Die Stadtbibliothek Witten organisiert bereits zum vierten Mal das Kinderliteraturfestival.
Viele gebannte Kinderaugen schauen nach vorne zum Autor, der ein Buch aufgeschlagen hat und ihnen daraus etwas vorliest. Mal etwas nüchterner, mal mit viel Mimik, Gestik und auch verschiedenen Stimmlagen. Dieses Bild findet man im Februar und März im Rahmen des vierten Kinderliteraturfestivals (KiLiFee) nicht nur in der Stadtbibliothek Witten vor. Über sie wird die Veranstaltung organisiert und hat sich seit 2022 ausgeweitet. Dem Vorlesen soll dabei eine Bühne geboten werden und vor allem der Stellenwert, den es in der heutigen Zeit hat – auch fernab des Buches.
„Vorlesen ist in Deutschland momentan sehr gefragt, es wird mehr und mehr nach der Coronakrise“, weiß Autor Boris Pfeiffer, der zum Start des diesjährigen Festivals in der Wittener Stadtbibliothek an der Husemannstraße zwei Grundschulklassen aus einem seiner Bände von „Die drei ??? Kids“ vorlas und sie dabei mit seiner locker-sympathischen Art fesselte. Er ist neben Ulf Blanck einer der beiden Autoren und hat bereits über 120 Bücher der bei Kindern sehr beliebten Roman-Reihe geschrieben. Überhaupt schreibt der 61-Jährige seit knapp 30 Jahren selbst Bücher und liest sehr gerne vor. Was seiner Ansicht nach heutzutage in Familien oft zu kurz kommt.
Bindung zum Kind entsteht
„Erziehende Eltern sind teilweise nicht mehr mit Vorlesen groß geworden. Dabei lieben und brauchen Kinder es. Es kann zum Alltagshelfer werden und hat in seiner Kraft nichts verloren“, sagt Pfeiffer. Durch Vorlesen kann eine Bindung zu Kindern hergestellt werden. „Es bietet Gesprächsbedarf, Kinder und Eltern kommen in den Austausch, nicht nur über das Buch, aber es gibt den Anlass und schafft somit Innigkeit“, beschreibt es der Autor, der animieren möchte, dass Eltern ihrem Nachwuchs vorlesen und dabei kuscheln und kichern können. Seine Präsenz in der Bibliothek half, bei den Kindern Lust am Lesen zu wecken. Er gab am Ende sogar Autogramme, der Schüler Florentin hatte sogar extra sieben Bücher mitgebracht und ließ sie sich signieren.
Und die Kinder durften ihn alles fragen, das erlaubte er ihnen ausdrücklich. Die Autorinnen und Autoren, die in den verschiedenen Bibliotheken vorlesen, wollen nämlich vormachen, wie man nach dem Lesen in Kontakt und Austausch kommt. „Ein Junge wollte nach dem Vorlesen mal wissen, welche Schuhgröße ich eigentlich habe“, erzählt Pfeiffer lachend. In dem Moment hatte das Kind sogar unerwartet für den Eisbrecher gesorgt – das Beste, was passieren konnte. In Witten fragten Kinder den Autor, wie lange er an einem Buch schreibt – das variiert zwischen eineinhalb Monaten und drei Jahren – was jeweils für Staunen sorgte. Pfeiffer verriet den Kindern, wie er auf leichte Weise ans Schreiben kam: über kleine Gedichte.
Mittlerweile sind neun Städte dabei
Das Konzept des Kinderlesefestivals ist sehr gewachsen, zu Beginn war neben Witten nur Bochum mit ihrer Stadtbücherei im Boot. Bei der vierten Auflage sind es neben diesen beiden sieben weitere Städte mit ihren Bibliotheken: Hattingen, Sprockhövel, Wetter, Gevelsberg, Ennepetal, Schwelm und Dortmund mit seinem Literaturhaus. „Der Gedanke war vor vier Jahren, Leseförderung zu ermöglichen. Wir möchten die Kinder über ihre Grundschulen abholen und im Optimalfall nachmittags im öffentlichen Bibliotheksbetrieb wiedersehen“, erzählt Initiatorin Lisa Kreuzer, die in Witten die Kinder- und Jugendbibliothek betreut. In dieser wird es am 5. März noch eine Lesung geben: Dayan Kodua liest aus „Wenn meine Haare sprechen könnten“ vor (Anmeldung möglich: lisa.kreuzer@stadt-witten.de; 02302/581-2504).
Generell soll über „KiLiFee“ der Spaß am Lesen vermittelt sowie die Fantasie geweckt werden. Die Kinder erzählen von den Vorlesungen. Dadurch verbreitet sich das Thema Lesen in der Schule und es kommen immer mal wieder Kinder in die Bibliothek und holen sich einen Ausweis. Ob das verstärkt durch die Aktion passiert, kann Lisa Kreuzer jedoch nicht genau evaluieren. Sie bekommt dagegen mit, dass Familien mittlerweile auch zu den Vorlesungen in den anderen Städten fahren. „Wir Bibliotheken sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern bestärken uns gegenseitig. Auch wenn an einem Standort Personalkapazitäten knapper sind“, sagt sie Organisatorin.
Finanziell summiert sich das Kinderlesefestival auf rund 9000 Euro. Mehr als 7000 davon werden über die Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung gefördert. So wird der Eigenanteil der teilnehmenden Bibliotheken auf weniger als 200 Euro gehalten.
Von Hendrik Steimann