Fesselnde gefesselte Skulpturen.
Stephan Marienfeld mit seinem Werk „Blow up“ im EUREF-Campus Düsseldorf. Foto: privat/KI-erweitert
Stephan Marienfeld, Jahrgang 1966, ausgebildeter Steinbildhauer, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Hattingen. Zehn Jahre war er Assistent des bildenden Künstlers Sir Anthony Cragg, dem hoch dekorierten und vielfach ausgezeichneten ehemaligen Rektor der Kunstakademie Düsseldorf. Die unverwechselbaren Skulpturen von Stephan Marienfeld stehen auf der ganzen Welt, unter anderem in der Opera Gallery Paris, in London, in Singapur, in einem Chalet an der Côte d’Azur und an einem Privatflughafen in Dubai. Die Skulpturen von Stephan Marienfeld entstehen aus Kunststoffen, Porzellan, Bronze, Beton, Gipse und Stein. Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 2019 mit seinen „Dislikes“. Sie sind ein Statement gegen die oft gedankenlosen Likes in den elektronischen Medien und laden zum Nachdenken ein. Sie waren Blickfang zur Biennale 2019 in Venedig am Eingang des Plazzo Mora, gefesselt an einer Palme und an einen Balkon. In Hattingen fesselten sie die Betrachter am Bügeleisenhaus. Glänzend polierte Oberflächen in Verbindung mit Seilen entwickelten sich zu einem markanten Markenzeichen der Werke von Stephan Marienfeld. Während ein hängendes „Dislike“ nicht mehr als zehn Kilogramm wiegen darf, bringen die großen Skulpturen mit Sockel oft um die 120 Kilogramm und mehr auf die Waage.
Sie heißen „Bondage“ (Knechtschaft), „Blow up“ (sprengen), „Cans“ (Dosen), „Twist“ (Verdrehung) oder „Turn up“ (aufdrehen). Die Skulpturen haben keine Hauptansicht, sie müssen ganzheitlich und von allen Seiten betrachtet werden. Die harten Materialien in weichen, runden Formen, stehen in einem weiteren Gegensatz zum weicheren Seil, das aber die Härte beherrscht.
Unwillkürlich verselbstständigen sich die Gedanken des Betrachters und gehen nicht selten zurück zu persönlichen Erlebnissen in Situationen, in denen er selbst unter Druck stand und von Zwängen beherrscht wurde. Das gilt übrigens auch für Marienfeld selbst, der in der ersten Schaffensperiode von „Dislike“ und „Bondage“ einen persönlichen Schicksalsschlag verkraften musste. Stephan Marienfeld, der sich selbst als „Oberflächen-Fetischist“ bezeichnet, bietet mit der Fokussierung auf die Oberfläche das Gegenteil von Oberflächlichkeit. Dem Wuppertaler Galeristen Steffen Peter ist es gelungen, Marienfeld als Teilnehmer für die Kunstausstellung „Denkanstöße – Kunst spendet“ zugunsten der Krebshilfe Sprockhövel-Hattingen gewinnen zu können. Die Vernissage findet am Sonntag, 9. November, 16 Uhr, im Veranstaltungsraum der Sparkasse Schwelm-Sprockhövel, Hauptstraße 68 in Sprockhövel statt. Die Ausstellung dauert zwei Wochen.
von Dr. Anja Pielorz