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Hattingen

Hurra! Hattneggen bekommt 1396 die Stadtrechte verliehen

Zusammen mit Thomas Weiß, Stadtarchivar in Hattingen, schlägt IMAGE regelmäßig ein historisches Kapitel der Stadt auf. In diesem Jahr blicken wir auf 625 Jahre Stadtgeschichte zurück. Wir starten mit den ersten hundert Jahren 1396 bis 1496.

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Viel Landschaft - und ganz hinten, rund um die Kirche St. Georg - da entsteht Hattingen Foto: Stadtarchiv Hattingen

An der Ruhr, damals anno 1359: Hattingen verfügt bereits über einen Markt. Ritter Henrich stiftete der St. Georgs-Kirche eine Rente aus seinem „Haus vor dem Markt“. Neun Jahre früher verlieh Graf Engelbert dem „Volberthaus“ im Dorf Hattingen die „Immunität“, um den Hof vor dem Zugriff der Steuerbeamten zu schützen. Auch eigene Münzen gab es seit 1360. Um eine Stadt zu werden, brauchte es Privilegien und Gesetze. Und vor allem brauchte es einen festen Raum.
„Den gab es mit dem ersten Befestigungsvertrag 1396“, erzählt Stadtarchivar Thomas Weiß. „Es gibt nun ein festes Gebiet, welches verteidigt werden konnte. Es gab eine Begrenzung um dieses Gebiet. Und es gab die Überzeugung: Wir sind wehrhaft innerhalb dieses Gebietes. Es gab um die St. Georgs-Kirche herum schon vorher eine dörfliche Siedlung, aber sie hatte noch keine Stadtrechte. Für Historiker gehören zur Stadtwerdung eine Befestigung, ein Marktrecht, ein Rat und eine eigene Gerichtsbarkeit. Und das alles hatte Hattingen 1396 erreicht. Deshalb gilt diese Zahl als Gründungsdatum der Stadt Hattingen.“
Damit veränderte sich zunehmend auch die Gesellschaft. Schon längst gab es nicht mehr nur landwirtschaftliche Strukturen. Es bildeten sich neue Berufe, Handwerker und Dienstleister, mit ihren Angeboten für das tägliche Leben. Besitzverhältnisse und Machtstrukturen, die verteidigt werden müssen, entstehen.
„Der Befestigungsvertrag markierte damals den Schlußpunkt der Stadtwerdung.“ An der Tagesordnung waren zu diesem Zeitpunkt die Streitigkeit zwischen den bergischen und märkischen Grafen. Dietrich von der Mark mit seinem Amtssitz auf der Burg Blankenstein wollte mit dem Vertrag die Westgrenze seines Territoriums sichern. Ein Jahr später erhielt Hattingen auch sein erstes Siegel mit dem Heiligen Georg. Die Zeit war geprägt von aufblühendem Handel. Die ersten drei Gilden wurden 1412 gegründet: die Kaufleute und Bäcker, die Fleischhauer und die Schmiede. Bedeutung erlangt Hattingen als Tuchstadt.
Aber friedlich war diese Zeit nicht. Gerhard von der Mark macht seinem Bruder Adolf die Grafschaft Mark streitig und im Zusammenhang mit diesem Bruderkrieg wird Hattingen zweimal 1424 und 1429 verwüstet. Das kleine Städtchen wird Opfer von Brandschatzung und Raub. Am 10. Oktober 1447 gibt Richter Rutgher Hoirstken die Schäden aus der Soester Fehde zu Protokoll: „Ich, Ruther Hoirstken, Richter zu Hattingen, beurkunde und bekenne, daß ich hier an diesem Tage einen Gerichtsbeschluß gefaßt habe über die Schäden, die mir von Folgenden benannt worden sind. Pitter zu Ober-Elfringhusen beklagt den Verlust von Hafer und Korn und anderen Waren für 60 overländische Reichsgulden. Hannes Vogelsang beklagt einen Schaden von 25 Gulden, der bekannte Lembecke 50 Gulden. Hannes unter der Eicken zwei Gulden. Abel zu Bredenscheid 128 Gulden, Arnd von Bredenscheid 20 kölnische Gulden. Wir bekennen, daß wir das Punkt für Punkt richtig wiedergegeben haben. Die Beisitzer: Hannes in dem Keller, Bürgermeister in Hattingen, Hinrich von Engehusen, Hinrich Hoerstchen, Hane Panekoken, Gert Schrader, Johan und Wylm Schomecker. So habe ich das zu Recht befunden und meinen Brief und mein Siegel angehangen.“
Erst 1461 vereinigt Johann I. sein Herzogtum Kleve mit der Grafschaft Mark und die Zeiten werden etwas friedlicher.
Im 15. Jahrhundert wird das verbrieft, was vorher schon bereits geduldet wurde: das Marktrecht. 1435 wird als Tag für den Wochenmarkt der Dienstag festgelegt und das ist er übrigens in der Hattinger Innenstadt heute noch. 1486 verleiht Herzog Johann dem Rat der Stadt das Recht, sich eigene Gesetze und Statuten zu geben. Damit bekommt die Stadtwerdung Brief und Siegel.
Und noch etwas bewegte in den ersten hundert Jahren der Stadtwerdung die Stadt an der Ruhr: der Verlauf der Ruhr. Mehrere Überflutungen hatte es gegeben und nach einer weiteren Hochwasserkatastrophe schuf sich der Fluß 1486 endgültig ein neues Bett.
Die Wasserburg Kemnade liegt seit der Bettverschiebung nicht mehr nördlich, sondern stattdessen südlich des Flusses. Der alte Ruhrarm beheimatet heute ein Naturschutzgebiet und wurde in der Vergangenheit auch schon einmal als Eislauffläche genutzt. Die Wasserburg Kemnade leitet sich übrigens vom mittelhochdeutschen Wort „Kemenate“ ab und bedeutet „Gemach mit Kamin“. Eine Urkunde über den Bau der Burg gibt es nicht. anja