Charta-Tisch Pflege: Vom Heim ins Krankenhaus - welche Informationen wirklich wichtig sind.
Wer aufgrund einer akuten Hilfssituation in ein Krankenhaus muss, ist darauf angewiesen, dass die den Betroffenen versorgenden Fachkräfte über die notwendigen Informationen verfügen. Im Idealfall kann der Patient selbst Auskunft geben oder ihm stehen Angehörige zur Seite, die das für ihn erledigen. Manchmal liegt auch eine sogenannte Notfall-Dose vor, in der ein Zettel mit den wichtigsten Informationen steckt. Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht kommen oft erst nachgeordnet zum Einsatz, weil in einem Notfall in der Regel jede Minute zählt und die Zeit fehlt, langwierige Unterlagen zu lesen.
Kommt ein Bewohner eines Pflegeheimes ins Krankenhaus, gibt es in der Regel einen Patientenüberleitungsbogen. Darauf stehen wichtige Hinweise zum Bewohner. Einen solchen Bogen gibt es oft auch bei Überleitungen zwischen verschiedenen Krankenhäusern oder sogar zwischen verschiedenen Stationen innerhalb eines Hauses. Aktuell gibt es keine gesetzliche oder andere allgemein verpflichtende Vorgabe bezüglich Form und Inhalt des Überleitungsbogens. Verbände und Institutionen haben eigene Formulare entwickelt. In Folge besteht das Risiko, dass Informationen, die für eine empfangende Institution relevant sind, nicht im Formular der überleitenden Institution enthalten sind. Essentiell wichtig ist vor allem der aktuelle Medikamentenplan.
Deshalb sind Informationen so wichtig
Wer von einer Einrichtung in eine andere Institution übergeleitet werden muss (beispielsweise von der Altenhilfeeinrichtung in ein Krankenhaus, vom Krankenhaus in eine Reha-Einrichtung oder auch von zuhause in ein Krankenhaus) muss sich klar machen, dass er auf Menschen trifft, die ihn, seine Beschwerden und vor allem einen möglichen bisherigen Krankheitsverlauf nicht kennen.
Spätestens nach einer unumgänglichen Notversorgung zum Lebenserhalt tauchen eine Menge Fragen auf, die der Patient nicht selten mehrfach an unterschiedlichen Stellen beantworten muss. Das sorgt nicht nur für Stressmomente beim Patienten, sondern kostet auch Zeit. Noch schwieriger wird es, wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, die Fragen zu beantworten. Gründe können sein aktueller Gesundheitszustand sein, aber auch dauerhafte Erkrankungen wie eine Demenz oder kognitive Defizite.
Infobogen bei Demenz und kognitiven Defiziten
Die Fachhochschule der Diakonie hat unter dem Label „Lern von mir“ einen Fachbogen zur Unterstützung von Menschen mit Demenz in Allgemeinkrankenhäusern entwickelt. Aufgeführt wird dort neben dem Namen des Betroffenen auch, wie er gerne genannt werden möchte, welche Personen, Orte, Tiere oder Gegenstände für ihn wichtig sind, wie er gerne Zeit verbringt, welche Dinge ihm bei der täglichen Routine helfen, was ihm gefällt oder auch nicht und was ihn im Falle von Angst oder Aufgebrachtheit beruhigen kann. Ziel der Angaben ist Hilfe und besseres Verständnis des Betroffenen für die Pflegekräfte und so eine Erleichterung alltäglicher Situationen für alle Beteiligten. In Deutschland sind 1,5 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.lernvonmir.fh-diakonie.de.
Patientenüberleitung bei palliativer Versorgung
In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt auf Heilung ausgelegt. Es gibt aber Krankheitsverläufe, die eine Heilung nicht mehr möglich machen. Um dem Betroffenen eine möglichst hohe Lebensqualität ohne Schmerzen zu ermöglichen, wird er palliativ versorgt. Hinter dem Begriff steht nicht der unmittelbar eintretende Tod, sondern palliative Versorgung bedeutet, dass derjenige an einer lebenszeitverkürzenden Erkrankung leidet. Wieviel Lebenszeit demjenigen noch verbleibt, ist vollkommen unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Der Hattinger Charta-Tisch Pflege beschäftigt sich aktuell mit der Frage, wie ein Patientenüberleitungsbogen für die palliative Versorgung aussehen sollte, um alle notwendigen Informationen im Kommunikationsprozess zu transportieren. Denn auch ein Palliativpatient kann Patient im Krankenhaus werden, beispielsweise durch einen Sturz.
Das können Sie und Ihre Angehörigen tun
Jeder Mensch sollte sich mit den Fragen einer Patientenverfügung, der Vorsorgevollmacht und der Betreuung auseinandersetzen – und das idealerweise zu einem Zeitpunkt, wo diese Dokumente noch nicht benötigt werden. Diese Unterlagen sind wichtig; für eine akute Versorgung, die jeden Menschen von jetzt auf gleich treffen kann, aber zu umfangreich. Ergänzend braucht es deshalb die wichtigsten Informationen kurz und knapp zusammengefasst. Hilfreich ist schon ein Zettel bei der Gesundheitskarte mit Informationen zum Medikamentenplan, zur Blutgruppe, einem Hinweis auf eine chronische Erkrankung – sofern vorhanden – und dem Namen und der Telefonnummer eines Angehörigen. Das kann fast jeder Mensch selbst erledigen.
Wenn Sie oder ein Angehöriger in eine Pflegeeinrichtung müssen, tragen Sie Sorge dafür, dass den Pflegekräften alle wichtigen Informationen in möglichst übersichtlicher Form zur Verfügung stehen – auch bei einer möglichen Kurzzeitpflege.
Die SIS-Pflege (Strukturierte Informationssammlung) ist ein praxisorientiertes Instrument zur systematischen Erfassung aller pflegerelevanten Informationen. Sie bildet die Grundlage für eine Maßnahmenplanung in einer Pflegeeinrichtung, indem sie die körperliche und psychische Verfassung, die soziale Situation sowie die Lebensgewohnheiten und Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person strukturiert abbildet. Aber sie ist sehr umfangreich und gerade bei einem Wechsel des Betroffenen zwischen verschiedenen Institutionen kann nicht vorausgesetzt werden, dass alle relevanten Informationen ausgetauscht werden und an die richtige Stelle kommen.
Thema Ambulanter Hospizdienst
Der AHD Witten/Hattingen e.V. berät zu allen Fragen um Palliativmedizin, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Er begleitet palliativ und hospizlich und vernetzt mit den richtigen Institutionen.
An diesen Terminen gibt es Beratungen:
Jeden ersten Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr, Bürgercafé Holschentor, Talstraße 8; jeden zweiten Donnerstag im Monat, 11 bis 14 Uhr, Bürgertreff Welper, An der Hunsebeck 18; jeden dritten Freitag im Monat, 10 bis 12 Uhr, Freilligenbörse Sprockhövel, Hauptstraße 44 und jeden vierten Dienstag im Monat, 15 bis 17 Uhr, Seniorenwohnheim Heidehof Niederwenigern.
Der Ambulante Hospizdienst Witten/Hattingen steht zur Verfügung:
Regionalbüro WITTEN, Andrea Glaremin und Susanne Gramatke, Pferdebachstr. 39a in 58455 Witten; Telefon 02302 589 39 26 oder Mobil 0174 972 62 65; E-Mail: ahd@diakonie-ruhr.de.
Regionalbüro HATTINGEN, Hannah Pfeiffer, mobil 0174 97 97 029 oder E-Mail AHD-Hattingen@gmx.de; Andreas Fleer, mobil 0151 57 99 28 81 oder E-Mail AHD-Fleer@gmx.de.
Nächster Termin Charta-Tisch Pflege: Donnerstag, 7. Mai, 15 Uhr, Ambulanter Hospizdienst Regionalbüro Hattingen, Krämersdorf 3, Hattingen.
Von Dr. Anja Pielorz