Historische Stadtführung Blankenstein mit Nachtwächter Henning Sandmann.
In seinem Garten hat Henning Sandmann einen selbstgebauten Pranger stehen. Gerne zeigt er bei seinen Führungen durch Blankenstein wie es gewesen sein muss, an diesem Schandpfahl zu stehen und von der Bevölkerung bespuckt oder sogar mit Fäkalien beworfen zu werden. Bis 1839 wurde ein Pranger eingesetzt.
Fast schon seit Menschengedenken lebt die Familie von Henning Sandmann in Blankenstein. Seine Familie ist zurückzuführen auf Heinrich Peters (1659-1709), Bürgermeister, Richter, Kirchmeister und Provisor der Gemeinde. 1817 heiratete die Ur-Ur-Enkelin Maria Christina Peters einen Johan Salomon Schmitz (oder Schmidts) genannt Sandmann. Aus irgendwelchen Gründen wurde vermerkt, dass Schmitz eigentlich Sandmann hieß und so ist es dann auch geblieben.
Henning Sandmann erblickte 1950 im Krankenhaus Blankenstein das Licht der Welt und entwickelte schon früh seine Heimatliebe zum „blancken Steyn“. Der Name stammt übrigens von der Errichtung der Burg Blankenstein 1227 durch Graf Adolph von der Mark auf dem als „blanker Steyn“ bezeichneten Felssporn. Neben der Begeisterung für Historisches liebt Sandmann das Rudern – aktiv, als Trainer und als Funktionär. So war er Heimtrainer von Olympiasieger Armin Eichholz und Weltmeister Christian Georg Warlich.
Nach seiner beruflichen Tätigkeit bei der Kreisverwaltung Ennepe-Ruhr begann er vor zwölf Jahren, sein heimatkundliches Wissen mit ehrenamtlichen Führungen durch Blankenstein unter dem Dach von Bürgergesellschaft und Heimatverein weiterzugeben. Im historischen Gewand führt er Interessierte mit Laterne, Hellebarde und Signalhorn vom Blankensteiner Marktplatz über die Straßen Zu den sieben Hämmern, Freiheit und Burgstraße zur Burg und zurück zum Marktplatz. Manchmal ist er auch als Stadtschreiber zum Schnadegang (Grenzgang) unterwegs oder er streift mit Frack und Zylinder als historischer Freund von Carl Friedrich Gethmann durch den Gethmannschen Garten. Sandmann lebt mit seiner Familie in seinem Elternhaus im Blankensteiner Ortskern. Neben seiner Frau gehören zwei Söhne und drei Enkelkinder dazu. Die 13-jährige Mara, Schülerin der Gesamtschule in Welper, tritt schon heute in Opas Fußstapfen und weiß bei Führungen im historischen Kostüm viel über die Vergangenheit zu berichten. So führt sie beispielsweise das Kerbholz vor – ein Rechenstab früherer Zeiten für Schuldner und Geldverleiher. Opas „echter“ letzter Vorgänger war Julius Wevelsiep, der 1906 als Nachtwächter in den Ruhestand verabschiedet wurde. Zum einen war er Bote für das Überbringen von Nachrichten (hier diente die Glocke der Aufmerksamkeit für die Verkündung), zum anderen nahm er Sicherheitsaufgaben (mit der Hellebarde) wahr. Trotz der wichtigen Funktion war es jedoch ein niedriger Berufsstand.
Wenn Henning Sandmann launig über die größte Pfanne Westfalens berichtet, die in Blankenstein 1895 hergestellt wurde und in der man 48 Koteletts gleichzeitig braten konnte, oder über die Geschichte der Blankensteiner Häuser – die Hauptstraße 5 war mal eine Schule und später Heimat der Fleischerei Radtke – hängen die Besucher an seinen Lippen. Vor der Corona-Pandemie führte er rund 600 Interessierte pro Jahr durch die engen und malerischen Gassen. „Es macht mir einfach Spaß und ich finde es schön, den Menschen die vergangenen Zeiten zu erklären. Ich bin auch in Kitas und Schulen unterwegs“, erzählt er. Außerdem ist Sandmann handwerklich geschickt und hat neben dem Pranger auch noch Halseisen und Handschellen im Angebot.
Wer ihn buchen möchte: Bürgergesellschaft Blankenstein: www.blankenstein-ruhr.de; Henning Sandmann, Telefon 0178 8233260. Treffpunkt für die Stadtführungen ist der Felsen („blanke Stein“) auf dem Marktplatz vor dem Stadtmuseum in Blankenstein. Die Führung dauert etwa 90 Minuten und ist kostenfrei. Um ein Trinkgeld wird gebeten. Zu besonderen Festen wie dem Blankensteiner Weihnachtsmarkt gibt es feste Führungstermine.
Von Dr. Anja Pielorz