Witten

Günnemann-Kotten erhält Fördermittel von NRW-Stiftung

Eigentlich wollte die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, persönlich zum Günnemann-Kotten in Rüdinghausen kommen...

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Die Planungszeichnung gibt einen ersten Eindruck über den neuen Günnemann-Kotten. Entwurf: Detlev Buhlke, Architekt BDA, Bochum

Eigentlich wollte die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, persönlich zum Günnemann-Kotten in Rüdinghausen kommen. Im Handgepäck hätte sie den sehnlich erwarteten Zuwendungsbescheid über Fördermittel mitgebracht. Corona machte auch an dieser Stelle einen Strich durch die Rechnung: Frau Ministerin möchte Abstand halten und stornierte ihren Besuch vorsichtshalber - der Förderbescheid kommt später, die Zusage wurde aber von der NRW-Stiftung zwischenzeitlich in einer Presseerklärung veröffentlicht.
Natürlich ist die Freude vor allem bei Marc Junge riesengroß: „Die NRW-Stiftung hat uns tatsächlich bis zu 265.000 Euro bewilligt und zwar für den Begegnungsraum, Toiletten und dann auch noch für das Fundament und zwei Außenwände des Kottens. Das ist einfach unglaublich!“
Der Günnemann-Kotten steht seit mehr als 350 Jahren an der Brunebecker Straße 98 in Rüdinghausen. Gut zu finden ist das älteste noch erhaltene Gebäude des Ortsteils wahrlich nicht. Der 1668 gebaute, früher stattliche Fachwerk-Bauernhof liegt heute versteckt hinter Bäumen und Büschen und ist, vorsichtig gesagt, in einem sehr renovierungswürdigen Zustand.
Um den leerstehenden alten Kotten, dessen Name auf den Kauf durch den damaligen Pächter Bernhard Heinrich Günnemann im Jahre 1818 für 1300 Taler zurückgeht, wieder ins Leben zurück zu holen, krempelte Marc Junge vor zwanzig Jahren die Ärmel hoch und gründete mit Gleichgesinnten den gemeinnützigen Verein „Günnemann-Kotten e.V.“ Ziel der Gruppe: Gebäude und Grundstück als Kulturerbe der spezifischen bäuerlichen Prägung der Gemeinde Rüdinghausen zu erhalten. „Der Günnemann Kotten soll aber kein Ort der Idylle werden, sondern eine Begegnungs- und Kommunikationsstätte, wo wir Themen wie Geschichte, Natur und Klima ansprechen und diskutieren können“, erklärt Marc Junge, der den Verein von Anfang an als 1. Vorsitzender führt.
Zuerst Kauf, dann Ausbau
Nachdem der Kauf des Günnemann-Kottens mit Hilfe von ortsansässiger Spendern gestemmt wurde, arbeitete ein Architekt ehrenamtlich die Zeichnungen und Planungen für den Erhalt des Gebäudes aus. Für die Bauarbeiten sind Kosten im hohen sechsstelligen Bereich veranschlagt. Einen ersten großen Schritt in Richtung Finanzierung nahm der Verein im Sommer durch den von dem SPD-Bundestagsabgeordneter Ralf Kapschak unterstützten Antrag auf Fördermittel des Denkmal-Sonderprogramms der Bundes. Heraus kam eine Zusage über 350.000 Euro.
Wie eine Bühne zum Innenhof
Mit dem jetzt von der NRW-Stiftung unter Vorsitz von Eckhard Uhlenberg beschlossenen Zuschuss sollen die Pläne für die Anbauten von Architekt Detlef Buhlke, Statiker Stephen Boryor und dem angehenden Architekten Yannis Kulosa Wirklichkeit werden. Die Beschreibung klingt vielversprechend: „Aufgrund seiner zentralen Lage neben dem Kotten und dem unmittelbar angrenzenden innenhofähnlichen Außenbereich wird der Begegnungsraum zum zentralen Ort des Projektes. Seine trapezförmige Grundrissform öffnet sich wie eine Bühne zum Innenhof. Die ultimative Idee des Architekten- und Statiker-Teams ist, den großen Raum mit einem schwebenden Dach zu überspannen. Ziel ist es, mit der filigranen und zurückhaltenden Dachkonstruktion und der Glasmembran den Blick auf den Kotten frei zu halten und so die zentrale Stellung des Denkmals zu betonen.“ dx