Nils Zimmermann ist Gesellschafter und einer der drei Geschäftsführer an der Hombergstraße.
Nils und Rudolf Zimmermann. Nils Zimmermann übernahm am 10.1.2023 das Geschäft von seinem Vater und wurde Geschäftsführer und später dann auch Gesellschafter der WKT Westfälischen Kunststofftechnik GmbH in Sprockhövel.
Nils Zimmermann (33) ist Geschäftsführer im Bereich Strategie und Organisation bei der WKT Westfälische Kunststofftechnik GmbH. Gemeinsam mit den Geschäftsführern Oliver Denz für Vertrieb und Einkauf sowie Thorsten Kattenstein für Finanzen und Personal führt er das Familienunternehmen in dritter Generation. Die Sprockhöveler Firma produziert eine Vielfalt unterschiedlichster Rohre für den Transport von Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Luft und vieles mehr im Bereich Infrastruktur, Industrie- und Gebäudetechnik.
Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte Nils Zimmermann in Bochum seinen Master im Bereich Angewandte Nachhaltigkeit. Im Verlauf seines Studiums traf er seine Entscheidung, in das Sprockhöveler Familienunternehmen einzusteigen. Durch Praktika in verschiedenen Unternehmensbranchen und dem Verständnis für unterschiedliche Blickwinkel im Bereich Nachhaltigkeit bringt er seine Fähigkeiten jetzt in dem Betrieb ein, den sein Großvater vor siebzig Jahren am Standort Hombergstraße in Sprockhövel gründete.
IMAGE: Seit über 70 Jahren gibt es die WKT in Sprockhövel an der Hombergstraße. Warum halten Sie der kleinen Stadt die Treue, obwohl die WKT-Produkte einen internationalen Kundenkreis genießen und bis zu 2000 Kilometer weit für ihre Nutzung transportiert werden?
ZIMMERMANN: Wir leben eine starke lokale Verbundenheit und sind auf internationalen Märkten zuhause. Meine Familie und viele Familien der rund 110 Mitarbeiter leben hier am Ort oder in einer Entfernung von unter 50 Kilometern. Sprockhövel hat mit seiner geographischen Lage und dem Autobahnanschluss eine strategisch günstige Nähe zum Ruhrgebiet und zu den Benelux-Staaten. Hier haben wir einen großen Kundenstamm. Neben der hohen Produktqualität gehören intensive Kundenkontakte und große Flexibilität zu unserer Unternehmenskultur. Wir bleiben boden- und mittelständig und fühlen uns als Teil der Stadtgesellschaft. Das drücken wir auch durch unser Engagement vor Ort aus, beispielsweise beim Unternehmerfrühstück der städtischen Wirtschaftsförderung oder bei der Beteiligung für freien Freibadeintritt für Kinder in den Sommerferien. Sprockhövel ist einfach unser Zuhause, unsere Heimat.
IMAGE: Welche Rolle spielen die kommunalen, nationalen und internationalen Rahmenbedingungen für das Unternehmen WKT?
ZIMMERMANN: Mit der Stadt Sprockhövel sind wir in einem guten Dialog. Der Austausch ist offen und wertschätzend. Darüber hinaus tut die Stadt viel dafür, dass die lokalen Akteure gut miteinander vernetzt werden und daraus mögliche Synergien entstehen.
Im Hinblick auf die vergangenen Krisen des Wirtschaftsstandortes Deutschland hat die WKT es gut gemeistert. Ein Beispiel ist der bundesweite Ausbau der Stromtrassen. Erfolgen sie unterirdisch, so geschieht dies nicht selten mit Rohren der WKT. Herausfordernd ist für uns aber eine mangelhafte Planungssicherheit, die oft mit politischen Wechseln verbunden ist. Um beim Beispiel der Stromtrassen zu bleiben: wenn diese plötzlich überirdisch laufen sollen, braucht es keine Rohre mehr und unsere getätigten Investitionen laufen teilweise ins Leere. Daher ist Planungssicherheit für uns sehr wichtig. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen produzieren wir bis auf wenige Ausnahmen rund um die Uhr und planen mit viel Vorlauf. Was wir uns außerdem wünschen: etwas mehr Augenmaß beim Thema Bürokratisierung. Manche Auflagen machen sicherlich Sinn, aber die Frage nach ihrem Mehrwert und dem dahinterstehenden Aufwand sollte auch immer mitgedacht werden.
Wir sind proeuropäisch unterwegs und brauchen einen Wirtschaftsstandort Europa mit offenen Grenzen. Als kunststoffverarbeitender Betrieb ist für uns der Ölpreis natürlich besonders wichtig. Doch durch die verschiedenen Geschäftszweige unseres Unternehmens im Bereich Tiefbau, Hochbau sowie Industrieanwendung können wir auch internationale Krisen im Betrieb in der Regel gut abfedern.
IMAGE: Gehen die Themen Kunststoff und Nachhaltigkeit denn überhaupt zusammen?
ZIMMERMANN: Unbedingt. Der Kunststoff einer Wegwerf-Plastiktüte ist überhaupt nicht mit unseren bis zu 100 Jahre nutzbaren und langlebigen Rohren zu vergleichen. Außerdem nutzen wir die Abwärme unserer Produktionsmaschinen für die Wärmeerzeugung im Unternehmen. Wir investieren regelmäßig in effizientere Maschinen, sparen Material ein und leben einen Kreislaufgedanken. Das bedeutet, wir recyceln genutzte Kunststoffprodukte und verwenden sie neu. Dazu betreiben wir auch eine hauseigene Mühle, um die Kunststoffe zu zermahlen und erneut zu verwenden. Wir schreiben einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht und betreiben ein zertifiziertes Umwelt- und Energiemanagement. Mittel- und langfristig wird an Ideen gearbeitet, wie man die Kunststoffe PE und PVC in biobasierter Form ersetzen könnte.
IMAGE: Die WKT beschäftigt insgesamt 110 Mitarbeiter. Wie sieht es mit der Ausbildung aus?
ZIMMERMANN: Wir bilden regelmäßig aus. Bis zu 30 Prozent unserer Belegschaft wurde bis heute von uns selbst ausgebildet. Aktuell sind acht weitere Auszubildende bei uns beschäftigt. Für uns hat die Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert, weil wir so unsere zukünftigen Leistungsträger intern qualifizieren können und wir deshalb deutlich geringere Herausforderungen beim Fachkräftemangel haben. Im Umkreis von 500 Metern zum Unternehmen leben allein zehn Kollegen und die große Mehrheit hat überschaubare Wege zur Arbeit. Wir sind gut vernetzt mit Schulen und auf Messen vertreten. Unser Slogan „Durch unsere Rohre Zukunft sehen“ bedeutet für unsere heutigen und zukünftigen Mitarbeiter, dass die WKT ein verlässlicher und innovativer Arbeitgeber ist.
Von Dr. Anja Pielorz