Nach überstandenen Insolvenzverfahren sollen Veranstaltungen weiter ausgebaut werden.
Werkstadt-Geschäftsleiterin Sabrina Eilebrecht zeigt sich zuversichtlich.
In diesem Jahr ist wieder mehr Bewegung im Programm der Werkstadt Witten. Nachdem es bereits die ersten erfolgreichen Veranstaltungen gab, stehen weitere auf dem Plan. Darunter auch neue Formate, die nun bewusst entwickelt werden, um das beliebte Kulturzentrum zu stärken und auf das 50-jährige Bestehen im kommenden Jahr vorzubereiten. In den vergangenen eineinhalb Jahren lief alles etwas sparsam an, nachdem das Team um Geschäftsleiterin Sabrina Eilebrecht das Insolvenzverfahren überstanden hatte.
Im Juni 2023 musste die Werkstadt Insolvenz beantragen, weil es nach der Zeit der Corona-Lockdowns nicht mehr den Zuspruch fand und vor allem eingeplante Unterstützungsgelder fehlten. Es folgten direkt viele Aufrufe seitens der Politik, die Werkstadt zu unterstützen. Es gab viele Gespräche, großer Rückhalt war spürbar. Nach einem turbulenten Jahr hatte das Kulturzentrum das eingeleitete Verfahren überstanden und befindet sich seit Juli 2024 in neuer Trägerschaft, unter dem Projektwerk L Plan B. Das Jahr im Insolvenzverfahren raubte den Verantwortlichen sehr viel mentale Kraft. „Die größte Herausforderung war, Absprachen zu treffen, weil man keine eigenen Entscheidungen mehr treffen konnte. Meine To-do-Liste war unendlich lang“, erinnert sich Eilebrecht.
Es sei zudem schwierig gewesen, die Mitarbeiter einzufangen. Eilebrecht: „Wenn man selbst einfach fertig ist, war es keine leichte Aufgabe, die anderen zu bestärken.“ Doch es konnte weitergehen. Im ersten Jahr nach der Insolvenz beobachtete die Werkstadt, wie alles anläuft. Das war zunächst recht verhalten, obwohl das Spektrum des Programms nicht heruntergefahren wurde. Aber: Viele waren verunsichert, ob es wirklich wieder wie früher weitergeht und hielten sich bei Buchungen zurück. „Die Qualität muss sich erstmal wieder einspielen, das muss man klar sagen“, räumt Eilebrecht ein. Im Zuge der Insolvenz mussten Stellen eingespart werden, das Team konnte letztlich aber erhalten bleiben, da sich intern Personal veränderte.
Seit Ende 2025 gibt es wieder einen Veranstaltungsplaner
Allerdings ging es nach der Insolvenz zunächst ohne Veranstaltungsplaner weiter. Die Kultureinrichtung musste erst alle Förderbedingungen für den Kinder- und Jugendbereich erfüllen, worauf in dieser Zeit der Schwerpunkt lag. Doch es soll nun wieder verstärkt Angebote für alle Altersklassen geben, für Senioren werden aktuell Ideen gesammelt. Erst seit Dezember 2025 gibt es mit Volker Lutz wieder einen Veranstaltungsplaner. Er ist für das Buchen der Künstler zuständig und bringt viel Motivation und Ideen mit. „Er ist mit 110 Prozent eingestiegen“, freut sich Eilebrecht. Formate, die es früher schon gab, wurden etwas überarbeitet. Das Format der beliebten 80er-Party etwa, was Ende Februar bereits mit einem Mix aus älteren und neueren Liedern aus derselben Stilrichtung gut ankam. Aufgrund der Veränderung heißt es nun auch „80s DNA“.
Unter den Gästen der Party waren auch Besucher des Sacramoto-Konzerts, was vorher im Raum nebenan stattfand und ausverkauft war. Sie können neuerdings kostenfrei bleiben und in den Genuss der Party kommen. „Sie war überraschend voll. Wir hoffen, dass es genauso weitergeht“, sagt die Geschäftsleiterin, die seit 2008 bei der Werkstatt arbeitet, begonnen mit ihrer Ausbildung, ehe sie 2014 die Leitung der Gastronomie und Vermietung übernahm und seit 2022 in ihrer aktuellen Funktion die Nachfolgerin von Christian Adams ist.
Große Partys, offenes Haus und eine Rückkehr
Am 28. März findet die nächste Auflage der Party statt. Direkt nach dem familiären Festival „Dark Skies over Witten“ (27. und 28. März), was sein 10-jähriges Jubiläum feiert. Zum Tanz in den Mai wird es mit dem niederländischen DJ Woody van Eyden außerdem eine weitere große Party geben, auch mit neuer Technik hinsichtlich Lichteffekten. „Wir müssen immer schauen, bei unserer kleinen Halle bekommt man nicht immer Hochkaräter“, ordnet Eilebrecht ein. Das liegt schlicht an den Gagen, die die „Großen“ nehmen. Dafür gab es in der Vergangenheit Künstler im Bereich Kabarett, die schon mal in der Werkstatt waren, ehe sie bekannt wurden. Zum Beispiel waren Chris Tall, Felix Lobrecht oder Enissa Amani im Saal, der „nur“ 320 Sitzplätze hat.
Das Angebot der Werkstadt soll hauptsächlich dafür da sein, heimisches Publikum anzulocken – gegen auswärtige Gäste haben die Veranstalter natürlich nichts. „Unser Leitbild und die Philosophie sind es, die Wittener Stadtgesellschaft abzuholen und zu beflügeln“, erklärt Eilebrecht. Deshalb gibt es auch das „offene Haus“ und damit die Möglichkeit, Räume unentgeltlich zu nutzen – solange dies nicht mit einem wirtschaftlichen Gewinn der Nutzenden zusammenhängt. In diesem Zuge finden schon mal Yogakurse statt. Auch das Improvisationstheater „Impro im Quartier“ unter der Leitung von Michael Remmert, was häufig im Wiesenviertel unterwegs ist, probte bereits in der Werkstadt. Es soll in diesem Jahr auch wieder ein koreanisches Festival geben, was im Vorjahr nach einer Anfrage Premiere feierte. In dem Falle erhielt die Werkstadt die Eintrittsgelder, da es keine Raummiete gab. Sonst agiert sie als gemeinnütziger Verein.
„Es geht auch darum, dass die Leute hierhin kommen und wir schauen, ob ein Projekt entstehen kann, wofür Förderungen kommen können“, sagt Eilebrecht. Förderung benötigt und erhält die Einrichtung grundsätzlich über das Kulturforum oder den Verband Soziokultur NRW, da die Werkstadt zu den soziokulturellen Zentren zählt. Zur Kinder- und Jugendförderung gibt es seit diesem Jahr immer mittwochs und freitags eine Hausaufgabenbetreuung im Jugendcafé „Treff“. Sechsmal im Jahr findet die „Young Beats Party“ für 12- bis 15-Jährige statt, im Februar gab es erstmals die „16up-Club-Party“. Und: Nach zwölf Jahren Pause wird wieder die Reihe „Gehacktes“ ins Leben gerufen, die es quartalsmäßig geben soll und bei der sich Newcomer-Band präsentieren können.
Von Hendrik Steimann