeit im öffentlichen Raum wahrgenommen werde, desto größer könne das Verständnis für bestimmte Lebenssituationen werden. „Das Thema sollte nicht an den Rand geschoben werden“, verdeutlicht die Tafel. Denn es ist Teil der heutigen Gesellschaft.
2000 Personen nutzen Angebot
Nutzende der Tafel sind nicht nur Zugewanderte oder bedürftige Familien, sondern auch Alleinerziehende oder Studenten – aufgrund der steigenden Mietpreise und Lebensunterhaltungskosten. Zum Kreis derjenigen, die das Angebot der Tafel in Anspruch nehmen, zählen rund 2000 Personen. Täglich kommen bis zu 200 zum Einkaufen. Sie sollen demnächst mit anderen Personen zusammengeführt werden. „Der neue Standort kann zu einem Begegnungszentrum werden“, so Wolf. Es wird einen eigenen Bereich für das Mittagessen geben, was in eigener Küche frisch zubereitet wird.
„Wir wollen das Vorhandene etablieren und dann weiterentwickeln“, sagt Wolf. Unterstützung dabei wird es von Bürgermeister Dirk Leistner geben. Er wünscht sich allerdings, dass bei der Gestaltung das Konzept der Innenstadt berücksichtigt wird. „Ich möchte damit eine Wahrnehmung in der Stadt erreichen, die jeder etwas individuell gestalten kann“, sagt Wittens Stadtoberhaupt. Das habe er beispielsweise auch schon in Gesprächen mit dem Investor des Galeria-Gebäudes besprochen.
Dem Verwaltungswirt sagt das Konzept der Tafel ohnehin zu, da er gerade die Innenstadt beleben möchte. Er spricht von einem „soziokulturellen Zentrum“, was entstehen könne und die Akzeptanz der ansässigen Händler und der Nachbarschaft mit sich bringen kann. In zwei Punkten ist die Tafel auf die Hilfe des Bürgermeisters angewiesen: Sie benötigt an der Rückseite des Gebäudes einen Parkplatz zur Anlieferung und Unterstützung bei dem Antrag auf Umnutzung. Nochmal zur Gestaltung: Die Fenster im Sitzbereich werden bis auf Kopfhöhe entsprechend unkenntlich gemacht, dass ein direkter Blick auf die Personen nicht möglich ist, das Leben im Inneren aber schon.
Von Hendrik Steimann