Vergangenheit des größten Sportvereines im EN-Kreis gehört zur Stadtgeschichte.
Das Foto zeigt v.l. Daniela Franz, Dirk Engelhard, Sabine Noll, Ingolf Dammmüller, Hans-Dieter Pöppe und Marlene Tallian bei der Übergabe vom Findbuch.
Die Turn- und Sportgemeinschaft 1881 Sprockhövel e.V. (TSG) ist mit 13 Abteilungen, 17 Sportarten und über 3000 Mitgliedern der größe Sportverein im Ennepe-Ruhr-Kreis. In fünf Jahren feiert der Verein sein 150-jähriges Bestehen. Über viele Jahrzehnte gab es keine Geschäftsstelle, sodass zahlreiche Vereinsunterlagen in privaten Räumen aufbewahrt wurden. Dazu zählen Textmaterial, Fotos, Pokale, Urkunden, Zeitungsartikel sowie Protokolle vergangener Vorstandssitzungen. 2005 entstand erstmals die Idee, das Material an einem Ort zu sammeln, zu sichten und teilweise in Schriftform zu veröffentlichen. Ein Teil – etwa ein Drittel – der umfangreichen Vereinsgeschichte befand sich damals bereits im Stadtarchiv Sprockhövel. Zum 125-jährigen Vereinsjubiläum 2006 konnten so die ersten zwei Bände zur TSG-Vereinsgeschichte erscheinen. Schon in diesen Werken zeigte sich, wie eng die Stadtgeschichte Sprockhövels mit der Geschichte des Vereins verbunden ist. Ein dritter Band sollte 2007 folgen. Die umfangreiche Arbeit machte dies unmöglich.
Arbeitskreis sichtet seit Jahren Archivmaterial
Immer mehr Material tauchte auf. Bis heute sind es insgesamt mehr als dreißig große Umzugskartons, die den Weg ins Stadtarchiv fanden. Hinzu kommen zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen. Ein Arbeitskreis, der aus Dirk Engelhard, Dr. Ingolf Dammmüller, Armin Schroen, Hans-Dieter Pöppe und Regina Fischer bestand, machte sich gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs, Marlene Tallian und Daniela Franz, an die Sichtung. „Jedes Blatt wurde in die Hand genommen und nach Themen gesichtet. Vieles war auch in doppelter Form vorhanden. Einige private Ordner waren beschriftet, andere nicht. Wir haben allein 2000 Fotos, die wir in diesem Jahr noch genauer sichten müssen. Wir möchten gerne wissen, wer genau auf den Fotos abgebildet ist. Unsere Arbeit ist also längst nicht beendet“, berichten Dirk Engelhard und Daniela Franz. Vorgelegt hat der Arbeitskreis jetzt ein Findbuch, anhand dessen Interessierte schnell und einfach Informationen aus der Sammlung finden können. Das Findbuch ist auch auf der Homepage der TSG unter dem „Archiv“ festgehalten. „Ganz wichtig war bei unserer Arbeit aber auch die runde Ablage“, lacht Hans-Dieter Pöppe. Gemeint ist damit der Papierkorb, denn nicht jedes Fitzelchen Papier muss unter historischen Gesichtspunkten aufbewahrt werden.
Während der nun schon jahrelang andauernden Sichtung fanden sich richtige Schmuckstücke und auch ganz besondere Erkenntnisse. „So glaubte man beispielsweise lange, dass es zum Thema Nationalsozialismus keine Unterlagen gibt. Das ist aber nicht richtig. Wir konnten nachverfolgen, dass sich insbesondere der Sportverein lange gegen die Gleichschaltung in NS-Sportorganisationen gewehrt hat. 1939 schließlich wurde er mit dem Turnverein zwangsfusioniert und gleichgeschaltet“, so Engelhard. Zu den Schätzen gehören auch alte Protokollbücher, in die man sich richtig einlesen muss – allein schon deshalb, weil die Schreibschrift damaler Zeit heute nicht ganz so problemlos zu entziffern ist. Deutlich wird beim Blick in die Unterlagen auch, dass der Verein, der zu damaligen Zeiten fast ausschließlich mit dem Fußball und Turnen in Verbindung gebracht wurde, heute eine ganze Fülle unterschiedlichster Sportarten anbietet.
Archivarbeit ist Basis für Gegenwart und Zukunft
„Deshalb ist das Vereinsarchiv nicht nur ein auf die Vergangenheit bezogenes Archiv, sondern die Basis für die Gegenwart und die Zukunft der TSG, die sich im Laufe ihrer Geschichte immer breiter aufgestellt hat und heute ein Angebot vom Leistungs- über den Breitensport bis hin zum Gesundheitssport für die ganze Bürgerschaft vorhält“, so Engelhard. Mit Basketball, Boule und Boxen kamen in jüngster Zeit weitere Angebote dazu. „Heute wird anders Sport betrieben, als das noch vor vielen Jahren der Fall war. Während der Wettkampfsport abgenommen hat, verzeichnen wir im Breiten- und Gesundheitssport große Zuwächse. Es hat sich herumgesprochen, wie wichtig Bewegung ist“, so Hans-Dieter Pöppe. Der Heimatforscher, der übrigens kein Mitglied der TSG ist, ist seit Jahren im Arbeitskreis engagiert. Dirk Engelhard betont: „Ohne die Mitarbeit des Sprockhöveler Stadtarchivs wäre die Arbeit unseres Arbeitskreises allerdings nicht so erfolgreich.“
Drittes Buch ist in Arbeit
Und weitergehen muss und soll die Arbeit. „Seit drei Jahren führen wir Zeitzeugengespräche, die natürlich auch dokumentiert werden. Außerdem müssen wir auch das Thema der digitalen Archivierung angehen, um das Material für die Nachwelt zu erhalten.“ Und schließlich wartet der dritte Buchband auf seine Fertigstellung, der spätestens zum 150-jährigen Vereinsjubiläum 2031 erscheinen soll.
Wer beim Aufräumen von Keller, Dachboden oder Schränken auf Vereinsmaterial der TSG stößt – bitte nicht wegwerfen! Auch wer Interessantes zum Verein und seiner Geschichte als Teil der Stadtgeschichte zu erzählen hat, der sollte sich melden. Am besten per E-Mail unter archiv@tsg-sprockhoevel.de. Von Dr. Anja Pielorz