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TuS Stockum entthront den SV Herbede unter dem Hallendach

Bei der Hallenfußball-Stadtmeisterschaft in der Husemann-Sporthalle gewinnt Stockum 4:1 im Finale. Ausrichter Portugal SV Witten feiert in diesem Jahr Jubiläum.

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Bei der Hallenfußball-Stadtmeisterschaft in der Husemann-Sporthalle gewinnt Stockum 4:1 im Finale. Ausrichter Portugal SV Witten feiert in diesem Jahr Jubiläum.

Es war ordentlich etwas los in der Husemann-Sporthalle, als dort am 10. und 11. Januar der Fußball rollte. Die Hallenstadtmeisterschaft sorgte für viel Stimmung bei den teilnehmenden Teams und den Zuschauern, die zum dritten Mal in Folge Budenzauber mit Rundum-Bande erleben durften. Am Ende setzt sich im Finale der TuS Stockum mit 4:1 gegen Titelverteidiger SV Herbede durch. Kurios war: Im Halbfinale spielten beide Teams jeweils gegen ihre Reserven und gewannen. Im Spiel um Platz drei bezwang die zweite Mannschaft der Herbeder die der Stockumer umgekehrt mit 4:1.

Ausrichter war der Portugal SV Witten, der sich bewusst dafür beworben hatte. Denn in diesem Jahr feiert der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr möchte der portugiesische Fußballklub daher präsent sein. Es folgen das traditionelle Pfingstturnier sowie eine Jubiläumsfeier am 13. Juni in der Werkstatt – wofür bereits für Eintrittskarten geworben wurde. Seit 1976 spielen im Verein viele portugiesischstämmige Fußballer. Gegründet hatten ihn Gastarbeiter. Die Gründer spielten zuvor ab 1974 beim damaligen VfL Witten 07 (heute: FSV Witten) in der dritten Mannschaft. Unter den Gründern war Americo Vicente, der Vater des aktuellen Vorsitzenden, Alex Vicente. Zudem befand sich José Correia da Silva im Gründungsteam, dessen Sohn derzeit Inhaber des Casa Portugesa in der Innenstadt ist.

Portugal SV sieht sich als Integrationsverein
Die Portugiesen spielten immer auf Kreisebene (Kreisliga C bis A). Sie sehen den Fußball als reines Hobby an. Manche sind ambitionierter, andere wollen einfach nur Spaß haben. Einmal wäre um ein Haar der Aufstieg in die Bezirksliga gelungen, als der PSV Meister in der Kreisliga A wurde – in einem Entscheidungsspiel dann aber im Elfmeterschießen gegen den SV Herbede verlor. „Hoch hinaus wollten wir nie. Der Verein ist in erster Linie gegründet worden, um gemeinsam Fußball zu spielen. Auch hinsichtlich der Integration. Innerhalb der 50 Jahre haben bestimmt schon alle Nationalitäten bei uns gespielt, die in Deutschland vertreten sind“, schätzt Alex Vicente. Zurzeit seien die Portugiesen sogar die wenigsten.
Möglichkeiten, höhere Ligen anzuvisieren, gebe es kaum. Einerseits liegt das am Spielermaterial, andererseits an fehlenden finanziellen Mitteln. Der Verein möchte sich auch nicht von einem Großsponsor abhängig machen. Und: „Die Abgaben an den Verband sind hoch, sie steigen in den kommenden zwei Jahren sogar noch an. Fußballspielen kostet schon viel“, erzählt Vicente. Der Fokus liege auf der Jugendabteilung, in der rund 100 Kinder kicken. Talentierte Spieler wechseln schon mal, sie sollen auch nicht aufgehalten werden. Insgesamt sind aktuell rund 150 Mitglieder im PSV.

Portugiesische Spezialitäten beim Verkauf
Der Vorsitzende hat selbst länger gespielt, stieg mit 12 Jahren in der Jugend des VfL Witten ein und war dann im Herrenalter für den PSV am Ball. Nachdem er zwischenzeitlich zum SV Bommern wechselte, kam er mit 27 als Spielertrainer zurück und stieg nach und nach in die Vorstandsarbeit ein. Seit vielen Jahren steht der heute 61-Jährige seinem Verein vor. Am Wochenende hatte er bei der Endrunde der Stadtmeisterschaft alle Hände voll zu tun. „Gott sei Dank hatten wir noch ein paar ehemalige Spieler, die sich gemeldet haben, um uns zu helfen. Die Organisation war schon enorm“, sagt Vicente. Mit 50 Helfern an zwei Tagen war der Ausrichter jedoch gut aufgestellt. Es gab unter den Getränken auch das beliebte Super-Bock-Bier und im Speisenangebot waren neben der standardmäßigen Bratwurst auch Stockfisch oder Süßspeisen zu finden.
Sportlich lief es für die Portugiesen bei der Stadtmeisterschaft mäßig. Sie schieden in der Vorrunde aus, was aufgrund der Konkurrenz aber nicht überraschend kam. Sicherlich hätten sie sich gefreut, den einen oder anderen zu ärgern, aber sie zollten den stärkeren Teams Respekt. Unter dem Hallendach war der PSV in früheren Zeiten mal Dritter geworden. Das war in der Zeit, als die Generation um Alex Vicente spielte, die in den 1980er- und 1990er-Jahren gut mit dabei war.

VfB Annen ist nicht mit dabei
Bei der diesjährigen Stadtmeisterschaft nahmen bis auf den VfB Annen alle Wittener Vereine teil, das Feld wird traditionsgemäß mit den besten Mannschaften der Reserve-Stadtmeisterschaft aufgefüllt, diesmal also mit fünf Teams. Bereits ein Wochenende zuvor fand das Turnier der Reserven statt. Ausrichter war Herbede, dessen zweite und dritte Mannschaft das Finale unter sich ausmachten. Am Ende gewann die zweite Mannschaft mit 5:1. Im Spiel um Platz 3 besiegte der SV Bommern II (Sieger aus dem Vorjahr) den TuS Stockum II mit 5:3 nach Neunmeterschießen.
In der Vorrunde der Endrunde setzte sich in Gruppe A der SV Herbede vor dem TuS Stockum durch – im direkten Aufeinandertreffen hatten die Herbeder beim 4:2 noch die Nase vorn. Sie dominierten das Turnier auch bis zum Endspiel deutlich, es sah nach der Titelverteidigung aus. „Wir haben gezeigt, dass wir zu den besten Wittener Teams im Hallenfußball gehören“, sagte Co-Trainer Leon Ferber vom Vorjahressieger nach dem Turnier. Stockum setzte sich in der Zwischenrunde auch souverän durch, das Halbfinale war für beide Gruppensieger dann kein Problem gegen die eigenen Reserven. Herbedes Erste gewann 3:1 gegen die Zweite, Stockums Erste 5:2 gegen die Zweite.
Und dann waren es die jungen Wilden des TuS (kein Feldspieler war älter als 21 Jahre), die im Finale ein paar mehr Körner übrig hatten und sich in einen Rausch spielten. Die Herbeder hielten zwar dagegen, ließen vor dem eigenen Tor aber zu viele Lücken. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich traf nur noch Stockum, mit zwei späten Toren war nach den zwölf Minuten Spielzeit alles klar. „Die beiden spielstärksten Teams waren verdient im Finale“, fand Stockums Trainer Julian Zimmer. Zu seiner Mannschaft sagte er: „Hut ab, die Arbeit, die wir machen, trägt Früchte und der schlafende Riese wird langsam wach in Stockum.“ Sein Team habe den nächsten Entwicklungsschritt gemacht und die jungen Spieler mit viel Spaß und Motivation guten, technisch sauberen Fußball. Zimmer freute sich, viele Bekannte Gesichter zu treffen und die Emotionen auf engem Raum mitzuerleben. Nach Abpfiff des Finales kam es kurz zu einem Tumult durch aufgebrachte Zuschauer, der aber recht zügig durch schnelles Eingreifen der Ordner aufgelöst werden konnte. 
Von Hendrik Steimann