Michael Ebel ist ehrenamtlicher Denkmalpfleger in Sprockhövel.
Michael Ebel
Bereits in § 1 des „Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler“ wurde 1980 für NRW festgeschrieben, dass Denkmäler im Rahmen des Zumutbaren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Die Liste der Baudenkmäler in Sprockhövel umfasst derzeit sechzig Objekte. Als untere Denkmalbehörde kann die Stadt Sprockhövel mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ehrenamtliche Denkmalschutz-Beauftragte bestimmen. Mit dieser Aufgabe ist Michael Ebel (72) seit 2015 betraut. Gerade eben wurde er zum dritten Mal für weitere fünf Jahre bestellt. Er übernahm die Aufgabe nach dem Tod von Erich Schultze-Gebhardt und organisiert auch den „Tag des offenen Denkmals“.
Der „Tag des offenen Denkmals“ findet mittlerweile in allen 50 Vertragsstaaten des Europäischen Kulturabkommens jeweils am 2. Sonntag im September statt. In diesem Jahr ist es der 13. September und anlässlich des 50-jährigen Jubiläums vom Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel ist die Heimatstube in Niedersprockhövel das „offene Denkmal“.
Michael Ebel ist gelernter Bau- und Wirtschaftsingenieur und hat ein Faible für alte Gebäude. Vor allem die Backsteinarchitektur hat es ihm angetan und bei zahlreichen Fahrten nach Norddeutschland schaut er sich gerne die alten Gemäuer an. Viele von ihnen stehen unter Denkmalschutz. „Beim Denkmalschutz unterscheidet man zwischen Gebäuden, Bodendenkmälern, Kunst- und Naturdenkmälern sowie immateriellem Kulturgut. Zu den Bodendenkmälern gehört in Sprockhövel beispielsweise einer der ältesten Wasserlösungsstollen des Ruhrbergbaus, der Stock und Scherenberger Erbstollen in der Helsbergstraße, der nach den Gewerken Stock und Scherenberg und ihrer gleichnamigen Zeche benannt wurde und auf einigen Metern für Besucher als Besucherbergwerk zu besichtigen ist. Zum immateteriellem Kulturgut gehört die Fahne vom Löschzug Gennebreck. Die meisten Denkmäler in Sprockhövel sind aber Gebäude und davon gibt es in Sprockhövel etwa sechzig. Dazu zählen der Malakowturm der Zeche Alte Haase, der Schultenhof (Foto unten), die evangelischen Kirchen in Niedersprockhövel und Herzkamp, Haus Heine, das Gebäude vom Gasthaus Dorfkrug, der ehemalige Bahnhof Schee, das Geburtshaus von Mathilde Franziska Anneke an der Wittener Straße 131 in Hiddinghausen sowie das Wohnhaus der Hofanlage Unterste Pöting von Wilhelm ,Kuxen-Wilm‘ Hiby an der Kreftingstraße 1 in Obersprockhövel“, erklärt Michael Ebel.
Zuständig ist er in seinem Ehrenamt für das ganze Sprockhöveler Stadtgebiet. „Früher gab es noch Aufteilungen. Da hat Ludger Haverkamp noch Niedersprockhövel betreut und Erich Schultze-Gebhardt den Rest. Seit ich das Amt ausübe, mache ich allerdings das ganze Gebiet. Ich habe mich damals beworben und kann mich erinnern, dass ich sogar noch ein Vorstellungsgespräch beim damaligen Beigeordneten Bernd Woldt im Rathaus hatte.“
Organisation vom Tag des offenen Denkmals
Sein Amt ist ein niederschwelliges Angebot der Stadt Sprockhövel für alle, die erste Fragen zum Denkmalschutz haben, und dem Geschäftsbereich von Susanne Görner zugeordnet. Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Sprockhövel berät in allen Fragen im Zusammenhang mit Denkmalschutz und Denkmalpflege. Insbesondere ist sie zuständig für Eintragungen in die Denkmalliste, denkmalrechtliche Erlaubnisverfahren, für die Ausstellung von steuerlichen Bescheinigungen gemäß Einkommenssteuergesetz sowie die Erteilung von Zuschüssen. Die Obere Denkmalbehörde ist beim Ennepe-Ruhr-Kreis angesetzt, die Oberste Denkmalbehörde beim Landesministerium in Düsseldorf. Die Unteren und Oberen Behörden treffen ihre Entscheidungen in Absprache mit dem zuständigen Landschaftsverband (Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen). Erster Ansprechpartner für jemanden, der sich in diesem Behördenwust nicht auskennt, ist in Sprockhövel aber Michael Ebel. „Wer zum Beispiel in einem denkmalgeschützten Haus lebt und renovieren möchte, muss bestimmte Dinge einhalten. Manchmal bekomme ich von der Bevölkerung auch Hinweise, dass sich irgendwo an einem Gebäude oder in seinem Umfeld baulich gerade etwas verändert und man möchte wissen, ob das erlaubt ist. Ich schaue mir das an, aber in der Regel ist das im Kontakt mit Fachbehörden geregelt. Das Wichtigste ist für mich die Planung vom Tag des offenen Denkmals. Hier ist der Heimat- und Geschichtsverein, in dem ich auch Mitglied bin, in die Planung eingebunden. Wenn Denkmäler privat bewohnt werden, ist es oft nicht einfach, die Erlaubnis zu bekommen, an diesem Tag im September mit Menschen das Objekt anzusehen.“
Nicht selten ändern sich Eigentumsverhältnisse durch den Tod des Eigentümers. So war das auch an der Wittener Straße 131 in Hiddinghausen. Das etwa um 1750 errichtete Gebäude war ursprünglich das Sommerhaus des Gutes Oberlevringhausen. Bekannt wurde es als Geburtshaus der späteren Frauenrechtlerin Mathilde Anneke und heute gehört es der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die das Objekt geerbt hat. Auch hier hat Michael Ebel mit Interessierten am Tag des offenen Denkmals 2023 bereits einen Blick auf das Objekt geworfen.
Michael Ebel weiß aber auch: „Wenn der Eigentümer des Denkmals kein Interesse daran hat, wird es auf Dauer schwierig. Schließlich muss man auch Geld investieren. Wird ein Denkmal privat bewohnt oder öffentlich genutzt, sind Fragen wie Photovoltaik-Anlagen oder Brandschutz moderne Themen unserer Zeit.“
Neben Gebäuden können sogar Freibäder unter Denkmalschutz gestellt werden. Das ist in der Nachbarstadt Hattingen der Fall. 2004 wurde das Freibad Welper wegen seiner geschwungenen Form unter Denkmalschutz gestellt. „Ich glaube, man kann Gegenwart und Zukunft nur durch das Wissen der Vergangenheit verstehen und deshalb ist es wichtig, prägende Bau- oder Naturobjekte zu bewahren, die diese Geschichte erzählen können. Ein leeres und ungenutztes Denkmal bringt uns nichts. Ein Denkmal muss genutzt werden, damit es seinen Stellenwert erfüllen kann. Etwas wird zum Denkmal, wenn es von Menschen geschaffen wurde, älter und von geschichtlicher, künstlerischer, städtebaulicher, wissenschaftlicher oder volkskundlicher Bedeutung ist. Seine Erhaltung muss im öffentlichen Interesse liegen.“
Sein Wunsch für die Zukunft und für seine dritte Amtsperiode: „Denkmalpflege sollte einen höheren Stellenwert einnehmen. Denkmäler sind Zeugen ihrer Zeit und verleihen einer Stadt Charakter und Seele.“
Von Dr. Anja Pielorz