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Hattingen

Gottesdienst in Welper fand im „Stall von Bethlehem” statt

Zusammen mit Stadtarchivar Thomas Weiß besuchen wir in der Serie „Historische Orte“ alte Gebäude und Plätze. Thema heute: der „Stall von Bethlehem“ in Welper.

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Der „Stall von Bethlehem“ in Welper: die Notkirche St. Josef.

Im 19. Jahrhundert war Welper noch ein kleines verschlafenes Hattinger Örtchen mit viel Landschaft. 1843 lebten hier gerade einmal 230 Einwohner. Das änderte sich mit dem Bau der Henrichshütte 1854. Aus dem ganzen Reich kamen damals Menschen, um auf der Hütte zu arbeiten. Viele von ihnen zogen nach Welper. 1900 lebten hier schon 2500 Menschen, 25 Jahre später war die Einwohnerzahl auf fast 6000 gewachsen. Auch kirchlich ging es bergauf. 1818 gab es in Welper drei Katholiken, 1914 waren es bereits 2372.

Noch kein Geld für eine „richtige“ Kirche
Mit der wachsenden Zahl der Einwohner und der Kirchgänger wuchs der Wunsch nach einer katholischen Kirche. Unter den Einwohnern wuchsen aber beide Konfessionen. Die ersten Planungen für eine katholische Kirche gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg, doch das Geld war knapp. Aus den Überresten der Baracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers der Henrichshütte entstand deshalb zuerst 1919 der sogenannte „Stall von Bethlehem“, die erste katholische Kirche in Welper. Auch die Glocke wurde von der Hütte zur Verfügung gestellt. Am Palmsonntag, 13. April 1919, wurde die Notkirche unter Vikar Josef Kleff feierlich eingeweiht. Sie lag übrigens gegenüber des heutigen Paul-Gerhardt-Hauses. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Bemühungen für eine neue Kirche fortgesetzt.

DIE SERIE: HISTORISCHE ORTE
Die katholische Gemeinde wuchs weiter und das Bestreben nach einem „richtigen“ Gotteshaus wuchs ebenso. Die zwanziger Jahre waren geprägt von neuen Bauten, später aber auch von großer Inflation. 1924 entstand in Welper die moderne Horstschule, im gleichen Jahr wurde für die evangelischen Gläubigen dann das Paul-Gerhardt-Haus errichtet. Es steht bis heute und ist ein Ort lebendigen Gemeindelebens. In den Jahren 1927 und 1928 wurde in Welper das Gemeindeamt errichtet. 1928 folgte der Spatenstich der katholischen Kirche St. Joseph nach Plänen des Architekten Prof. Metzendorf an der heutigen Stelle der Kirche an der „Spitze” von Marx- und Thingstraße. Ein Jahr später war sie schon bezugsfertig. Die Inneneinrichtung der Kirche ist ein einmaliges Bekenntnis zur „Arbeitswelt Stahl“: Brammen bilden den Altar; auch Taufbecken, Tabernakel und Kreuzwegbilder wurden nach Entwürfen von Egon Stratmann in der Lehrwerkstatt der Henrichshütte aus Stahl und Edelstahl gefertigt. Geöffnet in der Regel: samstags von 16 bis 18 Uhr.
1939 wurde die alte Notkirche abgerissen – zuletzt war dort ein Kindergarten untergebracht. Unter anderem ist es Friedhelm Gerlach zu verdanken, dass die Kirchengeschichte von St. Joseph in Welper aufgearbeitet und im Stadtarchiv zur Verfügung steht. 
Der gesamte Gebäudekomplex mit dem Pfarrhaus wurde erst in den fünfziger Jahren fertiggestellt. Eigene Kraft und eigene finanzielle Mittel flossen in den Bau. 1955 wurde St. Joseph eine eigene Pfarrei.

Team Exercitia in St. Joseph seit 2024
So wie damals steigende Einwohnerzahlen für die Errichtung des Gotteshauses sorgten, sind es die sinkenden Zahlen der Kirchenmitglieder, die aktuell die gegenteilige Entwicklung dokumentieren. Seit 2014 hat St. Joseph zusammen mit Blankenstein keinen festen Pfarrer mehr. Damals wurde Enzio Grunert versetzt. Hintergrund war, dass nur noch 2400 Gläubige zu verzeichnen waren. IMAGE hat auch bereits über den andauernden Pfarrentwicklungsprozess berichtet, der nicht nur die Kirchengemeinden in Hattingen vor große Herausforderungen stellt. Der Rotstift des Bistums wird überall spürbar – sei es durch Aufgeben oder Zusammenlegen von Kirchen, Gemeindehäusern oder anderen Einrichtungen. St. Joseph bleibt bis 2030 als Kirche erhalten. Und noch mehr: Seit Mai 2024 ist das Team Exercitia in St. Joseph angekommen. Die Räume in der St.-Josef-Straße 2 sind das neue sprituelle Zentrum des Bistums Essen für Meditation und geistliche Übungen. Unter www.team-exercitia.de finden Interessierte jetzt ein umfangreiches Programm mit Oasentagen, Medtiationskursen, Exerzitien, Besinnungstagen und vielem mehr. Von Dr. Anja Pielorz