Sanierungsarbeiten sind abgeschlossen, die Fahrplanerstellung allerdings immer noch nicht möglich.
Lars Görfeld (l.) und Michael Kukla vor der neuen Innenausstattung.
Eigentlich sollte die MS Schwalbe am 28. März wieder auf die Ruhr ausfahren. Doch daraus wurde nichts, weil seitens der Bezirksregierung noch an einer Fischtreppe gearbeitet wird – und diese Arbeiten haben sich sehr nach hinten verzögert. Unabhängig davon ist das beliebte kleine Schiff in seinem Inneren saniert worden und erstrahlt in neuer Optik. IMAGE hat einen Blick in die renovierten Räumlichkeiten geworfen.
An der Schleuse auf der Ruhr sind immer noch Steinberge aufgeschüttet, damit Bagger für die Arbeiten an der Fischtreppe auf die Insel gelangen können. Durch ein wenig Hochwasser im März ist das Rückhaltebecken umgeklappt, wodurch viele Steine in die Fahrrinne der Schwalbe reingeflossen sind und die Ausfahrt unmöglich machten. Das Problem konnte bis Mitte April noch nicht behoben werden. Auch, wenn die Schwalbe noch länger nicht für die öffentlichen Rundfahrten ablegen kann, sind bereits erste Fahrten gebucht, nämlich Charterfahrten. So konnte das Schiff, das bis 150 Personen freigegeben ist, zuletzt schon für eine lange im Voraus ausgebuchte Schlagerparty genutzt werden oder für anstehende Hochzeiten.
Innenausstattung wurde komplett renoviert
Dabei hat sich die Innenausstattung verändert, sie wurde komplett renoviert und ist nicht mehr wiedererkennbar. Es wurde sogar noch ein klein bisschen mehr gemacht, als zunächst bis Saisonstart geplant, und auch die Außenfassade hat einen neuen Anstrich erhalten. „Wir haben die Zeit genutzt, die wir nicht gehabt hätten, wenn schon Fahrten stattfinden könnten“, sagt Lars Görfeld, Abteilungsleiter Freizeit bei den Stadtwerken Witten, die Betreiber der Schwalbe sind. In die geht es nun durch eine neue Schiebetür hinein: Sie ist aus Aluminium und doppelt verglast, aus Gründen der Schalldämmung und der Wärmespeicherung. Zuvor war es teilweise zugig bei den Ausfahrten. Doppelt verglast sind zudem nun alle Fenster – so wird auch im Winter besser Kälte abgehalten und im Sommer Hitze.
Direkt rechts nach dem Eintreten hat sich das Aussehen der Kasse verändert. Sie ist niedriger geworden, um es für Rollstuhlfahrer und Kinder angenehmer zu machen und hat eine neue Holzverkleidung erhalten. Sie wirkt dadurch heller, so wie der gesamte Innenraum. Die Stadtwerke haben sich die drei Stichworte bei der Sanierung gesetzt: Offener, heller, moderner. Deshalb ist im Innenraum auch für mehr Platz bei Bedarf gesorgt worden. Die mobilen Tische auf dem Laminatboden, der den alten Teppich-Belag und den ehemals gefliesten Gang ersetzt, sind kleiner und klappbar. So können sie individuell gestellt werden, im Falle einer Party kann beispielsweise die Tanzfläche vergrößert werden.
Ein Monitor ist nun im Innenraum vorhanden
In Richtung der Gäste prangt an der Seitenwand der Kasse seit Neuestem ein größerer Monitor, der nach Ansicht der Stadtwerke immer gefehlt hat. Über einen HDMI-Anschluss kann er bespielt werden, ebenso wie die modernisierten Lautsprecher. Die Stadtwerke möchten bei den Ausfahrten zudem Werbung auf dem Bildschirm in der neuen Wandverkleidung laufen lassen und auf ihre Veranstaltungen oder das Frühstücksangebot der Schwalbe selbst hinweisen. Neben der neuen Lichtanlage wurden ringsherum an der Decke außerdem LED-Lichter eingebaut, die passend zu den Farben des Schiffs in blau leuchten und einen zusätzlichen Effekt bieten.
Der Theken- und Küchenbereich ist ebenfalls komplett überarbeitet worden – in Abstimmung mit dem Gastronomen, um in der Praxis mit schnellen Handgriffen zu arbeiten. Akustikpaneele schmücken die Theke von außen – die Decke im Übrigen auch. Die Arbeitsplatte besteht aus Edelmetall, die Theke aus Kunststein. So sind bessere Hygiene sowie einfachere Reinigung gewährleistet. Sollten Kratzer im Stein auftreten, können sie per Abschliff ausgebessert werden. Der Sanitärbereich ist neu, unter anderem mit einem Handtrockner am Wasserhahn, um Müll einzusparen. Es gibt einen von der Wand ausklappbaren Wickeltisch.
Über Deck sind die fest montierten Tische verschwunden und der Boden heller gestaltet. Auch das Steuerhaus ist im Inneren erneuert worden und platzsparender gestaltet. Die Technik ist die alte, aber besser integriert. Armaturen wurden eingelassen und Stauräume geschaffen. „Auch dort haben wir auf die Ergonomik geachtet, weil es ein Arbeitsplatz ist. Und es ist das beliebteste Ziel für Kinder, die dem Kapitän gerne über die Schulter schauen“, erzählt Stadtwerke-Sprecher Michael Kukla. All das sind kleine Punkte, die seit Ende 2023 entstanden sind, als die Modernisierung angestoßen wurden. Glörfeld zeigt sich sehr zufrieden: „So viele moderne Schiffe gibt es in der Region nicht.“
Freigabe der Fischtreppe noch nicht absehbar
Weniger zufrieden sind die Stadtwerke mit dem Fahrplan. Denn der kann außerhalb der Charterfahrten noch nicht erstellt werden. Es ist noch nicht abzusehen, wann die Bezirksregierung die Fischtreppe freigibt und dadurch die Steinbarriere an der Schleuse verschwinden wird. Der Anlegepunkt der Schwalbe ist dabei ein Höhepunkt bei den Fahrten. Die Fahrten führen von der Lakebrücke aus durch die Schleuse bis Bommern und von dort aus wieder zurück. Alternative Routen, etwa über den Kemnader See, möchten die Stadtwerke aufgrund der „guten Nachbarschaft“ zur MS Kemnade, von der Glörfeld spricht, nicht vornehmen. Es solle keine Konkurrenz entstehen und die MS Kemnade legt ohnehin viel öfter ab.
„Naturschutz ist sehr wichtig. Die Bauarbeiten sind für uns aber sehr ärgerlich“, so Glörfeld. Denn die wirtschaftlichen Einbußen sind groß. Beziffern können die Stadtwerke sie nicht, zumal nicht klar ist, wann die Fahrten starten können. Gerade in den Osterferien mit schönem Wetter hätten wohl viele Besucher die Saisoneröffnung genutzt. Personalkosten laufen hingegen weiter; teilweise hat das eigene Personal aber bei den Sanierungsarbeiten mitgeholfen und nicht alles musste über externe Dienstleister erledigt werden. Für die Modernisierung haben die Stadtwerke rund 200.000 Euro investiert, größtenteils für die Renovierung des Innenbereiches. Von Hendrik Steimann