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Gesundheit

Was eine gute Beratung bei Inkontinenz ausmacht

EvK-Chefarzt Prof. Dr. Wiedemann entwickelt mit wissenschaftlicher Arbeitsgruppe Leitfaden zur Hilfsmittelberatung.

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Inkontinenz ist ein Tabuthema. Dabei sind 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland davon betroffen. Ihre Angst, es nicht rechtzeitig zur Toilette zu schaffen, können richtige Hilfsmittel lindern. Doch genau hier hakt es oft. Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am Evangelischen Krankenhaus Witten, hat deshalb im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Urologie zusammen mit einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe einen Leitfaden entwickelt, wie eine Hilfsmittelberatung im Idealfall ablaufen sollte, um Betroffenen bestmöglich zu helfen. Anlass war das ernüchternde Ergebnis einer Untersuchung von Stiftung Warentest, die 2017 die Beratungsleistung von 20 Anbietern getestet hatte, die Patienten mit aufsaugenden Inkontinenzprodukten versorgen. Das damalige Fazit der Tester: Es bestehe dringender Optimierungsbedarf.
Andreas Wiedemann und seine Kollegen haben den Beratungsprozess rund um die Hilfsmittelversorgung geprüft und schließlich strukturiert, vereinheitlicht und verbessert. Die Ergebnisse nach 18-monatiger wissenschaftlicher Arbeit haben sie nun in einer Leitlinie zur Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz zusammengefasst.
Unerlässlich für eine sinnvolle Hilfsmittelversorgung ist es, den Grad und die Form der Inkontinenz zu kennen. „Manche Betroffene verlieren schwallartig Urin, andere kontinuierlich einige Tropfen über den Tag verteilt, wieder andere nur bei körperlicher Anstrengung – entsprechend unterschiedliche Einlagen sind nötig“, sagt Prof. Dr. Andreas Wiedemann. Ein Kurzfragebogen, den Betroffene bei der Beratung ausfüllen, kann hier schnell Aufschluss geben.
Betroffene sollten sich bei der Beratung nicht mit dem erstbesten Produkt zufriedengeben, sondern gezielt nach Mustern zum Testen fragen, um eine kostspielige Fehlversorgung zu verhindern.
„Im Idealfall erhalten Betroffene gleichzeitig mindestens zwei erstattungsfähige und zwei zuzahlungspflichtige Hilfsmittelalternativen in einer Menge, die einem Tagesbedarf für jeweils zwei bis drei Tage entspricht“, so der EvK-Chefarzt der Klinik für Urologie. Seine Erfahrungen vom Tragekomfort über die Handhabung bis zum Hautzustand hält der Patient dann am besten in einem Bewertungsbogen fest.
Doch Einlagen sollten keine Dauerlösung sein: „Inkontinenz ist eine heilbare Erkrankung. Einlagen können am Anfang einer Therapie eine Ergänzung sein. Ziel sollte aber sein, langfristig keine Einlagen mehr zu benötigen“, so Deutschlands erster und einziger Professor für Uro-Geriatrie.

EvK Witten, Klinik für Urologie, 02302/175-2521