Realschule Grünstraße: Acht Unterrichtsräume wurden in Übergangscontainern bezogen.
Als die Schülerinnen und Schüler das erste Mal einen Blick in die neuen übergangsweise eingerichteten Klassenräume im Containerbau warfen, war ein Platz besonders beliebt: Die Sitzsäcke in der hinteren Ecke an der Fensterseite. Die stehen im Unterricht an der Realschule Grünstraße neben herkömmlichen Tischen und Stühlen zur Verfügung. In acht Räumen, die einigen Lehrkräften fest zugeteilt sind und in die Schulklassen für deren Fächer zu ihnen kommen.
Vor zwei Jahren waren vier alte Pavillons abgerissen worden. Seitdem kämpfte die Schule mit Platzmangel und es war absehbar, dass die Containerbauten für einige Jahre als Notlösung hermüssen. Im Oktober wurden 38 Container innerhalb weniger Tage geliefert, passgenau zusammengesetzt und danach eingerichtet, zweistöckig auf einer Grundfläche von 430 Quadratmetern. Optisch erkennt man gar nicht unbedingt, dass es sich um Container handelt, die farblich in Anthrazit mit vereinzelt grünen Flächen gestaltet sind. Die grünen Tupfer sind übrigens bewusst gewählt worden – angelehnt an die Grünstraße. So ist die Farbe auch im Inneren zu finden, selbst auf dem Fußboden der Klassenräume in hellerer Farbe. „Bei dem Konzept haben wir uns etwas gedacht“, sagt Schulleiterin Corinna Osman.
Die Schülerinnen und Schüler wandern zu den Lehrern
Überhaupt soll die Variante, die ja nur zum Übergang dient, bis ein Neubau folgt, als Startschuss für etwas Neues dienen. Heißt: Nicht mehr der Unterricht, den es noch vor 20 Jahren gab, sondern unter neuen pädagogischen Aspekten. Neu ist nun immerhin schon: „Die Kinder wandern zu den Lehrern, nicht andersherum.“ So beschreibt es Osman mit einem Zwinkern. Sie müssen also aufpassen, dass sie nach den Doppelstunden – mit diesem Konzept arbeitet die Schule – ihre Sachen nicht liegen lassen, da sich in den Containern nicht ihre feste Klasse befindet. „Das kriegen sie aber gut hin. Manche kennen es ohnehin, wenn sie einen Spind nutzen und in den Pausen dorthin gehen“, so die Schulleiterin.
Schule wird bei Mitgestaltung des Neubaus eingebunden
Sie arbeitete selbst lange Zeit an Hauptschulen, teilweise Brennpunktschulen. Aber auch die Schulformen der Real- und Gesamtschule hat sie bereits kennengelernt. Seit diesem Schuljahr ist sie wieder an einer Realschule und möchte in Hattingen aktiv mitgestalten. So wie einige andere aus dem Lehrerkollegium. Es sei spannend, moderne Konzepte zu entwickeln, mit eigenen Ideen, die jeder einbringen kann. Das soll künftig in den hellen Klassenräumen geschehen. An der Decke befindet sich eine Heiz- und Klimaanlage, die es so in einer anderen Hattinger Schule noch nicht gibt.
In ein paar Räumen steht noch altes Mobiliar, was aus den abgerissenen Pavillons weiterverwendet werden kann. Dennoch unterscheidet es sich von dem, was in den anderen Räumen steht – in denen es noch nach frischer Anschaffung riecht. Hattingens Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing warf bereits einen Blick in die neuen Räume. Sie erklärt generell: „Bei der Gestaltung von modernen Schulen haben wir nicht mehr nur eine Machbarkeitsstudie und schauen dann erst, wie etwas umgesetzt werden kann. Wir ermitteln mittlerweile direkt, wie wir in den bestehenden Räumen modernen Unterricht abbilden können, um keine Zeit zu verlieren.“ In der sogenannten Phase null gehe es um die zentrale Frage, wie das pädagogische Konzept aussehen soll.
Realschule hat den größten Nachholbedarf
Geht es um bauliche Erneuerungen, hat die Realschule laut Stadtverwaltung den größten Bedarf. Vieles ist überholt und hätte schon längst erneuert werden müssen. Eine Grundlagenforschung hatte ergeben, dass die Gebäudehülle teils marode ist und es Probleme hinsichtlich Feuchtigkeit gebe. „Es ist eine Riesenaufgabe, gleichzeitig aber auch eine Chance. Und wir wollen die Schule selbst aktiv mit einbinden“, sagt Birgit Siebers, stellvertretende Leiterin des Fachbereiches Gebäudewirtschaft. Möglicherweise seien die Container sogar eine dauerhafte Lösung, da sie hochwertig seien, worauf die Verwaltung bei der Anschaffung bewusst geachtet habe. Genauso darauf, dass es in den Räumen glatte Wände gibt und keine baulichen Vorsprünge – so auch keine Heizkörper.
Frontalunterricht soll Vergangenheit angehören
Für den Neubau der Schule wird ein Projektmanager eingesetzt – so soll es künftig für alle Großprojekte in der Stadt sein. Zwischen den einzelnen Fachbereichen der Verwaltung soll effektiver gearbeitet werden, wie Witte-Lonsing betont. Der Unterricht solle moderner werden. Das ist bereits bei der Konzeption des Neubaus am Gymnasium Waldstraße mit einbezogen ist. Realschul-Leiterin Osman möchte zeitgemäßer arbeiten, weg vom reinen Frontalunterricht. Es soll eine gute Mischung aus analogem und digitalem Unterricht geben. Noch gibt es nicht für alle Schüler iPads, was aber geplant ist.
Die Gestaltung der Klassenräume soll künftig anders angegangen werden. „Jedes Kind lernt anders und soll in seinem Tempo arbeiten können. Manche lernen besser auditiv, andere mit einer Tafel“, erklärt Osman. Sie denkt an vermehrtes selbstständiges Lernen. In der Umsetzung zum Beispiel an Stehtische, Sitzsäulen oder pyramidenförmig gestaltete Tische. So könnte es in Zukunft noch weitere Bereiche geben, die im Klassenraum besonders beliebt sind.
Von Hendrik Steimann