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Hattingen

Gegen Einsamkeit hilft Gemeinsamkeit

„Hattingen wandert“ meets „med in Hattingen“ - Vortrag zur Einsamkeit.

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Dr. Bernhard Kis, Chefarzt, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern, Contilia, und seit 1.2023 stv. Ärztlicher Direktor, Katholische Kliniken Ruhrhalbinsel gGmbH, Contilia. Sporttherapeutin Iris Elbers arbeitet in Hattingen bei der ambulanten Rehabilitationsklinik Ortho-Mobile Hattingen .
Foto: Klinik/Ortho Mobile

Am Mittwoch, 10. September, 18 Uhr, gibt es einen neuen Termin aus der Reihe „med in Hattingen: Gesundheitsforen“. Es geht diesmal in Kooperation mit „Hattingen wandert“ um das Thema „Einsamkeit begegnen“. 
Es referieren: Priv.-Doz. Dr. med. Bernhard Kis, St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern, und Iris Elbers, Ortho-Mobile Hattingen. Die Veranstaltung findet im Veranstaltungsraum Bahnhofstraße 18a statt. Eine Anmeldung zum Termin ist über die Volkshochschule unter 02324/204-3513 (-3512 oder -3511) erforderlich. Die Veranstaltung ist kostenfrei. 
Einsamkeit zählt zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Einsamkeit ist gesundheitsschädlich. Die damalige Bundesfamilienministerin Lisa Paus hat im Juni 2022 auf der Konferenz „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ das Startzeichen für die Erarbeitung einer Strategie gegen Einsamkeit gegeben. So sollen die Öffentlichkeit, Betroffene und Angehörige zum Thema sensibilisiert und über Hilfsangebote informiert werden. Doch was ist überhaupt Einsamkeit? Das Kompetenznetzwerk Einsamkeit bietet diese Definition an: Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl, bei dem die eigenen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Zum Beispiel kann Einsamkeit für manche einen empfundenen Mangel an engen, emotionalen Bindungen bedeuten. Für andere entsteht Einsamkeit, wenn sie weniger Kontakt zu anderen Menschen haben, als sie es gerne möchten. Das Kompetenznetz Einsamkeit ist ein Projekt des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt.
Einsamkeit ist nicht zu verwechseln mit dem Alleinsein. Das kann durchaus auch selbstgewählt und positiv besetzt sein. Wenn man beispielsweise einen Rückzug für sich benötigt oder gerne alleine etwas unternehmen möchte oder ein Buch lesen will. Während das Alleinsein ein sichtbarer Zustand ist, handelt es sich bei Einsamkeit um ein subjektives Gefühl. Problematisch wird Einsamkeit dann, wenn sich das Gefühl der Einsamkeit verstetigt und mit einem dauerhaften Leidensdruck einhergeht. Chronische Einsamkeit macht nicht nur unglücklich, sondern ist mit einer Vielzahl an körperlichen und psychologischen Erkrankungen verbunden.
Was hat das alles mit Wandern und Bewegung zu tun? Viel – denn gemeinsame Aktivität sowie ehrenamtliches Engagement im Verein sind wirksame Gegenmittel.
Wandern ist dabei viel mehr als in der Natur unterwegs sein. Der Deutsche Wanderverband ist einer der ältesten Naturschutzverbände Deutschlands. Das Engagement seiner Mitglieder reicht vom Bienenschutz über die Pflege von Streuobstwiesen bis zu spannenden Bildungsangeboten. Die große Mehrheit der Wanderbegeisterten sind laut Statistik nicht alleine unterwegs. Mindestens eine Person ist dabei, oft aber auch eine kleine Gruppe. Ein Freundes- und Bekanntenkreis aus ähnlichem sozialen Umfeld steht für manche Wanderfreunde bereits fest, andere wiederum suchen und finden in der Wandergruppe Anschluss und neue Freunde und damit ein Rezept gegen die Alltagseinsamkeit.

Gemeinsam in Bewegung kommen und bleiben
Das gilt natürlich nicht nur für das Wandern. Bewegung in Gruppen fördert nicht nur die Gesundheit und die Motivation, sondern schafft auch eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig inspiriert und unterstützt. Sie sind eine wichtige Plattform für soziale Interaktionen und Gemeinschaftsbildungen und lassen im Umgang mit Gleichgesinnten neue Freundschaften entstehen. Ein großer Vorteil, wenn man allein ist, hier auf Menschen zu treffen, die das gleiche Angebot interessiert und die mitmachen wollen. So ergibt sich gleich ein erstes lockeres Gesprächsthema. Der Gesundheitssportverein ortho-mobile e.V. beispielsweise wurde 1999 in Hattingen gegründet und bietet inzwischen über 1500 Rehasportlern und Aktiven ein sportliches Zuhause. Hier besteht die Möglichkeit, ärztlich verordneten Rehabilitationssport durchzuführen. Diejenigen, die nicht mehr so mobil sind, finden heute eine Vielfalt von Möglichkeiten und Kursen. Wer bereits älter ist und in seiner Freizeit nicht genau weiß, was er machen kann, findet über die Seniorenbüros der jeweiligen Städte kompetente Ansprechpartner. 
Ein relativ neues Angebot in Sprockhövel ist im Stadtteil Niedersprockhövel auf der Hauptstraße die Da capo Kontaktschmiede. Für jedermann und -frau geöffnet am Mittwoch & Donnerstag: 9 – 20 Uhr, Freitag & Samstag: 9 – 21 Uhr und Sonntag 9 – 15 Uhr. Billard, Dart, Kicker und Klönen geht hier immer, aber es gibt auch noch mehr: von Mittwoch bis Sonntag von 9 – 12.30 Uhr gibt es ein leckeres „Plauder – Frühstück“. Mittwochs von 15 – 17 Uhr findet der offene Seniorentreff – Spiel, Spaß, Klönen, Zusammensein – statt. 
Jeden ersten Montag im Monat treffen sich Menschen mit Trauer- und Verlust-Themen um 17.30 Uhr in der Kontaktschmiede zum „Couchgeflüster“. Jeder ist immer willkommen, der sich mal einiges von der Seele reden möchte. 
Jeden ersten Donnerstag im Monat wird ab 16.30 Uhr ein „Cafe-Inklusion“ angeboten, für Menschen mit Handicaps. Hier wird gespielt, gelacht, sich ausgetauscht und man hat eine gute Zeit zusammen. Jeden 2. Donnerstag im Monat öffnet um 16.30 die Bastel- und Kreativ-Werkstatt und hier kann man gemeinsam kreativ sein. Jeden letzten Donnerstag gibt es einen Stammtisch für Bogenschützen ab 17 Uhr. Jeder ist willkommen. Denn gegen Einsamkeit hilft Gemeinsamkeit!
von Dr. Anja Pielorz