Privater Veranstalter macht es 2026 nicht mehr.
Zur letzten Ratssitzung 2025 legte die Stadtverwaltung relativ spät eine Vorlage zu Veranstaltungen vor, die sich inhaltlich vor allem auf das Stadtfest in Niedersprockhövel bezog. „Ein Stadtfest beeinflusst das Image einer Stadt, indem es als Schaufenster für Kultur, Gemeinschaft und Wirtschaft fungiert. Es dient als wichtiges Marketinginstrument, um die Stadt als lebenswert, dynamisch und attraktiv für Einwohner, Tourismus und potenzielle Investoren zu positionieren“, heißt es in der Vorlage. Daher sei es notwendig, dass ein solches Fest positiv und integrativ wahrgenommen werde. In der Ratssitzung führte Bürgermeisterin Sabine Noll aus, man habe bezüglich des letzten Stadtfestes eine Reihe mündlicher und schriftlicher Beschwerden sowie eine Unterschriftenliste erhalten. Dies habe man zum Anlass genommen, tätig zu werden und dem Rat einen Beschluss für die Zukunft des Festes vorzulegen. Unterstützt wurde die Bürgermeisterin in der Sitzung von einer breiten politischen Mehrheit. Ausdrücklich verwies Wolfram Junge (SPD) in seinem Wortbeitrag darauf, dass es sich nicht um einen Antrag von CDU/Grüne handeln würde, sondern um einen Verwaltungsvorschlag, der die Unterstützung der Sozialdemokraten hätte.
Das soll die neue Satzung regeln
In der Verwaltungsvorlage heißt es weiter: „Nachdem das Stadtfest in der Vergangenheit regelmäßig durch die Wirtschaftliche Interessengemeinschaft Sprockhövel e.V. (WIS) durchgeführt wurde, erfolgt die Organisation und Durchführung seit dem Jahr 2023 durch einen privat geführten Verein (2022 wurde es von der Stadt durchgeführt) ... Um zu verhindern, dass das Stadtfest von negativen Ereignissen überschattet wird und damit dem Image der Stadt schadet, sollen durch eine Satzung die Vergabekriterien und der Prozess der Vergabe transparent dargestellt und geregelt werden. Diese soll dafür sorgen, dass die hiesigen Vereine, der lokale Einzelhandel und die beiden Kirchen eng einbezogen werden, der Eröffnungsgottesdienst wieder stattfindet, lokale Bands, Chöre, Kindergärten und Schulen berücksichtigt werden, sowie politische (Wahl-) Werbung verboten wird. Solange die Satzung noch nicht beschlossen ist und Rechtsgültigkeit erlangt hat, soll das Stadtfest in den Händen der Stadt liegen, die einen Dritten mit der Durchführung des 3-tägigen Stadtfestes 2026 beauftragen wird.“
Hintergrund ist die Durchführung des Stadtfestes durch den privaten Verein Da capos Projektschmiede. Dreimal hatte Frauke Schittek mit ihrem Team das Stadtfest organisiert und durchgeführt, nachdem sich 2023 niemand gefunden hatte, der die Kosten und das Risiko tragen wollte, aber auch nicht die ehrenamtliche Organisation übernehmen mochte. Frauke Schittek ist in Sprockhövel keine Unbekannte. Sie gründete die Kindertageseinrichtung KAZ, ist seit dreißig Jahren mit ihren Chören fester Bestandteil vieler Sprockhöveler Veranstaltungen und hat mit der „Kontaktschmiede“ auf der Hauptstraße in Niedersprockhövel einen Mehrgenerationentreffpunkt geschaffen, der gut angenommen wird. In die Kritik bei der Durchführung des Stadtfestes 2025 war sie geraten, weil sie dem parteilosen Bürgermeisterkandidaten Gelegenheit für einen Informationsstand sowie eine Plakatierung auf seinem landwirtschaftlichen Gerät zur Sicherheitsabsperrung der Hauptstraße bot. In der Vergangenheit war es stets informeller Konsens aller Parteien gewesen, dass Politik auf einem Stadtfest nichts zu suchen habe. Zwar waren alle Vertreter politischer Parteien in 2025 – das Stadtfest fand ausgerechnet am Wochenende der Kommunalwahlen NRW statt – auf der Partymeile unterwegs, aber nicht mit einem Infostand vertreten.
Vor diesem Hintergrund soll nun eine Satzung erarbeitet werden, die die Vergabe des Stadtfestes sowie weiterer Großveranstaltungen verbindlich regelt. Die Beschlussfassung einer solchen Satzung obliegt dem Rat. Die Kosten für die verschiedenen Veranstaltungen sollen in einen Veranstaltungsbudget zusammengefasst werden, um einerseits eine Flexibilität bei den Veranstaltungen untereinander zu gewährleisten und auch mögliche weitere Anforderungen für Großveranstaltungen wie z.B. für den Nachtschlag abdecken zu können. Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoreneinnahmen. Das allgemeine Veranstaltungsbudget liegt bei 127.000 Euro. „Die Deckung für das Haushaltsjahr 2026 erfolgt in Höhe von 72.000 Euro über Einnahmen.Berücksichtigt man den bereits genehmigten Ansatz von 20.000 Euro bleibt ein Rest in Höhe von 35.000 Euro, der durch Minderausgaben bei den Zinsen finanziert werden soll.“ Diese Mittel stellte der Rat per Beschluss überplanmäßig zur Verfügung. Die Deckungslücke könnte sich durch weitere Sponsoren verringern.
Frauke Schittek spricht von Rachefeldzug
Bei der Ratssitzung vor Ort war auch Frauke Schittek, die gleich zu Beginn in der Einwohnerfragestunde nachhakte, ob ihre Informationen richtig seien, dass sie das Stadtfest 2026 nicht mehr ausrichten solle, obwohl Vorbesprechungen mit der Stadtverwaltung bereits stattgefunden hätten und die Anmeldungen liefen. Schriftlich hatte Schittek noch vor der Ratssitzung von einem „schwarz-grünen Rachefeldzug“ gesprochen. In einem Schreiben, dass der IMAGE-Redaktion vorliegt, erhebt Schittek weitere Vorwürfe, adressiert an Politik und Verwaltung. Sie fühle sich insbesondere von der CDU und den Grünen in ihrer Arbeit boykottiert, werde als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe nicht in den Jugendhilfeausschuss eingeladen und ihre Veranstaltungen würden im Gegensatz zu anderen Terminen auch nicht über die sozialen Medien der Stadt Sprockhövel bekannt gemacht. Sie bemängelt Ungleichbehandlung und fehlende Kommunikation.
Von Dr. Anja Pielorz
Kommentar
Das letzte Stadtfest hat Konsequenzen. Für die Stadt und für den privaten Veranstalter. Die Stadt muss nun eine Satzung erarbeiten, in der die Inhalte für ein solches Fest geregelt werden. Bisher war so etwas nicht notwendig. Und sie muss einen Dritten finden, der die Veranstaltung durchführt. Das war auch 2022 nach der Auflösung der Wirtschaftlichen Interessengemeinschaft WIS der Fall. Damals standen die Bewerber nicht gerade Schlange, sodass die Stadt das Fest 2022 selbst durchführte, bevor 2023 mit Ach und Krach Frauke Schittek und die Da capo Projektschmiede gewonnen werden konnte. 2023 und 2024 lief das Fest offenbar reibungslos. 2025 wurde der informelle Konsens, keine Politik auf dem Stadtfest zuzulassen, nicht beachtet. Auch die Rolle der Kirchen wurde mindestens zurückgedrängt, der traditionelle Eröffnungsgottesdienst fand nicht mehr statt. Letzteres hätte es übrigens fast schon einmal gegeben, als Christoph Bremkamp Vorsitzender der WIS war. Doch durch die Proteste im Vorfeld ließ er die Überlegung wieder fallen.
Der informelle politische Konsens ist nicht niedergeschrieben, aber Verantwortlichen in der Durchführung von Veranstaltungen auf Stadtgebiet bekannt. Wie zahlreich die Bürgerproteste wirklich waren, vermag ich nicht zu beurteilen. Es gab sie aber. Während Frauke Schittek die Stadtfest-Besprechung nach der Veranstaltung auch als Hinweis auf 2026 interpretierte, sah die Stadt darin nur eine Nachbesprechung zu 2025 ohne Anspruch auf die Durchführung 2026. Diese liegt nun nicht mehr in den Händen der Da capos Projektschmiede. Wer es aber machen wird, scheint zumindest nach außen bisher noch offen zu sein. Dr. Anja Pielorz