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Gesundheit

Langzeitfolgen: das Long-Covid-Syndrom

Nichts ist so spannend und bewegt den Menschen so sehr wie sein eigenes Verhalten und das seiner Mitmenschen. Auch in diesem Jahr greift „Image“ gemeinsam mit Dr. med. Willi Martmöller, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie (Tiefenpsychologie) in unserer Serie „Wie tickt der Mensch“ spannende Fragen auf und stellt verblüffende Antworten aus der Psychologie vor.

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„Bei mehr als einem Drittel der Covid-19-Erkrankungen bestehen auch nach der Akutphase weiterhin Beschwerden. Alle Symptome, die nach zwölf Wochen noch vorhanden sind, gelten als Post- oder Long-Covid-Syndrome“, erklärt Dr. Willi Martmöller. Die Beschwerden können dabei sehr unterschiedlich sein.
„Teilweise kommen sogar in den späten Erkrankungsphasen noch neue Beschwerden hinzu. Atemnot, Husten, eventuell auch Schlafprobleme gehören in den Bereich der Inneren Medizin/Pneumologie. Kognitions- und Konzentrationsstörungen, Muskelzittern und Kopfschmerzen gehören zum medizinischen Fachbereich der Neurologie. Andere Patienten klagen über kardiale oder dermatologische Symptome. Auch das bereits seit längerer Zeit bekannte Fatigue-Syndrom wird im
Zusammenhang mit einer Coronainfektion verstärkt beobachtet. Das bedeutet, die Betroffenen haben ein Gefühl von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und großer Antriebslosigkeit.
Wir kennen das Problem auch von onkologischen und rheumatologischen Patienten. Während wir bei diesen Betroffenen oft die Möglichkeit haben, durch gezieltes Training Abhilfe zu schaffen, scheinen Patienten bei dem chronischen Fatigue-Syndrom nach einer Coronainfektion davon nicht zu profitieren. Betroffene sind manchmal so belastet, dass sie keinem geregelten Tagesablauf oder einer Arbeit nachgehen können. Sie sind kraftlos und ausgelaugt. Sie leiden unter einem hohen Maß an Belastungsintoleranz und es fällt ihnen schwer, sich aufzuraffen. Versuchen sie es doch, geht es ihnen aufgrund der Belastung sofort noch schlechter.
Außerdem beobachten wir, dass auch Menschen, die nicht an Covid 19 erkrankt waren, in dieser Zeit der Pandemie ebenfalls solche Symptome verspüren. Die genauen Ursachen von Long Covid sind noch nicht ausreichend erforscht. Vermutet wird eine Fehlaktivierung des Immunsystems nach der akuten Krankheitsphase. Auch die nicht mehr richtig funktionierende Feinsteuerung des Nervensystems könnte für die Einschränkung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit verantwortlich sein. Ebenso können Vorerkrankungen eine Rolle spielen. Was wir aber wissen ist, dass ein Long-Covid-Syndrom sowohl nach einem leichten als auch nach einem schweren Krankheitsverlauf auftreten kann.“ anja

Post-Covid-Ambulanzen und Selbsthilfegruppen
Als Folge einer Infektion mit dem Coronavirus kann ein sogenanntes PICS (Post intensive care syndrome) mit motorischen, kognitiven und emotionalen Beeinträchtigungen auftreten. Ist die Infektion überstanden, beginnt für viele Betroffene eine schwere und herausfordernde Zeit – denn sie sind nicht gesund. In NRW gibt es für Long-Covid-Betroffene erste Hilfen. Verschiedene Kliniken bieten beispielsweise eine ambulante lungenärztliche Kontrolle in Absprache mit dem behandelnden Haus- oder Lungenarzt an. Außerdem gibt es spezielle Sprechstunden zur Riechtestung. Spezialsprechstunden auf dem jeweiligen Fachgebiet gibt es auch für Betroffene in der Neurologie, Pneumologie, Kardiologie und Psychologie. Außerdem sind Selbsthilfegruppen in Gründung. Das Selbsthilfe- und Freiwilligen-Zentrum für den Kreis Heinsberg hat bereits eine Selbsthilfegruppe: www.sfz-heinsberg.de.