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Witten

Dirk Leistner will bewegen und informieren: „Ich bin häufig als Diplomat unterwegs“

Wittens Bürgermeister setzt in seinem Amt auf Austausch, Transparenz und Fortschritt.

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BM Dirk Leistner

IMAGE: Sie kommen selbst aus der Verwaltung. Wobei haben Sie sich schnell zurechtgefunden und in welchem Fachgebiet brauchen Sie noch etwas Zeit?
LEISTNER: Mir hilft meine langjährige Verwaltungserfahrung. Ich weiß, wie eine Verwaltung aufgebaut ist. Wenn man eine gute Verwaltung haben möchte, braucht es eine gute Informationspolitik, eine klare Führung und eine strukturierte Herangehensweise. Diese Eigenschaften werden mir zugeschrieben. Von Anfang an habe ich das Gespräch mit Mitarbeitenden, Führungskräften und dem Personalrat gesucht. Mir ist wichtig, auch die Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, die direkt „am Bürger“ arbeiten. In den ersten drei Monaten habe ich vor allem zugehört und den Austausch innerhalb der Verwaltung gesucht, ebenso mit der Wirtschaft, mit Bürgerinitiativen und im Rahmen der Bürgersprechstunde mit Wittenerinnen und Wittenern. Ich lerne jeden Tag dazu, zum Beispiel in der Bauverwaltung, mit der ich in meinem bisherigen Berufsleben weniger Berührungspunkte hatte, die aber mit Blick auf Investoren und Bürgerinnen und Bürger, die bauen wollen, sehr wichtig ist.

IMAGE: Wobei von dem, was Sie sich vorgenommen haben, wird es die ersten Ergebnisse geben?
LEISTNER: In der kurzen Zeit ist bereits viel passiert. Ich stand im intensiven Austausch mit zahlreichen Akteuren, etwa mit Unternehmen wie ZF, Citybäcker oder dem Eigentümer der Galeria-Kaufhof-Immobilie – um nur drei Beispiele zu nennen. In meiner Position ist ein gutes Netzwerk entscheidend. Dieses baue ich derzeit auf und finde mich dabei gut zurecht. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zählen. So haben wir den Weg vom Mitarbeiterparkplatz zur Wittener Werkstadt beleuchtet und den Heckenwildwuchs zurückgeschnitten. Die Beschäftigten tappen nicht mehr im Dunkeln und fühlen sich sicherer. Im Nordflügel des Rathauses informiert nun ein Bildschirm im Eingangsbereich unsere Bürgerinnen und Bürger schneller und besser. Wir haben am Hohenstein eine Beschilderung, die dazu führt, dass die Leute vom Parkplatz immer falsch geleitet werden. Dort möchte ich eine neue Beschilderung anregen. Außerdem verfolge ich aufmerksam den Mängelmelder, um mir ein genaues Bild davon zu machen, wo es in der Stadt hakt.

IMAGE: Was sich länger zieht, sind Straßensanierungen: die Herbeder Brücke, die Sprockhöveler Straße oder die Vormholzer Straße. Inwiefern können Sie als Stadtoberhaupt Druck ausüben und welche Rolle nehmen Sie in solchen Prozessen ein?
LEISTNER: Ich bin häufig als Diplomat unterwegs. Gerade der Neubau der Herbeder Brücke bringt viele Einschränkungen mit sich. Das Leben der Menschen ist spürbar betroffen, deshalb gehe ich mit viel Fingerspitzengefühl vor und suche gemeinsam nach Lösungen. Wir stehen im ständigen Dialog mit Straßen.NRW, um die Menschen in Herbede und insbesondere den Arbeitskreis über den aktuellen Stand zu informieren. Ich stehe für Transparenz, nehme die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst und suche den Dialog, um für alle Beteiligten akzeptable Lösungen zu finden. Ein Neubauprojekt dieser Größenordnung hat die Stadt seit vielen Jahrzehnten nicht erlebt. Bei den Brücken an der Sprockhöveler Straße und der Bochumer Straße hat uns die Deutsche Bahn mitgeteilt, dass die Sanierung länger dauern wird. Meine Aufgabe sehe ich darin, zu moderieren und die Informationen unverzüglich weiterzugeben.

IMAGE: Auch beim Thema Bildung gibt es ein großes Bauprojekt: die Otto-Schott-Gesamtschule. Ihnen ist das Thema Bildung sehr wichtig. Wie gelingt es, einerseits wirtschaftlich zu investieren und gleichzeitig möglichst viele Schülerinnen und Schülern zeitnah vom Neubau und dem modernen pädagogischen Konzept profitieren zu lassen?
LEISTNER: Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, die Menschen mitzunehmen und transparent zu informieren. Wenn wir über Zeitpläne sprechen, müssen die Ziele realistisch und messbar sein. Wöchentlich findet im Baudezernat eine Baukonferenz statt, in der die aktuellen Projekte beraten werden. Ich lese regelmäßig die Protokolle, um mir einen Überblick zu verschaffen und gegebenenfalls unterstützend einzugreifen. Auch im Verwaltungsvorstand beraten wir regelmäßig große Bauvorhaben wie das Bildungsquartier Annen und prüfen, ob die Planungen im Zeitrahmen liegen. So stellen wir sicher, dass der Umzug zu Ostern planmäßig erfolgen kann. Selbstverständlich informieren wir auch über Kostenentwicklungen – das schafft Akzeptanz.

IMAGE: Sie kommen aus dem IT-Bereich und stehen für digitale Transformation. Wo muss die Stadt digitaler werden, und welche bestehenden Möglichkeiten sind vielen vielleicht noch gar nicht bekannt? Wo ist zugleich Vorsicht geboten, damit gerade ältere Menschen nicht plötzlich den Anschluss verlieren?
LEISTNER: Eine verlässliche telefonische Erreichbarkeit der Verwaltung ist unerlässlich. Das wurde in der Vergangenheit häufig kritisiert. Dafür braucht es klare Kommunikation und verbindliche Regeln innerhalb der Verwaltung. Viele Arbeitsprozesse funktionieren gut, können aber effizienter gestaltet werden. Obwohl wir das papierlose Büro eingeführt haben, wird noch zu viel ausgedruckt und digitale Möglichkeiten werden nicht konsequent genutzt. Die digitale Modernisierung der Verwaltung ist eines meiner zentralen Ziele. Gut funktioniert bereits die Kommunikation über Social Media, die wir weiter ausbauen wollen. Zusammengefasst: Bürgerservice muss hybrid sein – digital und persönlich.

IMAGE: Stichwort Bürger: Sie hatten bereits Bürgersprechstunden. Was war die interessanteste Frage, die Ihnen gestellt wurde?
LEISTNER: Bislang gab es themenspezifische Bürgersprechstunden, offene Termine werden folgen. Wichtig ist mir, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht nur zu mir kommen müssen, sondern ich auch zu ihnen gehe. Ein Thema, das viele bewegt, ist der Steinbachtal-Steg in Annen. Dort wird es nun durch meine Unterstützung nach nunmehr zwei Jahren endlich in diesem Jahr noch eine Lösung geben.

IMAGE: Sie wohnen seit 23 Jahren in Witten. Welche Ecke haben Sie bislang kaum kennengelernt und möchten sie nun gezielt besuchen, weil sich auch dort das Stadtleben abspielt?
LEISTNER: In Rüdinghausen und auf dem Schnee war ich früher kaum unterwegs. Von Bommern aus führte mein Arbeitsweg meist durch die Innenstadt. Als Bürgermeister beschäftige ich mich selbstverständlich intensiv mit den Anliegen aller Stadtteile – auch mit denen, die ich bislang weniger gut kenne. Die fehlende Nahversorgung auf dem Schnee ist mir bewusst. Hier müssen wir im Rahmen der Einzelhandelsstrategie nach Lösungen suchen. Ein Vorteil ist, dass ich die Stadt seit 23 Jahren erlebe – viele Entwicklungen auch ganz persönlich als Familienvater.

IMAGE: Stadtleben soll sich auch in der Innenstadt abspielen. Sie kennen die Leerstände und wollen gegensteuern. Wie kann das im Rahmen der Stadtentwicklung gelingen?
LEISTNER: Wir haben die Immobilieneigentümer vor Ort zu einem Tref-fen eingeladen und stehen im Austausch mit der Standortgemeinschaft. Das Stadtmarketing haben wir neu aufgestellt – ein Impuls, den ich angestoßen habe. Wie bereits erwähnt, bin ich im Austausch mit dem Investor des Galeria-Kaufhof-Gebäudes und habe mir vor Ort ein Bild vom Inneren gemacht. Ich werde erneut das Gespräch suchen, um zu klären, wie ich als Bürgermeister unterstützen kann. Auch mit dem neuen Inhaber des Juweliergeschäfts Gerling stehen wir im Austausch. Bei HPC stehen wir mit dem Insolvenzverwalter in Verbindung, um auszuloten, wie die Stadt unterstützen kann. Von Hendrik Steimann