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Sprockhövel

Politische und juristische Karriere für den Sprockhöveler

Promis lokal. IMAGE-Serie über lokale Prominente: Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering.

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Erwin Sellering

Der Sprockhöveler Erwin Sellering (75) hat eine beachtliche Karriere hinter sich. Der Verwaltungsrichter war Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Seine ersten Schritte im Leben legte er aber in Sprockhövel und Hattingen zurück.
Erwin Sellering wurde am 18. Oktober 1949 in Sprockhövel geboren und wuchs mit seinen Geschwistern in einem beschaulichen Haus in Niedersprockhövel auf. Sein Vater war Presbyter in der Evangelischen Kirchengemeinde in Sprockhövel und engagierte sich als Mitglied in der CDU. Nach dem Abitur am Gymnasium Waldstraße in Hattingen absolvierte Sellering ein Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, Bochum und Münster. Nach den beiden juristischen Staatsprüfungen 1975 und 1978 wurde er zum Richter auf Probe ernannt. 1981 erfolgte seine Ernennung zum Richter am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Dann zog es Erwin Sellering nach Mecklenburg-Vorpommern, wo er 1994 Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht in Greifswald wurde. Im gleichen Jahr trat er in die SPD ein und übernahm im Laufe der kommenden Jahre Funktionen im Landesvorstand.
Im Dezember 1996 wurde er zum Vizepräsidenten des Verwaltungsgerichts Greifswald ernannt. Vom 10. November 1998 bis 30. Juni 2000 war er als Abteilungsleiter in die Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern abgeordnet.

Politische Karriere startete im Jahr 2000
Am 20. September 2000 wurde Sellering als Justizminister in die von Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) geführte Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern berufen. Nach der Landtagswahl 2006 übertrug Ringstorff ihm die Leitung des Ministeriums für Soziales und Gesundheit.
Im Oktober 2008 wurde Sellering in Mecklenburg-Vorpommern in das Amt des Ministerpräsidenten als Nachfolger des zurückgetretenen Ringstorff, damals 68 Jahre alt, gewählt. Bei der Abstimmung im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern erhielt er 40 von 45 möglichen Stimmen der Koalitionspartner SPD und CDU.
Bei der Landtagswahl 2011 durfte sich seine Partei über deutliche Stimmengewinne freuen. Die SPD wurde mit 35,6 Prozent erneut stärkste Partei und Erwin Sellering blieb Ministerpräsident. Bei der nächsten Wahl 2016 wurde er mit 41 von 71 Stimmen in seinem Amt bestätigt.
Am 30. Mai 2017 kündigte Sellering an, aus gesundheitlichen Gründen vom Amt als Ministerpräsident und als SPD-Landesvorsitzender zurückzutreten. Grund dafür sei eine Lymphdrüsenkrebserkrankung. Sellering schlug gleichzeitig Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin und SPD-Landesvorsitzende vor. Sie löste Sellering am 4. Juli 2017 als Regierungschef ab.
Erwin Sellering war seit 2002 Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern. Mehrfach zog er als direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag ein. Auch nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident 2017 blieb Sellering weiterhin Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern, bis er am 18. Oktober 2019 auf sein Mandat verzichtete.
Im August 2017 wurde Erwin Sellering mit dem russischen Orden der Freundschaft ausgezeichnet, der höchsten staatlichen Auszeichnung der Russischen Föderation, die an ausländische Bürger vergeben werden kann. Er war Vorsitzender der Deutsch-Russischen Partnerschaft e.V.
2018 erhielt er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

Das schwierige Kapital Klimastiftung
Im Januar 2021 wurde durch den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern mit der Mehrheit von SPD, CDU und der Linkspartei zur Unterstützung des Erdgas-Bauprojektes Nord Stream 2 die Stiftung Klima- und Umweltschutz MV beschlossen.
Mit der Gründung der Stiftung wollte man die Sanktionsdrohungen der USA gegen beteiligte Firmen umgehen. Die Nord Stream 2 AG, ein Tochterunternehmen des russischen Staatskonzerns Gazprom, brachte für Umweltprojekte 20 Millionen Euro in die Stiftung ein, das Land gab 200.000 Euro als Stiftungseinlage. Erwin Sellering wurde Vorstandsvorsitzender der Stiftung.
Doch dann kam es zum Krieg in der Ukraine und die Klimaschutzstiftung sah sich zunehmendem Gegenwind ausgesetzt. Die Landesregierung und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig distanzierten sich von dem Projekt.
Im März 2022 beschloss das Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern, die Klimastiftung aufzulösen. Ein im Auftrag des Landes erstelltes Gutachten sah dies als möglich an. Der Jurist Erwin Sellering vertrat hingegen die Auffassung, die Stiftung könne im Hinblick auf das deutsche Stiftungsrecht nicht rechtssicher aufgelöst werden. Ein weiteres Gutachten bestätigte seine Auffassung. Der Gutachter regte an, die Stiftung aus dem politischen Einfluss des Landes zu lösen und ganz an die Zivilgesellschaft zu übertragen. Das strebte auch Erwin Sellering per Satzungsänderung an.
Im März 2022 gab Erwin Sellering den russischen Orden der Freundschaft zurück.

Rückzug ins Privatleben mit 74 Jahren
Am 24. Mai 2024 trat Sellering als Vorstandsvorsitzender der Stiftung zurück. Der neue Vorstandschef der Klimaschutzstiftung MV, Christoph Morgen, will die Arbeit der Stiftung fortsetzen. Er sagte zusammen mit seinem neuen Vize-Chef, dem früheren Bauernpräsidenten Detlef Kurreck, es gehe um wichtige Projekte für den Klima- und Umweltschutz. Rund 13 Millionen Euro beträgt das Stiftungsvermögen, das nach Satzungsänderung allerdings nicht angetastet werden darf. Nur die jährlichen Erträge von rund 400.000 Euro sind frei verfügbar.
Erwin Sellering verabschiedete sich ins Privatleben, meldete sich aber im letzten Jahr noch einmal mit einem Beitrag im Magazin „Cicero” zurück. Seine Sozialdemokratische Partei kommt dabei nicht gut weg.
In der Sozialpolitik ist ihm seine Partei zu lax. Das Bürgergeld ist für Sellering in dem Artikel längst zu einem bedingungslosen und leistungsfreien Grundeinkommen geworden – zu Lasten derer, die sich anstrengen. Die SPD müsse allerdings nach wie vor denjenigen helfen, die Hilfe benötigten. Das sei quasi die DNA der Partei.
In der Migrationspolitik fordert er wie schon im Wahlkampf 2016 klare Kante. Asyl für politische Verfolgte müsse es weiter geben. Doch für Trittbrettfahrer sei hier kein Platz.
Auch die Grünen bekommen ihr Fett weg. „Die Grünen sehen sich als Vertreter einer Minderheit, die sich dennoch als Vorkämpferin für die einzig wahre, schöne und gute Strategie beim Schutz des Klimas versteht. Notfalls müsse man der Mehrheit eben einfach nur gesetzlich diktieren, was gut für sie sei.”
In seinem Privatleben war der Politiker zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe gingen zwei Kinder hervor. Erwin Sellering heiratete 2010 ein zweites Mal. 2014 wurde er Vater eines dritten Kindes.anja

(Verwendete Quellen: Wikipedia, NDR 11.9.2024, Innenministerkonferenz, Landtag MV, Spiegel 24.5.2024)