Seit dem 1. Januar 2026 gibt es in Witten zwei neue Gemeindenamen: „Am Rheinischen Esel“ und „Elbsche und Ruhr“. Sie sind das Ergebnis von Zusammenschlüssen.
Michael Behrens, Oliver Euler, Birgit Bogner-Matthes und Jörg Latoschweski, ein Teil des Organisationsteams der neuen Gemeinde. (v.l.n.r.)
Bereits im Herbst hielten die Mitglieder der evangelischen Gemeinden Annen und Rüdinghausen einen neuen Gemeindebrief in der Hand, der einen Esel auf dem Cover zeigte. Im Hintergrund sind die Erlöserkirche, Freiheitskirche und Kirche Rüdinghausen zu sehen. Hintergrund ist: Die beiden Gemeinden sind seit dem 1. Januar 2026 zu einer fusioniert, die nun den neuen Namen „Am Rheinischen Esel“ trägt – der Gemeindebrief heißt daran angelehnt „Eselsbrücke“. Brücken werden schon länger geschlagen. So auch in den Gemeinden Bommern, Herbede und Wengern – die seit diesem Jahr ebenfalls fusionierten und nun „An Elbsche und Ruhr“ heißen.
Im Wittener Osten kamen schon im vergangenen Jahrzehnt erste Gespräche einer künftigen Fusion auf. Daran erinnert sich Michael Behrens, der bis zuletzt stellvertretender Vorsitzender des Annener Presbyteriums war. Seit 2010 ist er als Presbyter aktiv. „Schon damals ist der Gedanke aufgekommen, dass wir in der Organisation effektiver werden, damit sowohl die Verantwortlichen als auch die Ehrenamtlichen mehr Raum für ihre Aufgaben bekommen“, erzählt er. Es dauerte aber noch viele Jahre, bis schließlich über den evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten gleich mehrere Zusammenschlüsse geplant wurden. In Hattingen und Sprockhövel fusionieren parallel zu Witten gleich sechs Gemeinden zu einer.
Stockumer Gemeinde stieg aus
Vor rund vier Jahren startete kreisweit der „Kooperationzeitsraum“, in dem sich die Gemeinden einander annähern sollten, ehe vor zwei Jahren der „Fusionszeitraum“ folgte. In Witten war für den „Rheinischen Esel“ neben Annen und Rüdinghausen eigentlich noch die Stockumer Gemeinde vorgesehen. Dort waren aber nicht alle mit einer Fusion einverstanden und 2024 entschied sich das neu gewählte Presbyterium von Stockum gegen die Pläne des Kirchenkreises. Allerdings ist die Gemeinde gemessen an ihrer Mitgliederzahl zu klein, um einen Anspruch auf eine Pfarrerstelle zu haben. So gab es in den vergangenen Jahren schon eine sogenannte „pfarramtliche Verbindung“ mit der Gemeinde Trinitatis in Heven und eine ständige Vertretung. Die beiden Gemeinden gehen nun wohl weiter aufeinander zu.
Somit bleiben im Wittener Osten Annen und Rüdinghausen übrig, die jetzt eine Einheit bilden. Das zentrale Gemeindebüro ist an der Westfeldstraße neben der Erlöserkirche. Bislang haben die beiden Gemeinden aber noch alle Büros, in Rüdinghausen an der Brunebecker Straße ist zudem weiter die Friedhofsverwaltung angeschlossen. Es wird künftig vier Predigtstätten geben, neben den drei Kirchen noch das Gemeindehaus Schnee. An diesen Stellen gab es innerhalb der vergangenen Jahre bereits einige Kooperationen und gemeinsame Aktionen. Seit zwei Jahren besteht beispielsweise ein Posaunenchor.
In der Jugendarbeit setzt sich die Kooperation fort, ein Beispiel ist der gemeinsame Unterricht der Konfirmanden. Und es gibt schon über Jahre hinweg Jugendfahrten. Die stellvertretende Finanzkirchmeisterin aus Annen, Birgit Bogner-Matthes, merkt dazu an: „Gruppen verbinden Menschen, so wie es in der anderen Gemeinde auch ist. Wir schauen, dass wir das nun nach außen zeigen, weil davon beide Gemeinden ordentlich profitieren.“ So sollen mögliche Berührungsängste genommen werden, wenn sich Gemeindemitglieder untereinander erst kennenlernen. Dabei komme es gar nicht darauf an, wer aus welcher Gemeinde kommt, sondern dass etwas gemeinsam gestaltet werden und dadurch Gemeindeleben stattfinden kann.
Mit dem heimischen Künstler Detlef Mache hat die Gemeinde in Rüdinghausen schon öfter zusammengearbeitet. Er hatte im vergangenen Jahr auch ein Projekt über die Stiftung für Bildung und Kultur für Kindern initialisiert, zusammen mit Pfarrer Carsten Griese. Kindern der Rüdinghauser Grundschule widmeten sich dem Thema „Esel“. Passend zur Suche nach einem neuen Namen der Gemeinde nach der Fusion. „Wir hatten vor zwei Jahren die Aufgabe bekommen, einen neuen Namen zu finden“, erzählt Jörg Latoschewski, der dem Presbyterium in Rüdinghausen vorsaß. Der neue Name „Am Rheinischen Esel“ ist angelehnt an den gleichnamigen Radweg, der an beiden Wittener Ortsteilen vorbeiführt und somit eine Brücke baut.
Brücken gebaut haben in der Vergangenheit auch Gottesdienste, für die bewusst in der Nachbargemeinde angefragt wurde. So kam in Rüdinghausen der „Brunchgottesdienst“ mit Essen sehr gut bei den Teilnehmenden an. In Annen waren es der Jugendgottesdienst Fred oder der Feierabendgottesdienst. „Man muss sich etwas einfallen lassen, um attraktiv zu sein. Nun haben wir mehr Manpower und innovative Gedanken kommen zusammen“, wirft Bogner-Matthes ein. Ihr und den Kollegen ist bewusst, was schon alles auf die Beine gestellt worden ist. „Nun wollen wir untereinander die Bindung stärken“, sagt Oliver Euler, Finanzkirchmeister für Rüdinghausen.
Pfarrer Casten Griese wechselt Kirchenkreis
„Wir wollen die Leute neugierig machen und sie dazu bewegen, mal wieder durch die Kirchentür zu schauen“, so Bogner-Matthes. Im besten Fall junge Personen. Denn der demografische Wandel sei ein Grund für die sinkenden Mitgliederzahlen, wie Latoschewski sagt. In Rüdinghausen sind es nur noch knapp 2000 Gemeindemitglieder, in Annen knapp 5000. Eine Gemeinde hat erst ab 4000 Personen einen Anspruch auf eine Pfarrerstelle. Die hatte bis vor wenigen Tagen noch Pfarrer Carsten Griese inne, der allerdings aus persönlichen Gründen in den Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken wechselt. Ab Mai folgt Pfarrerin Katharina Friedrich auf ihn.
Es gibt daneben die Idee eines „interprofessionellen Pastoralteams“. Neben der Pfarrerin soll es jemanden geben, der den sozialpädagogischen Bereich abdecken kann. Eine entsprechende Stelle soll ausgeschrieben werden Im Leitungskonstrukt steht zudem Jugendreferentin Catarina Schulze, die ehrenamtliche Lektorin Jennifer Ramin (darf Gottesdienste leiten) sowie der ehrenamtliche Prädikant Mark Neuhaus (darf Trauungen und Beerdigungen durchführen). Finanziell schauen muss die neue Gemeinde nun auf ihre Gebäudewirtschaft, bei der es eine genaue Analyse der Nutzung geben wird.
Von Hendrik Steimann