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Gesundheit

Hüftschmerz: Wenn Schuhe binden zum Problem wird

Vortrag mit Dres. Andre Sander (EvK) und Jörg Stechmann (AMC) sowie Anett Peter (Ortho-Mobile).

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Am Mittwoch, 9. April, 18 Uhr, gibt es einen neuen Vortrag aus der Reihe „med in Hattingen: Gesundheitsforen“. Diesmal geht es um das Thema „Die Hüfte schmerzt, ich humpele... was ist zu tun?“.
Es referieren Dr. med. Andre Sander, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie, EvK Augusta Hattingen; Dr. med. Jörg Stechmann, Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie AMC Praxisklinik Hattingen, und Anett Peter, ltd. Physiotherapeutin im Ortho-Mobile. Die Veranstaltung findet statt im Ortho-Mobile, Ambulante Rehabilitationsklinik GmbH in Hattingen, August-Bebel-Straße 8-10 (Salon). Eine Anmeldung über die Volkshochschule unter 02324/204-3513 (-3512 oder -3511) ist erforderlich. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Nach dem Vortrag ist Zeit für Fragen und Gespräche.
Viele Menschen kennen das: es schmerzt beim Bücken in der Hüfte. Wenn man sich die Schuhe zubinden will und mühevoll die Schnürsenkel erreicht hat, stellt man sich die Frage, was in dieser Position noch alles zu erledigen ist – wo man doch gerade schon einmal „unten“ ist. Hüftschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Gelenkschmerzen und betreffen nicht nur ältere Menschen. Die Symptome können je nach Ursache sehr unterschiedlich ausfallen und sowohl einseitig als auch beidseitig zu spüren sein. In manchen Fällen strahlen Hüftschmerzen auch in die Beine aus. Zu den möglichen Beschwerden zählen: Falsche Bewegungen oder einseitige Belastung des Kugelgelenks können zu Schmerzen in der Hüfte führen. Umgekehrt können Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule in die Hüftregion ausstrahlen. Neben dem Hüftgelenk selbst können auch Gelenkknorpel, Sehnen, Bänder, Schleimbeutel oder Nerven die Auslöser der Schmerzen sein.

Der Aufbau der Hüfte
Um die Schmerzen zu verstehen, muss man wissen, wie die Hüfte aufgebaut ist. An jedem Schritt, den wir gehen, ist das Hüftgelenk beteiligt. Es sorgt für die Beinbewegung und zusammen mit der Wirbelsäule für den stabilen aufrechten Gang.
In der Regel besitzt der Mensch zwei symmetrisch angeordnete Hüftgelenke. Sie verbinden den Oberschenkelknochen mit dem Rumpf. Die knöchernen Strukturen des Gelenks bestehen aus einem kugelförmigen Hüftkopf und einer Hüftpfanne, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Diese Konstruktion ermöglicht Drehbewegungen des Beins in mehrere Richtungen. Damit diese reibungsfrei stattfinden können, sind die Knochen mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Umhüllt wird das Ganze von einer kräftigen Gelenkkapsel. Ihre Aufgabe ist es, das Gelenk zu stabilisieren und mit Gelenkflüssigkeit geschmeidig zu halten. Viele Bänder sichern das Hüftgelenk zusätzlich ab. Doch es gibt verschiedene Erkrankungen. Das kann schon damit beginnen, dass die Hüftgelenke nicht symmetrisch angeordnet sind. Bei einer Skoliose, einer Wirbelsäulenverkrümmung, ist das oft der Fall. Eine Beinverkürzung tritt in diesem Zusammenhang ebenfalls oft auf. Hüftgelenkschmerzen entstehen aber auch durch Verschleiß (Arthrose). Es gibt außerdem Entzündungen, Osteoporose (Brüchigkeit der Knochen), gut und bösartige Tumore, Verletzungen und vieles mehr. Die Schmerzen müssen, sofern sie dauerhaft sind, von Fachärzten abgeklärt werden. Helfen können entzündungshemmende Scherzmittel, Wärme- und Kälteanwendungen (letztere nur bei Entzündungen), Krankengymnastik, Physiotherapie und operative Möglichkeiten.
Eine Entscheidung zur Operation ist dann sinnvoll, wenn mit den konservativen Maßnahmen keine ausreichende Beschwerdelinderung erreichbar ist. Auch bei den operativen Möglichkeiten gibt es verschiedene Maßnahmen.
So kann bei leichteren Fällen ein gelenkerhaltender Eingriff möglich sein, bei den schwereren Fällen ist es in der Regel ein Gelenkersatz, die sogenannte „künstliche Hüfte“. Gerade bei der Hüftarthrose gehört die Implantation eines Kunstgelenkes zu den erfolgreichsten medizinischen Behandlungsverfahren. Sehr häufig können damit die Schmerzen behoben, die Alltagsfunktionen wiederhergestellt und die Lebensqualität verbessert werden. Es gibt unterschiedliche Prothesenmodelle, Materialien und Verankerungstechniken (z. B. zementiert oder zementfrei) sowie auch verschiedene Operationsmöglichkeiten, welche vor der Operation von dem behandelnden Arzt erklärt werden. Etablierte Prothesen funktionieren meist über Jahrzehnte.

Große Fortschritte in der Medizin
Die Medizin hat gerade in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Patientenindividuelle Implantate können beispielsweise heute im 3D-Druckverfahren hergestellt werden. Bei diesem Verfahren werden dreidimensionale Gegenstände in einem Drucker schichtweise aufgebaut. Der Aufbau erfolgt computergesteuert aus flüssigen oder festen Werkstoffen. Die spezifisch gefertigten Implantate sind eine lebensechte Nachbildung und haben den Vorteil, dass sie genau zum Körper passen und beim Einbauen weniger Knochen weggenommen werden muss. So kann das Gewebe nach dem Einsatz wieder gut einwachsen. Um die passenden Stellen zum Befestigen des Implantats zu finden, kann die Knochendichte des Beckens vorher digital vermessen werden. Es gibt eine Fülle von medizinischen Möglichkeiten, die es in der Regel den Betroffenen ermöglichen, einen normalen und weitestgehend schmerzfreien Alltag zu gestalten. anja