Klaus Berndt vom Berufskolleg Witten ist für 2025 von der IHK als Lehrer des Jahres gekürt geworden. Wie er mit dem Titel in das neue Jahr geht und was er anderen mitgeben kann.
Klaus Berndt vom Berufskolleg Witten
Er freut sich immer noch, wenn er den Stern in der Hand hält, auf dem sein Name steht und der Zusatz „Lehrer des Jahres 2025“. Diese Auszeichnung wurde Klaus Berndt vom Berufskolleg Witten durch die IHK Mittleres Ruhrgebiet verliehen. Der 61-Jährige, der angehende Bankkaufleute unterrichtet, blickt im Interview mit dem IMAGE-Magazin auf den besonderen Moment zurück und teilt seine Erfahrungen aus dem Schulalltag.
IMAGE: Herr Berndt, was haben Sie gedacht, als Sie auf die Bühne gerufen wurden und die Auszeichnung überreicht bekamen?
Berndt: Ich war erst einmal etwas verunsichert, als ich realisiert habe: Das bin wirklich ich, der gemeint ist. Ich wusste zwar, dass meine Schüler irgendwann mal befragt worden sind, was aber Usus ist. Als die Person, die ausgezeichnet werden sollte, beschrieben wurde, da dachte ich: Verflixt, das könnte ich sein. Ich war dann aber total stolz. Ich fand es klasse, ich habe auch ein gutes Verhältnis zu meinen Schülern. Ich war auch ein bisschen gerührt, als ich die Beschreibungen von ihnen gehört habe.
IMAGE: Inwiefern motiviert Sie dies in Ihrem Job?
Berndt: Ich fühle mich in meiner Arbeit bestätigt und möchte nach wie vor für gute Ergebnisse sorgen. Außerdem ist es keine Auszeichnung für irgendetwas Belangloses. Daher macht es mir weiterhin Spaß. Es ist auch schön, diese Auszeichnung erst jetzt mit Anfang 60 zu erhalten, weil es eine beständige Arbeit meinerseits war. Ich möchte auch noch nicht aufhören, dafür fühle ich mich noch zu agil.
IMAGE: Welche Tipps können Sie anderen Lehrkräften geben?
Berndt: Man sollte authentisch und ehrlich sein. Und ich verstehe mich nicht als Belehrer sondern als Lehrer. Ich möchte mit den Schülern arbeiten und dass sie die Erfolge erzielen. Das kriegen sie auch mit, sie spüren, ob sich jemand für sie interessiert und einsetzt. Man muss eine vertrauensvolle Basis schaffen und es muss natürlich fachlich passen. Und Humor ist wichtig – aber nicht auf Kosten von Schülern.
IMAGE: Was vermitteln Sie neben dem Fachlichen am liebsten an die Schülerinnen und Schüler?
Berndt: Dass sie an sich und ihre Leistungsfähigkeit glauben, keine Zweifel entwickeln und mutig etwas anpacken sollten. So entwickeln sie Selbstbewusstsein. Wichtig finde ich auch, dass Personen ihren Berufungen folgen sollen. Wenn sie später doch lieber etwas anderes machen wollen, sollen sie dies tun, um glücklich zu sein. Das ist wichtig.
IMAGE: Wie werden Ihre Worte aufgenommen?
Berndt: Ich glaube, die Schüler nehmen es mir ab, weil ich authentisch bin. Ich habe selbst eine Familie und früher genauso in der Schulbank gesessen und darauf geachtet, welcher Lehrer nimmt mich ernst und möchte mich weiterbringen.
IMAGE: In welchen Situationen wurde es für Sie schon mal kniffliger?
Berndt: Man muss konsequent bleiben. Ich habe schon mal Schüler aus dem Raum rausgeschmissen, weil sie gestört haben. Sie haben sich hinterher entschuldigt und es wurde kein Problem. Es ist wichtig, das Verhalten zu kritisieren und nicht die Person. Dann sehen die Schüler, dass ich sie im Unterricht trotzdem weiter beachte. So hat man eine kritische Distanz und kann das eine vom anderen trennen.
IMAGE: Spüren Sie nun Druck als Preisträger?
Berndt: Druck insofern, dass die Ergebnisse weiter stimmen und die Schüler gefordert und gefördert werden, damit sie zufrieden sind. Ich spüre wenn überhaupt aber einen positiven Druck, dass ich weiter gute Arbeit abliefere und die jungen Menschen weiterbringen kann.
Von Hendrik Steimann