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Hattingen

Hattinger Tafel: Fehlende Lebensmittel und viel Bürokratie

Das „soziale Gewissen“ der Stadt Hattingen kämpft mit den Widrigkeiten im Alltagswahnsinn.

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Brauchen dringend weitere Lebensmittelspenden: Anja Werning und Jürgen Sotzek (Geschäftsführer) von der Hattinger Tafel in der August-Bebel-Straße 21.

Seit 2003 versorgt das „soziale Gewissen” der Stadt Hattingen die Hattinger Bürgerschaft mit Lebensmitteln. Mittlerweile gibt es auch eine Ausgabe in Sprockhövel in der Grundschule Haßlinghausen. Während in der Hauptstelle in der August-Bebel-Straße 21 immer mittwochs und freitags von 11.30 bis 12.30 Uhr Lebensmittel ausgegeben werden, können die anderen Ausgabestellen - Rauendahl und Welper in Hattingen und eben die Grundschule Haßlinghausen in Sprockhövel - nur bedient werden, wenn genügend Lebensmittel vorhanden sind. Und daran hapert es seit der Corona-Pandemie gewaltig. „Es ist alles viel teurer geworden. Auch die Lebensmittelhändler spüren den Kostendruck. Lebensmittel, die früher an die Tafel gegangen sind, verkaufen die Läden jetzt selbst zu vergünstigten Preisen. Diese Erfahrung macht aber nicht nur die Hattinger Tafel. Fast alle Einrichtungen haben Probleme”, sagt der Geschäftsführer Jürgen Sotzek.
Gleichzeitig kommen immer mehr Menschen zur Tafel. Das hängt zum einen mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten zusammen, zum anderen aber auch mit der steigenden Zahl der Menschen, die nach Deutschland kommen.
„Unsere Arbeit ist deutlich schwieriger geworden. Neben den Herausforderungen, überhaupt an Lebensmittel zu kommen, gibt es diverse sprachliche Probleme mit der Kundenklientel. Es hat sich aber auch eine Bedienmentalität entwickelt - manche Kunden glauben, sie könnten sich wie in einem Warenhaus einfach Dinge aussuchen oder kommen mit einer Liste, was sie haben wollen Einen Dank dafür, dass es für sie Lebensmittel fast kostenfrei gibt, hören wir in der Regel sowieso nicht.“
Fehlende Lebensmittel dazukaufen, das will die Tafel nicht. „Das entspricht überhaupt nicht dem Tafel-Gedanken. Hier geht es darum, noch gute Lebensmittel, die im Geschäft nicht mehr verkauft werden können, an Menschen abzugeben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Es geht nicht darum, uns Geld - aus welchen Fördertöpfen oder Stärkungspakten auch immer - in die Hand zu drücken, mit dem wir einkaufen gehen sollen, um diese Produkte dann für einen symbolischen Euro an unsere Klientel abzugeben, “ so Sotzek.
Was die Tafel-Helfer noch fuchst: Der Behördenwahnsinn. Immer wieder gibt es neue Auflagen, auch vor dem Hintergrund der Lebensmittelüberwachung. „Wir haben selbst ein Interesse daran, sauber und sicher zu arbeiten“, sagen Geschäftsführer. Jürgen Sotzek und Mitarbeiter Georg Fink. Eine weitere Kritik: „In manchen Lebensmittelgeschäften stehen Kisten mit einer Aufschrift, die Produkte, die man hineingibt, seien für die Tafel bestimmt. Das stimmt zwar im Prinzip - aber gemeint sind überregionale Tafeleinrichtungen, nicht die Tafel im selben Ort. Wir gehen da nicht hin und nehmen irgendwann die volle Kiste mit, die für uns bestimmt ist. So läuft das nicht.“
Und noch etwas stört: „Es geht um die Verteilung von Lebensmitteln, die wirklich noch verteilbar sind. Beispielsweise Obst, was nicht mehr astrein aussieht. Es geht nicht um Produkte, die auch wir nur noch entsorgen können. Manchmal gewinne ich den Eindruck, der ein oder andere verwechselt die Tafel mit einem Müllabladeplatz. In diesem Zusammenhang gibt es natürlich auch Auflagen, was wir unter welchen Voraussetzungen überhaupt abgeben dürfen. Produkte, die dem nicht entsprechen, müssen wir entsorgen oder im besten Fall unseren ehrenamtlichen Helfern zur Eigennutzung überlassen.“
Was sich die Tafel-Mitarbeiter wünschen: Mal einen Dank zu hören und vor allem Lebensmittel in Quantität und Qualität. Damit Menschen mit wenig Einkommen auch in Zukunft Gutes auf den Teller bekommen.anja

Hattinger Tafel

Hattinger Tafel, Telefon 02324/707792
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