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Dies und Das

Weltfrauentag: Nachdenklicher Liederabend zum Träumen

Dorothee Isselstein-Mohr und Christoph Eisenburger: Benefizkonzert am 8. März für GESINE.

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Dorothee Isselstein-Mohr (ISIMO, wie sie liebevoll von einigen ihrer jungen Patienten genannt wird) engagiert sich seit Jahren mit einem Benefiz-Liederabend für alle, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Die deutsche sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin schlug am 27. August 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor. Es geht um Gleichberechtigung, Wahlrecht und Emanzipation. Das Frauenwahlrecht war ein Meilenstein auf dem Weg zur Chancengleichheit von Männern und Frauen. Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Damit konnten Frauen am 19. Januar 1919 zum ersten Mal in Deutschland reichsweit ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen, wählen und gewählt werden. Alljährlich am 8. März wird der Tag heute begangen und in der Regel überall mit Veranstaltungen gewürdigt. Das ist auch in Hattingen der Fall. Ein besonderes Benefizkonzert findet statt am Samstag, 8. März, 18 Uhr (Einlass 17.30 Uhr) in der Ev. Johannes Kirchengemeinde, Uhlandstraße 32. Unter der Schirmherrschaft der neuen Hattinger Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing und dem Motto „Mit Träumen beginnt die Realität“ (Daniel Goudevert) singt Dorothee Isselstein-Mohr ausdrucksstarke Lieder zum Thema, begleitet am Piano von Christoph Eisenburger. Der Abend wird unterstützt von dem Lionsclub Bochum-Allegra. Ein gemütlicher Ausklang nach dem Konzert ist geplant. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, um eine Spende für GESINE wird gebeten. Ein Infostand der Einrichtung ist vor Ort.

Erlös immer für Brennpunkt-Themen bestimmt
Dorothee Isselstein-Mohr („ISIMO“, wie sie manchmal liebevoll genannt wird) führt seit über zwanzig Jahren die psychotherapeutische Praxis „Energietankstelle Hattingen“. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Krebshilfe Sprockhövel/Hattingen und andere gemeinnützige Zwecke – beispielsweise durch diesen Liederabend. Sie selbst singt seit 18 Jahren, professionell ausgebildet durch Tanja Raich. Christoph Eisenburger ist freiberuflicher Pianist und Keyboarder und war unter anderem in vielen Theatern in Bands und Orchestern zu hören – darunter viele Jahre für die Stage Entertainment sowie beim Starlight Express. Seit 2017 hat er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Köln.
Es ist das fünfte Benefiz-Konzert dieser Art. Jedes Jahr geht der Erlös an ein anderes Projekt. Immer jedoch sind es Brennpunkt-Themen. Unterstützt wurden in der Vergangenheit eine Flüchtlingsfamilie, eine Familie mit einem schwerbehinderten Kind, ein Krankenhaus in der Ukraine und eine Frühstücksorganisation für das Schulfrühstück von Kindern, die ohne Essen in die Schule kommen. In diesem Jahr geht die finanzielle Hilfe an GESINE.
GESINE ist ein norddeutscher Frauenname. In seiner Übersetzung bedeutet er „starke Speerkämpferin“. Es dürfte kein Zufall sein, dass das Zentrum für Prävention, Information, Schutz und Unterstützung bei Gewalt gegen Frauen im EN-Kreis genau diesen Namen im Titel trägt. 1992 eröffnete der Verein „Frauen helfen Frauen EN e.V.“ das Frauenhaus im EN-Kreis. 1996 wurde mit der Frauenberatungsstelle ein weiteres Angebot für Frauen in schwierigen Lebenssituationen geschaffen. Und es gibt noch viel mehr.
Nachts mit der Polizei oder tagsüber mit einem Köfferchen an der Hand – so kommen die meisten Frauen nach einem telefonischen Erstkontakt über die Rufnummer 02339 – 6292 in das Frauenhaus des Ennepe-Ruhr-Kreises. In welcher Stadt es liegt, dürfen wir aus Sicherheitsgründen nicht verraten, denn es ist in den über dreißig Jahren seit der Gründung öfter vorgekommen, dass rasende Ehemänner, Brüder oder andere männliche Familienmitglieder Einlass begehrten. Immer ist die Ursache der Aufnahme in das Frauenhaus häusliche Gewalt. Häufig ist es körperliche Gewalt, aber auch psychische oder sexuelle Gewalt, Demütigungen und finanzielle Abhängigkeiten gehören dazu. 25 Plätze bietet das Haus, aber der Bedarf ist deutlich höher. Unter www.frauenhaus-suche.de kann seit dem 31. Mai 2021 tagesaktuell die Aufnahmekapazität von Frauenhäusern und Schutzwohnungen bundesweit öffentlich eingesehen werden. Bundesweit fehlen laut Istanbul-Konvention ca. 15.000 Betten in den Frauenhäusern. Das führt seit Jahren zu einem chronischen Platzmangel in den Häusern. 
Rund 70 Frauen kommen pro Jahr ins Frauenhaus EN. Manche bleiben Monate, manche nur ein paar Wochen. Falls Kinder mitbetroffen sind, müssen diese Kita oder Schule wechseln und eine Einrichtung in der Nähe des Frauenhauses besuchen – wenn sie in der Kita einen Platz bekommen. Der Weg zurück in ein eigenes Leben führt für die Frauen oft nur über staatliche Leistungen. Viele von ihnen haben, wenn sie einen Beruf hatten, diesen lange nicht mehr ausgeübt. 
Manchmal ist die Flucht aus dem alten Leben planbar. Dann ist es wichtig, ein paar Dinge mitzunehmen. Dazu gehören alle wichtigen Papiere wie Pässe und Ausweise, Geburts- und Heiratsurkunden, Jobcenter- oder Rentenbescheide, Krankenkassenkarte, Mutterpass, gelbes Vorsorgeheft, Impfpässe, Kontokarte, Sparbücher, Bargeld, Mietvertrag der Wohnung, Zeugnisse, Zertifikate vom Deutschkurs, Unterlagen von Verträgen (z.B.: Telefon, Internet, Versicherungen), notwendige Medikamente, Kleidung, für Kinder die Schulsachen und das Lieblingsspielzeug. Wenn die Flucht nicht planbar ist, kommen die betroffenen Frauen mit leeren Händen.
Im Jahr 2024 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten erfasst (+2,1 %, 2023: 52.330). Knapp die Hälfte war zum Tatzeitpunkt minderjährig. Die meisten dieser Frauen und Mädchen wurden Opfer von sexueller Belästigung (36,4 %), Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff (insgesamt 35,7 %) sowie sexuellem Missbrauch (27,5 %). 2024 wurden 308 Mädchen und Frauen getötet. 265.942 Menschen wurden in Deutschland Opfer Häuslicher Gewalt, ein neuer Höchststand. Damit ist knapp ein Viertel aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Opfer der Häuslichen Gewalt zuzuordnen. 70,4 Prozent der Opfer sind weiblich. Die Dunkelziffer ist hoch.  Von Dr. Anja Pielorz