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Witten

Muttenthalbahn: Einnahmeverlust durch Umstrukturierung

Wegen Umgestaltung der Zeche Nachtigall fällt die aktuelle Endhaltestelle ab 2027 weg.

Bahn

Die Saison der Muttenthalbahn endet am kommenden Wochenende. Am 4. Oktober finden in der Zeit zwischen 11 und 16 Uhr die letzten regulären Fahrten statt. Ob es im Dezember die beliebte Nikolausfahrt geben wird, steht noch in den Sternen. Grund dafür sind die derzeit brachliegenden Bauarbeiten an der Zeche Theresia, dessen Gelände für die Fahrgäste weiterhin nicht begehbar ist. Was zudem klar ist: Ab 2027, wenn es im Zuge der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Umbauarbeiten auf dem Gelände der Zeche Nachtigall geben wird, fällt die aktuelle Endhaltestellt der Muttenthal­bahn weg.
Für die Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn, die als gemeinnütziger Verein tätig ist, ist dies ein Schlag in die Magengrube. Bereits vor einiger Zeit wurde ihr die Info seitens des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der die Zeche Nachtigall betreibt, mitgeteilt. Bislang ist die Bahn direkt auf das LWL-Gelände gefahren, wovon das Museum durch Besucherzustrom profitierte, da die Kultureinrichtung sonst eher schwer erreichbar ist. Nahegelegene Parkmöglichkeiten gibt es nicht. Durch eine Gebäudeerweiterung des Museums sollen laut Planung nun die Gleise, der Spielplatz sowie das Wasserbecken mit der historischen Ruhraak verschwinden – wogegen sich bereits Heimatforscher stellten (wir berichteten).

Bald keine Zuwege mehr zur Zeche Nachtigall
Hannsjörg Frank, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Muttenthal­bahn, ärgert sich sehr über die Planungen, die einen herben Einschnitt in den Bahnbetrieb bedeuten werden. Er erzählt: „Wir sind angehalten worden, vor dem Gelände der Zeche Nachtigall einen neuen Bahnsteig zu errichten.“ Einen provisorischen gibt es bereits – dort, wo es während der Nikolausfahrt einen kurzen Halt und Geschenke gibt. Der Steig befindet sich auf Privatgelände. Das Problem: Von dort aus gibt es aber erstmal (noch) keine Zuwege zum Gelände der Zeche Nachtigall. „Die Leute stehen mitten im Wald und müssen direkt wieder zurückgenommen werden“, erklärt Frank. Die Fahrgäste dürfen sich nach Absprache mit dem Grundstücksbesitzer nämlich nicht auf dem Naturstück aufhalten.
„Entsprechende Bauanträge für den Bahnsteig haben wir vor einiger Zeit schon eingereicht“, sagt Frank zu den notwendigen Erweiterungen. Nun stünden Gespräche mit der Stadt- und der Kreisverwaltung aus. Auf die Rückmeldung wartet die Arbeitsgemeinschaft schon länger. Abgestimmt werden muss unabhängig davon noch die Fortführung der Arbeiten auf der Baustelle der Zeche Theresia, dessen Pächter der Verein seit Juli 1992 ist. Die Ehrenamtlichen des Vereins arbeiteten zuletzt fleißig, um neben den Gewerken Kosten einzusparen. Arbeiten am Dach, der Elektrik und im Außenbereich Tiefbauarbeiten für die Verlegung neuer Gleise stehen noch aus. „Dann können wir Besucher endlich wieder in die Ausstellungsräume hineinlassen und die Cafeteria zugänglich machen“, so Frank.
Er hatte für sein großes Engagement im November 2025 noch das Bundesverdienstkreuz erhalten, habe aber noch nie „solch eine niederschmetternde Situation erlebt“, die in seinen Augen den Einsatz nicht wertschätzt. Er spricht von fehlender Empathie und Respektlosigkeit. Das Team der Ehrenamtlichen verliere die Motivation und fühle sich von Stadt und LWL im Stich gelassen. „Die Stadt Witten hat mit der Zeche Theresia ein Museum mit kostenlosem Eintritt. Durch die Baumaßname der IGA entzieht man uns nun einen Teil unserer Einnahmequelle“, betont Frank. 
Finden keine Fahrten statt oder werden diese künftig nur noch spärlich genutzt, kann sich der Verein auf Dauer nicht mehr finanzieren. Dies geschieht aktuell hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden – daneben gibt es Zuschüsse wie aktuell rund 750.000 Euro (mit zehn Prozent Eigenanteil) seitens der NRW-Stiftung für die Arbeiten am eigenen Museum.

Mehr als 50 Prozent Einnahmeverlust
Zu Beginn der Saison zeigte er sich noch zuversichtlich, was Planungen anbelangte – auch schon mit Blick auf 2027. Die Saison verlief aufgrund heißer Tage im Sommer mit wenigen Besuchern und Krankenstand im September und daher ausfallenden Fahrten jedoch nur mäßig. „Insgesamt haben wir einen Einnahmeausfall von weit über 50 Prozent. Das wettzumachen, ist aussichtlos. Das kriegen wir nicht wieder rein“, so Frank. In der Regel wird eine mittlere vierstellige Summe eingenommen. Für den Oktober bekam der Verein im September eine Absage seitens des LWL für die geplante Sonderfahrt: Transport von Besuchern zum Maus-Türöffner-Tag der Zeche Nachtigall. 
Seit 2003 hat die Muttenthalbahn eine Verkehrsträgerfunktion zum Museum, die durch den Umbau mit Umzäunung im kommenden Jahr enden wird. Umso wichtiger sei es, dass im Dezember die Nikolausfahrt stattfinden könnte – sie ist gefragt und eine große Einnahmequelle. Dafür müssten die Bauarbeiten auf dem Gelände der Zeche Theresia vorangehen, weil dort aktuell rund zwei Drittel des Parkplatzes und zuführende Gleise von Material belegt sind. Sonst verkauft der Verein am Tag der Fahrt dort Waffeln, Glühwein und Kakao. 
Außerdem steigen Fahrgäste in die Bahn ein, die dann wie gewohnt zwischen dem Parkplatz Nachtigallstraße und der Zeche Nachtigall pendelt – an letzterer hält die Bahn dann wohl zum allerletzten Mal.
Von Hendrik Steimann