Expertenvortrag zu Symptomen und Ernährung, die Entzündungsschübe verringern kann.
Zwicken im Bauch, Schmerzen, Durchfall – das kennt fast jeder Mensch. Die meisten Beschwerden vergehen nach kurzer Zeit. Doch wer immer wieder unter Symptomen wie Durchfall, Blutungen, Schmerzen, Gewichtsabnahme, manchmal Fieber, Haut- oder Gelenkbeschwerden leidet, sucht in der Regel früher oder später ärztliche Hilfe. Viele der genannten Symptome sind Ausdruck unterschiedlichster Krankheiten. Doch eine Möglichkeit, die ärztlich untersucht wird, ist bei diesen Beschwerden eine Darmerkrankung. Und davon gibt es mehrere Möglichkeiten.
Entzündliche Darmerkrankungen
Eine davon ist eine Divertikulitis. Das ist eine Entzündung der Darmdivertikel. Divertikel sind Ausbuchtungen der Darmschleimhaut, in denen sich Stuhl oder auch unverdaute Fasern ablagern können. Besitzt ein Patient viele solcher Divertikel im Darm, spricht der Arzt von Divertikulose, einer Vorstufe der Divertikulitis. „Zu den Beschwerden gehören oft Schmerzen bevorzugt im linken Unterbauch. Mit Hilfe von Laborwerten, Ultraschall, Koloskopie oder CT können wir die Entzündung feststellen“, erklärt Andreas Tromm. Zur Veranschaulichung hat der Mediziner nicht nur Fotos mitgebracht, sondern zeigt auch ein Gips-Darmmodell. Das Endoskopiezentrum Hattingen wurde 2008 gegründet und befindet sich im Evangelischen Krankenhaus Hattingen. Die Gastroenterologische Fachpraxis ist Schwerpunktpraxis für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
„Im Laufe der Zeit hat sich die Nahrungsempfehlung bei diesen Erkrankungen manches verändert. So habe ich früher noch gelernt, dass die Betroffenen auf Körner verzichten sollen, weil sich diese festsetzen können. Heute sieht man das anders, legt aber Wert darauf, dass viel Wasser oder ungesüßte (Kräuter-) Tees getrunken wird. Unbedingt sollte man die Finger von Nikotin lassen (fördert Entzündungen) und nur wenig rotes Fleisch konsumieren. Wir wissen heute, dass Vegetarier deutlich weniger Divertikel haben, also auch ein geringes Risiko für diese Entzündungen.“ Die Erkrankung verläuft schubweise und je häufiger es zu Entzündungen kommt, desto größer ist das Risiko für eine Verengung des (Dick-)Darms.
Die entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa (CED) und Morbus Crohn tauchen häufig bereits im jungen Alter auf. „Colitis ulcerosa beginnt im Enddarm und geht ausschließlich auf die Schleimhaut vom Dickdarm über. Morbus Crohn – der Namensgeber Dr. Crohn beschrieb die Erkrankung erstmalig 1932 – kann den gesamten Darm befallen. Beide Erkrankungen verlaufen in Schüben mit beschwerdefreien Phasen. Die Ursachen der Krankheit sind bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht aber davon aus, dass eine genetische Veranlagung, eine überreaktive Immunreaktion gegen die Darmflora sowie Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Auch bei diesen Erkrankungen sollte man die Finger vom Nikotin lassen. Es gibt keine spezielle Diät, aber die Aufnahme von fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln sollte in Maßen stattfinden. Eine vollwertige Ernährung mit Obst und Gemüse kann in vielen Fällen die Intensität der Schübe lindern und trägt zur Verringerung der Symptome bei“, so Tromm.
So kann die Ernährung helfen
Dr. Birke Müller, Leiterin der Klinik für Naturheilkunde am Klinikum in Blankenstein, sieht in der Natur und in gesunder Ernährung einen wichtigen Baustein zur Erhaltung oder Verbesserung der Gesundheit. „Wir verstehen uns ergänzend zur klassischen Schulmedizin und stellen uns im Zusammenhang mit den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen die Frage, was man selbst durch Ernährung tun kann, damit die Krankheitsschübe möglichst selten auftauchen. „Eine vollwertige, leichte und entzündungshemmende Ernährung ist wichtig, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern. Das bedeutet mindestens die Reduzierung von (rotem) Fleisch und Softdrinks. Fett unterscheidet sich in ,gute‘ und ,schlechte‘ Fette - Olivenöl ja, Nüsse ja. Sonnnenblumenöl, Butter, frittiertes Fett nein. Die Nahrung sollte gut gekaut werden. Neben der ausreichenden Menge Flüssigkeit – am besten Wasser und ungesüßten Kräutertee sind grobkörnige und faserige Lebensmittel zu vermeiden. Besser ist feinvermahlene Vollkornkost. Auch Haferflocken und Joghurt sind empfehlenswert. Im Entzündungsschub ist eine ballaststoffarme Ernährung angeraten. Dazu gehören Zwieback, Gemüsebrühe und mageres helles Fleisch (Geflügel)“, gibt Dr. Birke Müller einige Ernährungsempfehlungen.
Der Blick auf „Mutter Natur“ kann helfen. Kamille und Myrrhe wirken krampflösend, schmerzstillend und entzündungshemmend. Flohsamenschalen gemahlen unterstützen die Darmflora, binden viel Flüssigkeit und können in Wasser aufgelöst getrunken werden. „Möglichst sofort trinken und zwei Gläser Wasser nachtrinken“, sagt die Expertin. Flohsamenschalen senken übrigens auch die Cholesterinwerte. Wer Medikamente einnimmt, lässt zur Einnahme der Flohsamenschalen dazwischen etwas Zeit vergehen.
Eine Therapie inklusive einer Medikamenteneinnahme von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und hat zum Ziel entzündliche Prozesse zu unterbrechen. Zur schnellen Behandlung akuter Schübe wird oft Kortison eingesetzt. Langzeit-Therapien mit Biologika (Antikörper) und Immunsuppressiva sind weitere Möglichkeiten.
Von Dr. Anja Pielorz