AVU unterstützt: Die Berg- und Skigilde Hattingen.
Wer den Vereinsnamen liest, vermutet nicht, dass die sportlichen Aktivitäten sich über das gesamte Jahr erstrecken. Doch genau das ist bei der Berg- und Skigilde (BSG) Hattingen der Fall. Sie bietet keineswegs nur Wintersport an, sondern ist auch über die Sommermonate auf den Bergen unterwegs – dann ohne Ski. Außerdem gibt es Sportangebote unter dem Hallendach. Unter dem Motto „Mehr als nur Skilaufen“ wird ganzjährig für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren etwas geboten.
Es war damals eine Gruppe Gleichgesinnter, die den Verein vor 70 Jahren gründeten. Sie wollten den Wintersport breitensportmäßig betreiben und gar keine Wettkämpfe besuchen. „Sie haben sich daher in den Wintern auf den Weg ins Sauerland gemacht“, erzählt der aktuelle Vorsitzende Reinhardt Lembcke. Genau dieses Konzept ist auch heute noch das Grundgerüst des Vereins. Dennoch entwickelte sich im ersten Jahrzehnt auch Leistungssport in der Skigilde. Einige Mitglieder, die sich dem Verein anschlossen, waren motiviert. „Sie haben sich gut entwickelt. Skiclubs aus dem Sauerland hatten aber damals schon Vorteile, da die Kinder dort von klein auf zu den Pisten kommen“, sagt Lemcke.
1963 richtete die BSG den 1. Hattinger Ski-Jugendtag mit Stadtmeisterschaften auf Bauer Hansbergs Wiese am Schulenbergwald aus. Teilgenommen hatten 68 Kinder und Jugendliche aus neun Hattinger Vereinen, 1000 Zuschauer waren dabei. Dies war allerdings die einzige Veranstaltung in diesem Rahmen. Später gab es Stadtmeisterschaften, die sich allerdings ins Sauerland verlagerten – aufgrund der besseren Schneebedingungen. Die Organisation von weiteren Wettkämpfen zwischen 1975 bis 1988 war nicht ohne. „Für den Transport des Materials wurde extra ein Bus gechartert. Es war aufwendig, zumal die A44 früher noch nicht ausgebaut war“, schildert Lembcke.
Erfolge für die BSG im Skirennsport
Einige Starter der BSG waren sehr erfolgreich im Skirennsport (Slalom, Riesenslalom, Kombination) und erreichten zwischen 1958 und 1981 vordere Plätze bei Bezirksmeisterschaften des Westdeutschen Skiverbandes. 1967 qualifizierte sich Otto Nowoczin sogar für die Alpine Deutsche Skimeisterschaft. Vom Leistungssport ging es im Verlaufe der Jahre mehr und mehr zum Breitensport. Skilanglaufmeisterschaften gab es weiterhin in den 1980er-Jahren. Aktuell gibt es im Verein niemanden, der den Skisport leistungsmäßig betreibt.
In den 1970er-Jahren entstanden Angebote für das Eltern-Kind-Turnen. „Die Eltern wollten ihre Kinder generell an den Sport heranführen“, sagt der Vorsitzende, der selbst erst seit 1991 in Hattingen heimisch ist und sich 1993 der BSG anschloss. Seinen früheren Verein, den Skiclub Rumbeck aus dem Sauerland, gibt es allerdings nicht mehr. Er war auf den Skisport spezialisiert. Anders als der Hattinger Verein. In der Gründungsphase des Vereins wurde schon eine Jugendabteilung gebildet. Der Zulauf an Kindern ist zuletzt groß gewesen. Daher gibt es auch ein spezielles Angebot für Jugendliche in der Sporthalle des Gymnasiums Waldstraße, darunter eine Ballsportgruppe.
Die Wintersaison läuft von Oktober bis April, aber auch in der Zeit ist die BSG nicht nur auf Skiern unterwegs. Natürlich stehen Fahrten und die große jährliche Freizeit an. Im März dieses Jahres ging es in den Bregenzerwald. Sonst sporteln die Mitglieder montagsabends im Rahmen der Ski-Gymnastik. In der Sommersaison wird diese erweitert und im Rahmen des ÜFü-Clubs angeboten. Der Anteil der älteren Mitglieder (ab 50 Jahre) ist groß. „Das hängt damit zusammen, dass viele früher mit ihrer Familie im Verein groß geworden und geblieben sind“, so der Vorsitzende.
Daher etablierte Vereinskollege Ernst Kessler das Angebot. Er arbeitete früher bei der Stadt Hattingen und trieb dabei schon Sportangebote mit vielen Ideen voran. Heute ist er 93 Jahre alt und zählt gemeinsam mit seiner Frau Christel (88) zu den Gründungsmitgliedern der BSG. „Er hat sich alles einfallen lassen, was im Sommer für Angebote entstehen können“, sagt Lembcke. Mit Werner Berndt gibt es einen 84-Jährigen im Verein, der den Seniorensport sowie die Walkingangebote leitet, an drei Tagen in der Woche. Der Verein beteiligt sich zudem von Mai bis Juli einmal pro Woche an der Abnahme des Deutschen Sportabzeichens.
Großer Skibasar und Hammerwanderung
Im Sommer stehen auch Radtouren im Programm. Der Verein hat einen Veranstaltungskalender. Dabei kommt die AVU ins Spiel, die darin eine große Anzeige schaltet. „Die finanzielle Unterstützung hilft uns, dass wir für unsere Mitglieder das Heft mit einer großen Übersicht der Veranstaltungen drucken lassen können“, sagt Lembcke. Dort stand früher auch der 2014 eingestellte, zuvor aber sehr beliebte Skibasar drin, bei dem die Skigilde mit Expertise beraten konnte.
Eine öffentliche Veranstaltung der BSG im Sommer ist die Hammerwanderung. Sie findet diesmal am 9. Mai statt, bereits zum 24. Mal. 1999 gab’s die erste Auflage. Dabei geht es 63 Kilometer rund um die Stadtgrenze von Hattingen. „Das war damals eine Attraktion, es waren anfangs nur die ganz Fitten dabei. Es hat sich so sehr herumgesprochen, dass mittlerweile die wenigsten aus dem Verein selbst dabei sind. Dafür viele aus anderen Städten“, erzählt Lembcke.
Von Hendrik Steimann