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Hattingen

Laienspielschar Welper holt junge Leute auf die Bühne

Die Theatergruppe besteht seit 80 Jahren und hat sich gut gehalten. Gerade für das Märchenstück braucht sie junge Darsteller. Die haben sich zuletzt vermehrt gefunden.

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Laienspielscharen sind Theatergruppen, die sich rein aus Hobbyschauspielern zusammensetzen. Damit sich die Gruppen halten können, brauchen sie Nachwuchs. Die Katholische Laienspielschar (KLS) Welper hatte damit in der Vergangenheit eine Zeit lang zu kämpfen, dann meldeten sich einige jüngere Darsteller und probierten sich einfach mal aus. Ein paar sind geblieben. Sie übernehmen Verantwortung und bilden die Basis für die Zukunft. So wie kürzlich im Märchen „Das tapfere Schneiderlein“.
Geschäftsführer Holger Preuß ist bemüht, die Strukturen so mit aufzubauen, dass Nachwuchs eingebunden und gehalten werden kann. Nach der Zeit der Corona-Lockdowns wurde der Vorstand etwas umgestellt. „Vor zehn Jahren gab es noch eine Art Hierarchie. Nun bringt sich jeder mit ein, auch die Jüngeren“, freut sich Preuß. Und es habe in den vergangenen Jahren neuen Schwung gegeben. „Viele waren mit dabei, auch mal ganze Familien, die im Hintergrund mitgeholfen haben. Das tun sie heute noch. Wir brauchen auch neben der Bühne Helfer, etwa bei der Bewirtung, an der Kasse, beim Bühnenumbau oder bei der Technik. Es muss nicht jeder spielen.“
Es war oft Mund-zu-Mund-Propaganda, durch die junge Leute mal vorbeischauten. Ein Beispiel ist Fabio Niehus. Der 25-Jährige kam 2017 einfach mal gemeinsam mit seinem Schwager zur Probe – der Schwager war Teil der KLS, ist es nun aber nicht mehr. „Ich kannte weder die Laienspielschar selbst noch die Leute“, erinnert sich der Laienspieler. Er hatte Spaß daran, etwas vor Menschen zu präsentieren und wurde gut aufgenommen: „Die Leute waren dankbar, dass jemand dazukam, der jünger ist.“ Und so hatte er eine erste Rolle im Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“, wenn auch zum Start nur für eine Minute auf der Bühne.

Märchen im Winter, „Luststück“ im Sommer
Einmal im Jahr wird ein Märchen aufgeführt, immer im Dezember. Schon seit genau 60 Jahren. Dazu gibt‘s im Sommer das standardmäßige „Luststück“ und im Herbst immer mal ein Jugendstück. „Die Märchen und Komödien sind darauf ausgelegt, auch einige Rollen mit jungen Leuten zu besetzen. Wir wollen es authentisch halten“, erklärt Niehus, der nur wenige Kontakte hat, die ebenfalls Interesse am Schauspielern haben. „Ich kenne viele, denen ich es zutrauen würde. Sie möchten aber nicht“, verrät er. Dafür saßen sie schon als Zuschauer vor der Bühne. Dort, wo die Stuhlreihen immer gut gefüllt sind, weil die KLS gerade in Welper bekannt ist.
Aber eher unter der älteren Generation. „Es gibt Verbesserungspotenzial, was die Modernität angeht. Die Märchen werden bewusst altmodischer gehalten, aus der Tradition heraus. Vielleicht trifft das nicht den Geschmack von jungen Leuten“, überlegt Niehus offen. Der Student erzählt von zwei Personen, die sich vor zwei Jahren mal ausprobierten, aber nicht dabeiblieben. Ein jüngerer Schauspieler, der ebenfalls hinzukam, hilft nun beim Bühnenbau, nachdem er vorher mal Rollen eingenommen hatte. Wenn die älteren Schauspieler aktiv von der Bühne aussteigen, bleiben sie der Laienspielschar in der Regel erhalten. „Wenn es gesundheitlich nicht mehr geht, ist das auch vollkommen in Ordnung. Ob wir jungen Leuten es in der Form weitertragen können, müssen wir schauen“, sagt Niehus.

Jugendvorstand gegründet
Er war eine Zeit lang Jugendvorstand, es gibt seit einigen Jahren zwei Vertreter. Aktuell sind dies Sophie Jakob und Hanna Brodrowski. Erstere spielte 2012 ihre erste größere Rolle im Märchen „Der Froschkönig“, nachdem sie von der aktuellen Vorsitzenden, Monika Kaps, angesprochen wurde. Dadurch, dass Kaps anderweitig Schülergruppen betreut, gibt es gerade für die Märchen auch immer ein paar ganz junge Schauspieler. Der aktuell jüngste, Max Grönebaum, ist erst neun Jahre alt. Männliche junge Schauspieler fehlen generell eher. „Wir versuchen, an andere Leute heranzutreten, über Kontakte oder öffentliche Aufrufe auf unseren Social-Media-Kanälen, Facebook und Instagram“, erklärt Jakob. Die KLS warb auch beim Stadtteilfest „Welper Live“. Jakob ergänzt: „Wenn jemand Interesse hat, lassen wir diejenigen auch direkt mitspielen, damit wir sie nicht sofort wieder verlieren.“ Es wird gleichzeitig darauf geachtet, dass die Rolle nicht zu groß und mit Druck verbunden ist.
Es gibt mittlerweile etwas mehr Freiraum bei der Gestaltung der Stücke. „Jeder hat ein Rollenbuch, aber kann sich darin selbst verwirklichen und die Rolle umwandeln, also auch etwas moderner gestalten, damit es passt“, sagt Jakob. Die 29-Jährige glaubt, dass es gut ankommt, wenn Einzelne dadurch ihre Kreativität ausspielen können. „Man muss die Ideen der Jüngeren ernst nehmen und darf sie nicht abtun. Und bei unserer Nachfeier sprechen wir die Jüngeren an, ob sie sich bei dem nächsten Stück wieder eine Rolle vorstellen könnten“, schildert Geschäftsführer Preuß. Das Endergebnis erfreut den Nachwuchs in der Regel. „Nach dem Stück den Applaus zu bekommen, dass die Leistung gut war, ist ein schönes Gefühl“, beschreibt es die Jugendvertreterin. Sie weist darauf hin, dass gerade bei einer Laienspielschar auch mal Fehler passieren dürfen. Wenn das zu einem Schmunzeln bei den Besuchern führt, sei dies nicht böse gemeint.
„Alles ist verbunden mit einer Messlatte, die tiefer liegt als im professionellen Bereich. Und unsere Werbung ist im Endeffekt unser Stück“, sagt Kollege Niehus, der wie er selbst sagt „Blut geleckt hat“ und einen Anspruch an sich selbst stellt. „Man kann sich noch verbessern. Man könnte mit anderen Gruppen kooperieren und sich austauschen“, wirft er in den Raum. Preuß hatte schon mal Kontakt zu einer Gruppe aus Essen-Burgaltendorf aufgenommen und bekam eine Anfrage von zwei Jüngeren. Er ist sich sicher, dass es die KLS auch in zehn Jahren noch geben wird. Aktuell funktioniere laut Niehus alles prima. Der Darsteller betont jedoch: „Damit es so bleibt, muss sich etwas tun. Vieles wird doch noch von Älteren gestemmt.“ Von Hendrik Steimann