Sprockhövel

Sabine Noll: „Eine Bürgermeisterin gehört in ihre Stadt”

Sabine Noll (52) sitzt als erste Frau in der Geschichte der Stadt Sprockhövel auf dem Chefsessel im Rathaus. Mit fast 58 Prozent gewann sie die Wahl um das Amt des Bürgermeisters und setzte sich gegen den Herausforderer Volker Hoven (SPD) durch.

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Sabine Noll ist die neue Bürgermeisterin von Sprockhövel.

Sabine Noll hat die Bürgermeisterwahl in Sprockhövel gewonnen. Die amtierende Kämmerin der Stadt Monheim am Rhein konnte offiziellen Angaben zufolge 57,91 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Noll war als gemeinsame Kandidatin von CDU und Bündnis 90/Die Grünen in das Rennen um die Rathausspitze gegangen.

Die 52-Jährige lebt seit 1995 in Sprockhövels Nachbarstadt Hattingen. Sprockhövel habe sie „somit aus unmittelbarer Nähe kennen und lieben gelernt“, schreibt Noll auf ihrer Website.
Ihre Karriere begann die gebürtige Düsseldorferin bei der dortigen Stadtverwaltung, wo sie insgesamt 26 Jahre arbeitete – unter anderem als Referentin für Finanzen und Beteiligungen beim früheren Oberbürgermeister Joachim Erwin, als Geschäftsführerin der Holding der Landeshauptstadt Düsseldorf und als Leiterin des Stadtbetriebs Zentrale Dienste. Im Oktober 2013 wechselte sie nach Monheim am Rhein und wurde dort Kämmerin. Jetzt tritt sie am 2. November ihre neue Stelle als Bürgermeisterin der Stadt Sprockhövel an. Sie ist in der Stadtgeschichte die erste Frau auf dem Chefsessel im Rathaus.
Sowohl in der Zugehörigkeit zum Amt Blankenstein als auch ab 1960 als Gemeinde Sprockhövel und schließlich auch nach der Kommunalreform ab 1970 hat es hier noch nie eine Frau auf den Chefsessel geschafft. In den letzten 50 Jahren der Stadt waren die drei SPD-Bürgermeister Hans Käseberg, Paul Gerhard Flasdieck und Dr. Klaus Walterscheid sowie - amtierend bis 31. Oktober - der parteilose und von der CDU und den Grünen unterstützte Ulli Winkelmann Chef im Rathaus. Jetzt konnte erstmalig eine CDU-Frau den Sieg einfahren. „Ich verstehe mein Amt und meine Aufgabe parteiübergreifend und im Sinne der Bürger”, sagt Sabine Noll im Telefoninterview mit IMAGE. „Gemeinsam mit der CDU und den Grünen habe ich vor und während des Wahlkampfes sehr gute inhaltliche Gespräche geführt. Wir sind ein tolles Team geworden und ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe.“ Wichtig sei ihr allerdings auch, von Anfang an die Mitarbeiter in der Verwaltung einzubinden. Durch ihre langjährige Arbeit in Verwaltungen sei ihr bewusst, wie wichtig es sei, transparent und kommunikativ mit Mitarbeitern umzugehen. „Das gilt allerdings auch im Hinblick auf die Bürger einer Stadt. Entscheidungen in Politik und Verwaltung müssen nachvollziehbar sein. Nur so kann man auch einmal unangenehme Ergebnisse transportieren. Transparenz und Kommunikation sind Elemente der Vertrauensförderung und das ist unglaublich wichtig.“
Im Wahlkampf habe sie viele offene Gespräche erlebt. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Bürger durchaus eine Person schätzen, die mit frischen Ideen von außen kommt. Zusammen mit meiner langjährigen Erfahrung in und mit einer Verwaltung ist das eine gute Kombination. Ich werde allerdings keine Hattingerin bleiben, sondern nach Sprockhövel ziehen. Eine Bürgermeisterin gehört in ihre Stadt.“
Die „Frau der Zahlen“ blickt optimistisch in die Zukunft und sieht für Sprockhövel viel Potenzial. Aber: „Sprockhövels Haushalt ist nicht robust aufgestellt. Die Gewerbesteuerausfälle sind hoch und es gab schon 2019 und damit vor der Corona-Pandemie gravierende finanzielle Probleme. Zur Zeit gibt es zahlreiche Hilfen von Bund und Land, die vermutlich das Jahr 2020 in der Bilanz nicht so dramatisch schlecht erscheinen lassen werden. Aber 2021 wird hart. Wir haben in Sprockhövel schon das Jahr 2019 mit knapp 900.000 Euro Defizit abgeschlossen. Da muss sich deutlich etwas ändern.“
Zwar hat die Bürgermeisterin politisch auch nur eine Stimme, aber der neue Stadtrat verfügt über eine deutliche Mehrheit von CDU und Grünen. Und diese beiden Parteien haben Sabine Noll auf ihrem Weg zur Bürgermeisterin unterstützt. So wäre ein „Durchregieren“ durchaus denkbar. „Aber das ist gar nicht mein Ziel. Ich setze auf Inhalte und auf die Einsicht, wenn Entscheidungen anstehen, dass diese in der Sache zu treffen sind“, sagt Sabine Noll. Sie stehe für einen vertrauensvollen Kommunikationsstil. „Auch wenn es unterschiedliche Auffassungen gibt - ich halte Ökonomie und Ökologie grundsätzlich für vereinbar und glaube, man kann gute Lösungen finden.“ Diese Zusammenarbeit wolle sie mit dem ganzen Stadtrat erreichen.
Zur Zukunft des Ersten Beigeordneten und Kämmerers Volker Hoven (SPD), ihrem Gegenkandidaten, sagt sie: „Das ist allein die Entscheidung von Herrn Hoven. Er ist als Beigeordneter vom Stadtrat für acht Jahre gewählt und die Wahl fand im Herbst 2016 statt. Ich habe grundsätzlich keine Probleme, mit Kollegen zusammenzuarbeiten.“
Jetzt freue sie sich erstmal auf den 2. November. Der ist nämlich ihr erster offizieller Arbeitstag in Sprockhövel. Am Donnerstag, 5. November, 17.30 Uhr, steht dann die konstituierende Ratssitzung auf dem Programm.