Seit siebzig Jahren gibt es Wasserspaß an der Bleichwiese. Die Besucher lieben das idyllische Bad.
Ein Blick auf das Nichtschwimmerbecken im Sprockhöveler Freibad.
Wo sich früher Bleichteich und Bleichwiese befanden, eröffnete die Gemeinde Niedersprockhövel 1956 ihr Freibad. 600.000 DM wurden investiert, für damalige Zeiten eine sehr hohe Summe, die neben Eigenmitteln mit Krediten und Fördergeldern finanziert wurde. Das Interesse am Schwimmsport stieg ständig und das Freibad war ein Symbol für den wirtschaftlichen Aufschwung der kleinen Gemeinde. Das Baden in der Ruhr war übrigens zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren wegen krankheitserregender Keime verboten. Die Badeanstalt entstand auf einer Fläche von 1,7 Hektar und bot eine Wasserfläche von 1200 Quadratmetern. Außerdem gab es eine große Liegewiese.
Gespeist wird das Freibad noch heute durch Quellwasser, abgeleitetem Grubenwasser der ehemaligen Zeche Frosch, und erst vor kurzem bescheinigte ein Gutachten die sehr gute Wasserqualität.
Schon ein Jahr nach der Eröffnung fanden in Sprockhövel die ersten Schwimmmeisterschaften des Westfälischen Turnerbundes statt. 1959 wurde an gleicher Stelle das erste Bundesschwimmfest des Deutschen Turnerbundes veranstaltet – eine logistische Herausforderung für die kleine Gemeinde.
Jahrzehntelang war der Wasserspaß an der Bleichwiese Garant für unbeschwerte Sommer. Doch auch in Sprockhövel wurden die klammen Kassen zu einer Gefahr für das Freibad. Mittlere sechsstellige Summen waren nicht selten als Zuschuss aus dem Stadtsäckel notwendig, um das Bad zu erhalten. Die Diskussion um die „freiwillige Leistung“ lebte auf. Ende August 1994, kurz vor dem Ende der Badesaison, wurde der aktive Kreis der Freibadbenutzer darüber informiert, dass die Schließung des Freibades drohte. Die Idee der Stadtverwaltung war es, das zentral gelegene Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen und mit dem Erlös finanzielle Engpässe auszugleichen.
Das war die Geburtsstunde vom Freibadförderverein. Zum Gründungsvorstand gehörten Beate und Jochen Vohwinkel, Dorette und Willy Pickard, Petra und Michael Schellhoff und Ulrich Pätzold-Jäger. Erste Aktion war das Bekanntmachen des Vereines auf dem Sprockhöveler Stadtfest und kurz danach hatte man 350 neue MItglieder. Heute sind es mehr als 600, die sich für den Erhalt des Sprockhöveler Freibades einsetzen.
Das Freibad ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber die Stadtspitze – allen voran Bürgermeisterin Sabine Noll – steht heute uneingeschränkt zum Erhalt des Bades. Aber: ein vor kurzem in Auftrag gegebenes Gutachten weist auf den veralteten Zustand der Becken und das sanierungsbedürftige Rohrleitungssystem hin. Auch die Barrierefreiheit ist ein Thema. Das Gutachten kommt auf eine Summe von etwa 5,5 Millionen Euro. Im Idealfall können davon 45 Prozent aus Fördertöpfen kommen. Außerdem hofft man, dass die Sanierung Einsparpotenziale bei den Betriebs- und Energiekosten bringt.
Um die notwendige Sanierung stemmen zu können, nimmt die Stadt Sprockhövel am Interessenbekundungsverfahren des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ 2025/2026 teil. Man hofft auf einen Zuschlag. Gutachter, Verwaltung und Politik gehen von einer Bauphase zwischen September 2028 und Juni 2029 aus. Gerne würde man in 2029 eine zumindest verkürzte Freibadsaison mit einem sanierten Bad anbieten. Für den hochengagierten Freibadförderverein war das Gutachten in Summe eine positive Nachricht, ist doch damit ein klares Ja zum Erhalt des Freibades verbunden.
Los geht die Saison 2026 am 1. Mai. Marcel Beckers, Vorsitzender vom Freibadförderverein, erzählt: „Aufspielen wird live die Gruppe StolBerk. Es wird Bungee-Trampolin geben, Beach-Volleyball, natürlich Essen und Trinken und hoffentlich gutes Wetter.“ Öffnungszeiten sind Di - So von 9 bis 20 Uhr; Mi und Fr gibt‘s Frühschwimmen ab 7 Uhr. Montag geschlossen (außer Pfingsten und Sommerferien). Freier Eintritt für Schulkinder in den Sommerferien.
Von Dr. Anja Pielorz