Auto/Mobilität

Der Dreipunktgurt ist der größte Lebensretter

Ab Januar 1974 mußten in Deutschland alle Neuwagen verpflichtend mit einem Drei-Punkt-Sicherheitsgurt ausgerüstet sein...

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Ab Januar 1974 mußten in Deutschland alle Neuwagen verpflichtend mit einem Drei-Punkt-Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. 1976 wurde die Gurtpflicht eingeführt. Viele Bundesbürger regierten zurückhaltend bis abweisend auf das Sicherheitsfeature. Einige sahen ihre persönliche Freiheit eingeschränkt, andere die weibliche Brust gefährdet und viele Kritiker des Gurts bezweifelten schlicht dessen Beitrag zu mehr Sicherheit. Erst das im August 1984 eingeführte Bußgeld von 40 Mark für Gurtmuffel ließ die Anschnallquote von rund 60 auf über 90 Prozent ansteigen. Der Dreipunktgurt hat sich unterdessen als Lebensretter Nummer 1 im Straßenverkehr etabliert. So kamen amtlichen Zahlen zufolge Anfang der 1970er Jahre hierzulande noch mehr als 20.000 Verkehrsunfallopfer ums Leben, im vergangenen Jahr waren es rund 3050. In diesem Zeitraum hielten in den Autos zwar auch weitere Sicherheitsausstattungen wie etwa der Airbag Einzug, doch nach Ansicht von Experten kommt dem Sicherheitsgurt der wichtigste Beitrag zur Verminderung der Zahl der Verkehrstoten zu. Das machten Crashtests unter anderem des ADAC mehr als deutlich. Schon bei Unfällen mit 30 km/h leben Autoinsassen unangeschnallt gefährlich. Ein Aufprall mit diesem Tempo habe ähnliche Folgen wie ein Sturz aus vier Metern Höhe, verdeutlichen Fachleute. Sind Fahrer oder Beifahrer bei 64 km/h nicht angeschnallt, führt der Crash demnach selbst mit Airbag zu lebensgefährlichen Verletzungen an Kopf oder Brust und die Beine können zertrümmert werden. Vor diesem Hintergrund erscheint es Verkehrssicherheitsexperten umso unverständlicher, dass es immer noch zu viele Autofahrer und Fahrzeugpassagiere gibt, die sich dem Sicherheitsgurt verweigern oder ihn aus Nachlässigkeit nicht anlegen. So ergab eine Online-Befragung der Unfallforschung der Versicherer, dass zahlreiche Fahrer nicht gurten, weil sie meinen, dies lohne sich bei kurzen Strecken nicht. Auf dem zweiten Platz landete die Begründung der Gurtmuffel, man sei „in Eile“ gewesen. Und bei den Beifahrern dominierten die Ausreden „vergessen“ sowie „der Gurt ist unbequem oder passt nicht gut“. Wie fatal sich solche Ignoranz für den Einzelnen auswirken kann, belegen die Crashtests und die Unfallforschung. Deshalb fordern Sicherheitsexperten, dass die sogenannten Gurtwarner, die optisch und akustisch ans Anschnallen erinnern, auf allen Plätzen im Auto eingebaut sein sollten – auch auf den rückwärtigen. Denn ein nicht angeschnallter Heckpassagier kann schnell nicht nur das eigene Leben gefährden, sondern auch das anderer Fahrzeuginsassen, weil er bei einem Unfall ungehindert durch das Wageninnere „schießen“ und seine Mitfahrer mit dem eigenen Körper förmlich erschlagen kann. Eine weitere „unangenehme“ Folge von „Gurtmuffeligkeit“ verlieren nicht angeschnallte Autofahrer offenbar auch nur allzu leicht aus dem Blick: Vor und beim Unfall nicht festgegurtet zu sein, kann teuer werden. Das Bußgeld, das bei Nichtbeachtung der Gurtpflicht fällig wird, dürfte in einem solchen Fall noch das kleinste Übel sein. Viel schmerzhafter in finanzieller Hinsicht kann ein Unfall werden, wenn die Versicherung für die Folgen von nicht angelegten Gurten den Fahrer in Mithaftung nimmt. Dann können den Betroffenen plötzlich hohe Krankenhaus- und Therapiekosten ins Haus stehen, eventuell sogar lebenslange Rentenansprüche.