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Hattingen

S-Bahnhof Hattingen: Laut VRR ist er „nicht tolerierbar“

Zustand im Untergrund ist mangelhaft, wie ein Ortsbesuch bestätigt. Wer wofür zuständig ist.

Graffiti

Schön ist anders...

Wer aus Hattingen stammt und häufig mit der S-Bahn unterwegs ist, blendet es nach und nach aus. Doch diejenigen, die nur selten mit der S3 in Richtung Essen und Oberhausen reisen, oder diejenigen, die nach Hattingen-Mitte fahren, denen fällt das unschöne Erscheinungsbild auf. Es gibt mehrere Punkte, die der Verkehrsbund Rhein-Ruhr (VRR) zuletzt in seinem alljährlichen Stationsreport zu einem miesen Ergebnis haben kommen lassen. Der Bahnhof im Zentrum ist in die schlechteste Kategorie eingeordnet worden: nicht tolerierbar.
Die Liste der Mängel, die unsere Redaktion beim Besuch vor Ort im April nach einem genauen Blick erstellt hat, ist lang. Man kann sie grob in drei Bereiche unterteilen. Bereich eins: Sauberkeit. Optisch fallen mehrere Punkte ins Auge. Es gibt viele Aufkleber und Graffitis an den Wänden. Häufig zu sehen sind Aufkleber des VfL Bochum, daneben einige des FC Schalke 04. Auch viele Graffitis beziehen sich auf den VfL, daneben ist die Antifa vertreten. Teilweise gibt es bunte Muster, die gar nicht hässlich aussehen, aber eben nicht auf legale Weise entstanden sind. Die Wände am Gleis sind zudem verschmutzt, abgenutzt oder stellenweise beschädigt. So auch ein Ticketautomat sowie ein Schaukasten mit dem Fahrplan.

Unmengen an Müll liegen im Gleisbett
Was beim Blick auf die Gleise auffällt: Müll, vor allem in Richtung Sackgasse. Hier lässt sich erkennen, was entweder die Fahrgäste selbst oder Chaoten zuvor konsumiert haben. Und welches Verpackungsmaterial sie dabei hatten oder nicht mehr brauchten und dafür nicht die vorhandenen Mülleimer genutzt haben. Zum Beispiel Plastiktüten, Alufolie, Kaffee-Pappbecher, Flaschen (mitunter sogar Glas), Taschentücher, Papier, Behälter von Süßigkeiten, Tetrapacks, Stoffstücke, Essensreste. Es kam sogar mal vor, dass Lokführer einen leeren Kaffeebecher aus dem Fenster ins Gleis geworfen haben. Generell befinden sich dort Unmengen an Zigaretten und deren Schachteln. Zigarettenstummel liegen auch am Bahnsteig selbst, Müll nur vereinzelt.
Bereich zwei: Geruch. In diesem Punkt gibt es recht wenig zu beanstanden. Der typisch urige Geruch in Bahnunterführungen liegt auch in Hattingen in der Luft, aber recht dezent. Denn die Luft steht aufgrund des Durchzuges nicht lange. Es gab beim IMAGE-Besuch am Gleis im hinteren Bereich an zwei Stellen Urinspuren – so etwas ist ebenfalls im VRR-Report vermerkt. Der Geruch war allerdings kaum wahrnehmbar. Oberirdisch am Aufzug gab es großflächig Urinspuren.

Defekter Fahrstuhl sorgt immer wieder für Aufregung
Bereich drei: Technik. Die ist entweder schon lange oder immer mal wieder defekt. Der größte Aufreger dabei ist der Aufzug, der zuletzt wieder nicht in Betrieb war, nachdem er bereits im letzten Quartal 2025 ausgefallen war. Auch die Rolltreppe funktioniert nicht immer. Im April war es wieder soweit, auch schon vor den Osterferien. Da war sie abgesperrt. Oben angekommen wirkt der Bahnhof übrigens zum Teil ausgeblichen, an einigen Stellen (vor allem am Aufzug) hat sich Taubenkot angesammelt und im überdachten Wartebereich für die Passagiere der Straßenbahn ist es sehr dreckig. Die Toiletten sehen seit Jahren nicht einladend aus und weisen einen unangenehmen Geruch auf.
Für die meisten Punkte ist die Stadt Hattingen zuständig. Nur um den Müll im Gleisbett müsse sich die Deutsche Bahn kümmern, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit. Der Fahrticketautomat liegt in der Verantwortung des VRR. „Das Thema Sauberkeit an Bahnhöfen ist kein spezielles Hattinger Problem. Bahnhöfe sind stark frequentiert. Viele haben sich in der Innenstadt etwas zu essen gekauft, häufig in Einwegverpackungen, die sie vor oder nach der Reise schnell ‚loswerden‘ möchten“, sagt Stadtsprecherin Susanne Wegemann. Die Verwaltung setze schon bei den Kleinsten an und unterstützt die „Müllerziehung“ und Müllvermeidung in den Kitas wie mit den Mülldetektiven.

Stadt zahlt mehr als 130.000 Euro für Reinigung
Die Stadt reinigt täglich, auch an den Wochenenden, wie sie mitteilt. Für die Reinigung fallen nach eigener Auskunft pro Jahr rund 120.000 Euro an. In den vergangenen zwei Jahren wurden einige Maßnahmen umgesetzt: Es wurden mehr und größere Müllbehälter aufgestellt. Für die Böden wurde 2024 eine neue Maschine angeschafft, die effizienter und intensiver reinigt. Außerdem wurde ein Reinigungsgerät für die Graffitientfernung angeschafft. Neu sei auch, dass einmal im Vierteljahr eine großflächige Reinigung mit drei bis vier Personen durchgeführt wird. Einmal im Jahr erfolgt eine teure umfangreiche Reinigung durch eine Fachfirma, wofür zusätzlich 12.000 Euro aus der Stadtkasse fließen. Eine zusätzliche Summe wird für eine jährliche Spezialreinigung der Toiletten durch eine Fachfirma ausgegeben – früher hatte die Stadt selbst gereinigt.
Bei der Deutschen Bahn stehe die Sauberkeit ebenfalls nun im Fokus, eine schnelle Umsetzung solle angegangen werden, heißt es auf Anfrage. In Hattingen reinigt die DB laut eigener Auskunft mehrmals im Quartal die Gleise. Da dies einen Eingriff in den Zugverkehr bedeutet, finden die Reinigungen unregelmäßig und meist nachts statt und werden von speziell geschultem Personal vorgenommen. Bezogen auf die Station in Hattingens Zentrum sind nicht nur nach der mangelhaften Bewertung des VRR in ferner Zukunft Sanierungen geplant.

Von Hendrik Steimann