Das Gymnasium Waldstraße ist an vielen Stellen sanierungsbedürftig. Die Schulleiterin hat vieles angestoßen. Ein neues Gestaltungskonzept wird nun ausgearbeitet.
Es ist hell in den Fluren, die Gänge sind auch nicht zu schmal. Doch sie entsprechen gleichzeitig auch keinem modernen Stil einer Schule. Das wird im Altbau des Gymnasiums Waldstraße auch schwierig. An der Schule gibt es generell viele Baustellen und Wünsche der Schulleitung, Sanierungen vorzunehmen. Das Problem: Der Altbau steht unter Denkmalschutz, weshalb Baumaßnahmen nicht ohne Weiteres möglich sind – wenn überhaupt. Ein Architekturbüro ist über die Stadt Hattingen beauftragt worden, ein entsprechendes Konzept für die gesamte Schule zu erstellen. Die Ideen werden Anfang 2026 präsentiert.
Bei einem Gang durch die Schule, deren Altbau im Jahre 1913 errichtet worden ist, bemerkt man trotzdem einige positive Veränderungen, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat. Immer mal wieder ist etwas passiert, sei es nur ein neuer Anstrich, der bröckelnde Stellen verdeckt hat. Seit Mai 2017 ist Anette Christiani Schulleiterin. Sie hat einiges angestoßen und das Lehrerkollegium dabei mit ins Boot geholt, wie sie erzählt. „Ich habe mir viel Spielraum gelassen und konnte viel verändern“, sagt sie zu dem, was sie seit dem Vorfinden unbedingt erneuern wollte. „Meine innere Stimme hat mir gesagt: Das kriegen wir bestimmt besser hin“, so die Schulleiterin.
Zwölf neue Räume benötigt
Dabei ging es längst nicht nur um optische Aufwertungen, um eine Wohlfühlatmosphäre bei Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften zu erreichen. Was akut ist: Platznot. Das Gymnasium benötigt dringend neue Räumlichkeiten, zumal es demnächst wieder 13 statt 12 Jahrgänge geben wird. Insgesamt müssen zehn neue Räume plus neue Chemieräume her. Denn vor allem die Chemieräume – im Untergeschoss des Altbaus gelegen – sind sehr überholungsbedürftig. Im Flur riecht es nach alten Zeiten und sieht optisch auch noch so aus wie vor Jahrzehnten. In den zwei Räumen selbst ist die Anordnung der Plätze längst nicht mehr zeitgemäß, weder im Raum mit schmalen Stufenreihen noch im größeren Versuchsraum. Immerhin: Im Lagerraum zwischen ihnen sind vor ein paar Jahren mal neue Schränke mit bruchsicheren Glasscheiben angeschafft worden.
In der untersten Etage wurde zudem die ehemalige Hausmeisterwohnung saniert, nachdem es vor ein paar Jahren einen Wasserschaden gab. Hier sind Aufenthaltsräume für die Oberstufe entstanden und ein Raum soll bald als Fitness- und Gesundheitszimmer für das Lehrerkollegium dienen. Was sich im Altbau sonst verändert hat, waren mal neue Bodenbeläge, auch Bildschirme sind im Zuge der Digitalisierung hinzugekommen sowie ein neuer Informatikraum. „Wir haben davon aber noch mehr Bedarf“, merkt Christiani an. Sie zeigt, dass auch die alten Treppengeländer nach Vorschrift eigentlich zu niedrig sind, aber ebenso dem Denkmalschutz unterliegen. Was unbedingt angegangen werden muss, sind vernünftige statt provisorische Lösungen mit Blick auf Brandschutz, der immer zwei Notausgänge erfordert. Dies wird im Altbau einerseits über die Türen zu den Unterrichtsräumen gewährleistet, andererseits über die Fenster an den Fassaden zur Straße und zum Schulhof hin. Dort könnte die Feuerwehr im Notfall mit einer Rettungsleiter agieren. Aber auch das funktioniert nicht an allen Stellen.
Komplizierte Rettungswege im Altbau
So wird der Raum gegenüber der Aula beispielsweise nur noch als Lager benutzt. „Wir hatten mal an einen Durchbruch in das daneben gelegene Zimmer gedacht, aber das ist baulich aufgrund des Denkmalschutzes nicht möglich“, sagt die Schulleiterin. Im Untergeschoss müssten aktuell alle durch ein schmales Fenster krabbeln und an einer Stelle sogar erst eine kleine Leiter hochsteigen. „Wir haben einige gehbehinderte Schüler, sie könnten die Leiter gar nicht benutzen“, wirft Christiani in den Raum. Auf der zweiten Etage würde sie sich eine Rettungstreppe wünschen, die über das Dach der Pausenhalle auf den Vorhof der Schule verlaufen könnte. Doch da wartet eine nächste Hürde. Das Dach sowie die komplette Fassade des Neubaus sind PCB-belastet und müssten dringend erneuert werden. Dort kommen zumindest keine Hürden mit Blick auf Denkmalschutz hinzu. Aber es ist ein riesiges Vorhaben, was unheimlich kostspielig wird.
Kleine Erfolge im Neubau
Unter dem Dach der Pausenhalle ist im vergangenen Jahr in einer Ecke ein moderner Sitzbereich entstanden – mit Sitzflächen und Tischen aus Beton mit Filzpolstern. „In der Brandschutzordnung der Stadt sind Möbel verboten. Wir haben dafür so lange gekämpft“, erinnert sich die Schulleiterin. Sie freut sich, dass zudem die Decke mittlerweile mit schalldämmenden Platten und hellem Licht ausgestattet ist. Es sind also immer wieder kleine Schritte auf dem großen Weg. Zum Neubau hin wurde vor einem Jahr eine neue Wand eingezogen und trennt den Bereich des Kiosks ab. An der Außenwand zur Sporthalle hin ist über alle drei Etagen eine Wendeltreppe als Fluchtweg entstanden, seit 2020. „Auch das bedeutete sehr viel hartnäckiges Fragen. Brandschutz wird dringend gefordert, aber Maßnahmen dann nach hinten geschoben“, erzählt Christiani, die als Möglichkeit gegen die Platznot eine vierte Etage im Neubau sieht – allerdings sei die Grundkonstruktion dafür nicht ausgelegt.
Es bleiben viele Baustellen. Die Warteschlange ist lang – so manchmal auch die der Lehrerinnen in den Pausen. Denn im Altbau gibt es für die weiblichen Lehrkräfte nur eine einzige Toilette. Und in der Mensa übrigens nur eine rechtlich vorgesehene für das Personal.
Von Hendrik Steimann