Nichts ist so spannend und bewegt den Menschen so sehr wie sein eigenes Verhalten und das seiner Mitmenschen. IMAGE greift gemeinsam mit Experten wie Dr. med. Willi Martmöller, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie (Tiefenpsychologie) in unserer Serie „Wie tickt der Mensch“ spannende Fragen auf und stellt verblüffende Antworten aus der Psychologie vor.
Nichts ist so spannend und bewegt den Menschen so sehr wie sein eigenes Verhalten und das seiner Mitmenschen. IMAGE greift gemeinsam mit Experten wie Dr. med. Willi Martmöller, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie (Tiefenpsychologie) in unserer Serie „Wie tickt der Mensch“ spannende Fragen auf und stellt verblüffende Antworten aus der Psychologie vor.
„Vornamen sind nicht Schall und Rauch. Sie sind wichtig für unsere Identität. Wenn wir einen Vornamen hören, assoziieren wir automatisch bestimmte Merkmale mit dieser Person. Dazu gehören Geschlecht, Alter, ethnische Zugehörigkeit, aber auch bestimmte Eigenschaften. Neue Namen traten in früheren Jahrhunderten zunächst beim Adel oder Bürgertum auf. Später setzten sie sich immer mehr in weiteren sozialen Schichten durch. Doch sobald ein Name beim gewöhnlichen Volk angekommen war, verschwand er aus den höheren Schichten und man suchte zur Abgrenzung nach neuen Namen. Zugenommen hat auch die Vergabe mehrerer Vornamen, was in früheren Jahrhunderten nur dem Adel vorbehalten war. Der Name Kevin war ursprünglich ein irischer Name und kam in Deutschland selten vor. Zunächst nannten vor allem gebildete Eltern ihr Kind so, die Freude an der keltischen Kultur hatten oder Fans von damals noch ungewöhnlichen Reisezielen wie Irland waren. In den 80er- und 90er-Jahren entschied sich eine große Zahl von Eltern, ihre Kinder nicht mehr nach Großvater Wilhelm und Großtante Charlotte zu benennen, sondern nach Idolen, die sie aus den Boulevardmedien kannten. Der Name Kevin war 1991 der beliebteste Jungenname und verbunden mit Idolen wie Kevin Costner, dem Fußballer Kevin Keegan oder dem Film ‚Kevin – Allein zu Haus‘. Man verband positive Assoziationen mit ihm. Die nächste Stufe war jedoch die Abwertung des Namens und die Verbindung mit negativen Erwartungen zu Leistungsfähigkeit und Sozialverhalten“, sagt Dr. med. Willi Martmöller.
„2009 belegte eine Studie der Universität Oldenburg unter Grundschullehrern, wie gut es um das Ansehen von Sophie und Alexander stand – und wie schlecht um die Mandys, Chantals, Kevins und Justins. Eine Lehrerin diktierte den Forschern den Satz: ‚Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.‘ 2015 war der Begriff ,Alpha-Kevin‘ für weniger kluge Zeitgenossen sogar nominiert für das Jugendwort des Jahres, wurde aber aufgrund der Diskriminierung zurückgezogen. Wir sehen: Nomen est omen – der Name ist Programm. Negativ besetzte Namen können dazu führen, dass Menschen in Schubladen gesteckt werden, aus denen sie nur schlecht wieder herauskommen. So werden Vorurteile zur selbsterfüllenden Prophezeiung.“
Von Dr. Anja Pielorz