Stockumer Theaterverein ist jung und dynamisch aufgestellt und leistet Beitrag zur Kultur.
Sie sind nicht ganz so einfach zu finden, die Proberäume des Stockumer Theatervereins. Im Maximilian-Kolbe-Zentrum muss man dafür in den Keller und um ein paar Ecken gehen. Dann begegnet man direkt einer motivierten Gruppe mit bester Stimmung. Aktuell probt diese für ihr kommendes Stück „Die Mausefalle“ (am 28. Februar und 1. März). Ein Kinderstück (Die Schneekönigin) hat die Nachwuchsgruppe des Vereins Anfang des Jahres bereits aufgeführt.
Seit mehr als 30 Jahren besteht der Verein im Wittener Norden, er wurde 1993 gegründet. Damals war noch keiner der aktuell Aktiven auf der Bühne mit dabei. Mit dem Vorsitzenden Tobias Grunwald kam Anfang der 2000er-Jahre jemand hinzu, der verstärkt jüngere Leute mit einbinden wollte – was gelang. Der erste von ihnen, der heute zum festen Stamm gehört, war Matthias Ritz. Der 33-Jährige schloss sich 2003 dem Verein an, dessen Hobbyschauspielerinnen und Hobbyschauspieler der Jugend- und Erwachsenengruppe im Schnitt um die 30 Jahre sind und viel Schwung auf die Bühne bringen. „Das Alter spielt aber keine Rolle, wir sind eine große Gemeinschaft. Unser Hobby schweißt uns zusammen“, sagt der zweite Vorsitzende, Florian Schmalstieg (27).
Verein sucht noch ältere Schauspieler
Die Gruppe füht zwei Stücke pro Jahr auf. Die Kindergruppe steuert zwei weitere bei. In all den Jahren wurden von dem Verein fast 100 Stücke präsentiert. 1993 begann alles mit „Unsere kleine Stadt“. Einige der damals Aktiven unterstützen die junge Gruppe noch hinter den Kulissen. Mit Thomas Luhmann gibt es momentan nur einen Schauspieler, der älter als 50 ist. „Wir hätten für manche Rollen gerne ältere Schauspieler, um noch authentischer zu wirken“, wünscht sich Ritz. Zur Probe sei jeder herzlich eingeladen. Die Jugend- und Erwachsenengruppe trifft sich immer dienstags (19 bis 21 Uhr) in den Räumlichkeiten der katholischen Kirche in Stockum (Hörder Str. 364).
Dort spielt sich viel ab, nicht nur in der heißen Phase vor den Aufführungen. Es gilt nicht nur, Texte zu lernen und Szenen darzustellen. Die Gruppe sucht sich ihre Kostüme aus, näht sie teilweise sogar selbst, muss sich um die Technik bemühen, die Maske vorbereiten und Werbung nach außen betreiben. Schauspielerin Victoria Brickau (29) merkt dazu an: „Man kann es sich kaum vorstellen, wie viel Aufwand die Stücke für uns bedeuten. Ich stelle mir im Nachhinein oft die Frage, warum ich das mache. Aber bei der nächsten Probe sind wir alle direkt wieder da. Es macht doch irgendwie süchtig.“ Aufregung sei bei ihr auch nach Jahren immer ein Stück weit dabei. Wenn mal etwas nicht ganz gelingt, könne es jedoch gut überspielt werden. Nicht nur ihr ist es wichtig, ein Stück Kultur in Stockum zu ermöglichen: „Diesen Beitrag zu leisten, ist sehr wertvoll. Und wenn wir die Zuschauer bei einem Stück zum Lächeln und Lachen bringen können, ist das unheimlich schön.“
Ihre Kollegin Malin Zühlke denkt zum Schauspielern: „Das könnte nicht jeder machen. Ich kann mich dabei total öffnen. Wir spielen auch Szenen mit vielen Emotionen, dabei darf man im Kopf nicht blockiert sein.“ Die 29-Jährige hat zudem Vertrauen zu ihrem Team: „Ich könnte jeder Person von uns mein Leben anvertrauen.“ Auch denen, die neu zum Team hinzustoßen, was sich für die Stücke aus zehn bis 15 Personen zusammensetzt. Für die Kinderstücke sind es etwa zehn. Mit Emma Bräuer hat sich eine junge Darstellerin 2025 von sich aus beim Verein gemeldet, als sie einen Aufruf sah. „Man kommt gut rein und erhält unheimlich viel Unterstützung“, freut sich die 20-Jährige, die in der Schule mal ein Unterrichtsfach mit dem Thema Theater belegte.
Gruppe hat sehr viele neue Ideen
Im Moment sprudelt es nur so von Ideen für die Zukunft, teilweise werden Stücke überlappend einstudiert. Und es gibt Gespräche für mögliche Kooperationen. Die gab es in der Vergangenheit ein paar Mal mit dem TuS Stockum, der viele Tanzgruppen in seinen Reihen hat. So gab es bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie neunmal eine gemeinsame Veranstaltung in der Turnhalle Stockum. „Es war eine Art Varieté“, erzählt Schmalstieg. Bis zu 120 Aktive waren vor rund 700 Zuschauern auf der Bühne. Die Kindergruppe löste sich während der Corona-Lockdowns auf, wurde 2023 aber wieder ins Leben gerufen. Daraus entwachsen motivierte Personen für die Jugend- und Erwachsenengruppe. Ein aktuelles Beispiel ist Elina Reinhardt. Die 15-Jährige wurde direkt ins Herz geschlossen: „Man kann immer man selbst sein, auch bei den Rollen. Bei den Kinderstücken sind sie vielleicht etwas einfacher, aber jeder kann dabei an sein Maximum gehen. Die Rollen bei den Stücken für die Erwachsenen sind anspruchsvoller, aber nicht schwieriger.“ Die Stücke sucht sich die Gruppe selbst aus. Eines hat sie sogar mal selbst konzipiert, etwas Gruseligeres sollte es sein: „Geister im Museum“. Die Szenen zu entwickeln, war nicht einfach – die Resonanz der Zuschauer groß.
Spielorte waren neben Stockum auch schon mal „auswärts“, etwa in der Friedenskirche in Annen oder in der Gemeinde Trinitatis in Heven. „Die Leute sind dankbar, dass in ihren Stadtteil etwas Leben kommt und sie zu Fuß vorbeikommen können“, hat Ritz erlebt. Auch wenn es für den Verein viel Aufwand durch den Transport bedeutet. Vor zwei Jahren gab es auf der heimischen Gemeindewiese im Sommer eine Open-Air-Bühne und somit mal eine komplett andere Atmosphäre. Die Gruppe war auf Regen vorbereitet, mit Ponchos. Diese brauche sie allerdings nicht – wobei ein Termin doch von vornherein ins Wasser fiel. Für das aktuelle Stück „Die Mausefalle“, was in der Turnhalle Stockum aufgeführt wird (Samstag, 28. Februar um 14 und 19 Uhr, Sonntag 1. März um 17 Uhr) gibt es noch Karten an der Tageskasse (15 Euro, ermäßigt 12 Euro).
Von Hendrik Steimann