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Hattingen

Gymnasium Waldstraße: Aufwendige Erweiterung für modernes Schulleben

Ein lang ersehntes Baukonzept steht. Sowohl Stadtverwaltung als auch Schulleitung freuen sich. Die Umsetzung wird mehrere Jahre dauern. Mögliche Fördermittel sind beantragt.

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Grafische Darstellung der Sanierung und des Erweiterungsbaus des Architekturbüros

Vor mehr als sieben Jahren kam das Thema Platzmangel am Gymnasium Waldstraße auf. Die Schulleitung um die nun ausscheidende Direktorin Anette Christiani hat sich hartnäckig dafür eingesetzt, etwas zu bewegen. Nach Abschluss eines Architekturwettbewerbs im Dezember 2025 steht nun ein aufwendiges Baukonzept zur Erweiterung, für das sich die Verantwortlichen einstimmig entschieden haben. Es war eins von drei, die in die engere Auswahl kamen – anfangs wurden elf Konzepte eingereicht. Der Start des insgesamt rund 17,5 Millionen teuren Großprojektes wird allerdings noch einige Jahre dauern. Hattingens Baudezernent Jens Hendrix sagt dazu: „Wir sind optimistisch, dass es in diesem Jahrzehnt zur Grundsteinlegung kommt.“
Der Siegerentwurf stammt vom Büro ASP Architekten aus Stuttgart, was schon häufiger neue Schulbauten umgesetzt hat. Für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung, die gemeinsam mit Fachleuten, Vertretern der Kommunalpolitik und der Schulleitung über das Konzept abgestimmt haben, war das Verfahren interessant – selbst wenn der Tag der Entscheidung zehn Stunden lang vor Ort andauerte. „Das Verfahren war sehr wichtig, wir bauen schließlich millionenschwer für die nächsten Schulgenerationen“, merkt Hendrix an. Und: „Man lernt selbst bei jedem Entwurf nochmal etwas dazu.“ Er hatte im Voraus erst ein anderes Konzept als Favoriten, das er aber nicht verraten möchte. Mit im Rennen waren in der letzten Runde noch ein Entwurf des Büros Auer Weber aus München sowie des Dresdener Büros Pussert Kosch Architekten, deren Pläne eine ganze Zeit lang in der Pausenhalle öffentlich einsehbar waren.
Was alle drei gemeinsam haben: Sie setzten auf einen Holz-Hybridbau. Heißt: Im Kern befindet sich Stahlbeton als Grundgerüst sowie Holzskelette, sichtbar nach Außen sind dann Holzkonstruktionen, die optisch modern und luftiger wirken. Eine natürliche Lüftung sowie ein Sonnenschutz und eine Kühlung sind mit vorgesehen. „Diese modulare Bauweise ermöglicht eine schnelle Montage und hohe Präzision“, heißt es im Entwurf mit Blick auf die drei Geschosse, die es wie bisher im aktuellen Neubau aus dem Jahr 1969 sowie im dann komplett neuen Gebäude auf der Schulhoffläche geben soll. Außerdem bekommt die Pausenhalle zwischen Neu- und Altbau eine optische Anpassung. Der denkmalgeschützte Altbau ist nicht von den Maßnahmen betroffen – selbst, wenn dort dringend Sanierungen notwendig wären.

Fördermittel für Neubau der Sporthalle beantragt
Vorgesehen ist dagegen eine neue Dreifachturnhalle mit der gleichen Baustruktur. Sie wird flächenmäßig größer als die aktuelle und wird wirklich dreifach teilbar sein (aktuell gibt es nur eine Trennwand). Die Umkleideräume werden nicht mehr vorgelagert, sondern über zwei Etagen verteilt sein, damit es mehr Sportfläche geben kann. Der Sportunterricht soll nach Fertigstellung komplett am eigenen Standort stattfinden. Finanziell macht die Erneuerung der aktuell schadstoffbelasteten Sporthalle nach aktuellen Schätzungen rund 5,5 Millionen von den veranschlagen 17,5 Millionen aus. Für die Sporthalle hat sich die Stadtverwaltung beim Bundesförderungsprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ angemeldet.
Zwischen den drei Neubauten und dem Altbau wird der Schulhof etwas aufgewertet, mit Begrünung und Sitzflächen. Das aktuelle Kleinspielfeld wird vor den Bereich der Pausenhalle verlegt, Tischtennisplatten dafür versetzt. Auf dem Planungsentwurf wird man stutzig, dass die derzeit an die Pausenhalle angrenzenden Toiletten fehlen. Birgit Sieber, stellvertretende Leiterin der technischen Gebäudewirtschaft der Stadt, beruhigt: „Die rückzubauenden WC-Anlagen werden angrenzend zur Pausenhalle im Erdgeschoss des 70er-Jahre-Baus realisiert.“ Im Neubau auf dem Schulhof wird es eigene sanitäre Anlagen geben. Laut Hendrix sei es insgesamt eine Herausforderung gewesen, nicht nur vernünftige Nutzungsanforderungen der Schule zu bedienen, sondern auch gleichzeitig eine effiziente Bauphase zu ermöglichen. Während der Bauarbeiten wird es übergangsweise – wie aktuell an der Realschule Grünstraße – eine zusätzliche Containerlösung geben, ehe der neue Neubau mit 18 neuen Räumen bezogen werden kann. Platz dafür bietet der Lehrerparkplatz, auch der Parkplatz an der Schulenburg könnte genutzt werden. Zumindest für Stellplätze des Lehrerkollegiums.

Modernes pädagogisches Konzept in Neubau
Sobald der neue Bau auf dem derzeitigen Schulhof steht, wird er bezogen. Er wird mit einem pädagogischen Konzept gestaltet, was „zukunftsorientiert“ ist. Das war vor allem der Schulleitung wichtig. „Es wird keinen klassischen Flur geben, sondern einen größeren Bereich, in dem sich Schüler aufhalten können. Die Unterrichtsräume werden eher quadratisch gehalten und sind an mehreren Stellen lichtdurchlässig“, erklärt Anette Christiani. Sie verweist darauf, dass selbstständiges Lernen besser möglich sein wird. Auf jeder Etage wird es je sechs Räume geben. Die Schulleiterin freut sich sehr, dass sie nach ihren acht Jahren im Amt noch über das Baukonzept mitentscheiden durfte. „Das stimmt mich zufrieden“, sagt sie nach jahrelangem Kampf.
In den Sommerferien werden die ersten vier Containerklassen errichtet. Darin werden vier neue Klassen untergebracht, weil es ab dem kommenden Schuljahr wieder neun Jahrgänge geben wird, da die G8-Zeit ausläuft. Noch ist nicht ganz klar, welche Jahrgänge zum Start in den Containern untergebracht werden. „Es werden auf jeden Fall nicht die neuen fünften Klassen sein, frühestens eine Klasse ab der Mittelstufe“, klärt Christian Quere auf. Die Unterstufe ist seit vielen Jahrzehnten im aktuell bestehenden Neubau untergebracht. In diesem werden künftig alle Fachräume der Naturwissenschaft untergebracht sein – aktuell sind die zwei Chemieräume noch im Kellergeschoss des Altbaus zu finden. Die Räume für Biologie und Physik sind im Neubau zu finden. Dieser wird saniert, nachdem die Klassen nicht nur in den Containern, sondern in dem dann zuerst stehenden neuen Bau auf dem Schulhof untergebracht sind. Denn sonst ist eben kein Platz vorhanden.
Von Hendrik Steimann