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Gesundheit

Corona-Impfung: Wie wird ein Impfstoff entwickelt?

Welche Impfstoffe gibt es gegen eine Covid 19-Erkrankung? Und welches Prozedere müssen zugelassene Impfstoffe überhaupt durchlaufen? Auf der ganzen Welt ist man mit der Erforschung von Virus und Impfung beschäftigt. Und das ist ganz schön kompliziert.

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Die sieben Etappen der Impfstoffentwicklung.

Eine Impfstoffentwicklung von der Analyse bis zur Impfung dauert nicht selten viele Jahre. Neue Technologien und Vorerfahrungen mit dem Coronavirus (das Virus ist bereits seit den sechziger Jahren bekannt), vor allem aber auch weltweite Forschungsschwerpunkte zu Covid 19 haben die Zeit bis zu einem Impfstoff deutlich verkürzt.
Der weltweite Entwicklungsstand bei Covid-19-Impfstoffen (Quelle: vfa) ergibt aktuell knapp 200 verschiedene Impf-Designs, die in Tierversuchen auf Verträglichkeit und Wirkung getestet werden. Von diesen geht nur ein Bruchteil, aktuell etwa 28, in erste Studien mit Menschen auf der Basis der Freiwilligkeit. Diese sogenannte klinische Prüfung eines neuen Impfstoffs mit Freiwilligen kann nur erfolgen, wenn sich der zu prüfende Impfstoff vorher in Labor- und Tierversuchen hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit bewährt hat. Stimmen Ethik-Kommission und Arzneimittelbehörde zu, kann die Erprobung am Menschen beginnen. In den Phasen II und III wird die Anzahl der Impflinge dann deutlich erhöht. Bis zu 60.000 Freiwillige verschiedener Altersgruppen und später auch mit unterschiedlichen Krankheiten sind in die Tests eingebunden, bevor ein Antrag auf Zulassung in der EU bei der European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam gestellt wird. Gibt sie eine positive Zulassungsempfehlung, so wird der Impfstoff zugelassen. Nicht alle Studien lassen dabei in der letzten Phase der Erprobung schwangere Frauen teilnehmen. Diese Entscheidung ist umstritten. Auch für Minderjährige kann ein Impfstoff nur zugelassen werden, wenn er mit ihnen erprobt wurde. Im Hinblick auf die Impfung gegen Covid 19 gibt es in der EU bislang nur für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer eine Zulassung ab 16 Jahren. Für jüngere Minderjährige ist noch kein Impfstoff zugelassen.
Doch welche Impfstoffe haben wir derzeit oder in Kürze?
Biontech/Pfizer
BNT162b2 ist ein mRNA-basierter Impfstoff, der am 21. Dezember 2020 in der EU zugelassen wurde. Schon vorher erhielt er Notzulassungen beispielsweise in den USA. Seine Wirksamkeit zur Verhinderung einer Erkrankung mit Covid 19 wird mit 95 Prozent angegeben. Bei mRNA-Impfstoffen wird nicht klassisch ein Antigen (also der Krankheitserreger selbst oder Teile von ihm) verimpft, sondern die Bauanleitung für das Corona-spezifische Spike-Protein. Der Körper reagiert mit der Bildung von Antikörpern. Ein Infektionsrisiko durch Impfung oder eine Veränderung des Erbgutes ist nicht möglich.
Moderna
mRNA-1273 ist ebenfalls ein mRNA-basierter Impfstoff. Er wurde mit einer Wirksamkeit von 94,1 Prozent am 6. Januar 2021 in der EU zugelassen und erhielt auch in den USA und weiteren Ländern eine Zulassung.
AstraZeneca
ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) ist ein Vektoren-Impfstoff. Sie bestehen aus für den Menschen harmlosen Viren, den sogenannten Vektoren. Damit das menschliche Immunsystem die Abwehr gegen den Krankheitserreger aufbauen kann, muss es mit Molekülen (Antigenen) des Krankheitserregers in Kontakt kommen. Ein Beispiel für Vektorimpfstoffe ist der Impfstoff „Ervebo“ gegen Ebola. Gegen Covid 19 ist der Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland bedingt zugelassen für Menschen ab 18 bis 65 Jahre. In Großbritannien ist er seit letztem Jahr zugelassen und wird verimpft.
Johnson & Johnson
Der Impfstoff mit dem Namen Ad26.COV2-S von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des US-Pharmariesen Johnson & Johnson. Auch hier kommt die Vektorviren-Technologie zum Einsatz. Kühlschranktemperatur und nur eine einmalige Impfung scheinen die Vorteile zu sein. Die Zulassung steht bevor.
Sehr viele Impfstoffe befinden sich aktuell in der Phase III. Dazu gehören Impfstoffe mit inaktiviertem Virus von Sinopharm (zugelassen in China), und Sinovac. Auch die Impfstoffe tbd (Totimpfstoff mit inaktivierten Viren) und der Vektorenimpfstoff Sputnik sind in Phase III. Sputnik wurde allerdings in Russland schon nach der Phase II zugelassen und wird auch verimpft. Weitere sieben Impfstoffe, darunter auch der mRNA-basierte Impfstoff von CureVac, befinden sich ebenfalls in dieser Phase. 45 weitere Impfstoffe befinden sich mindestens in Phase I, weitere sechs Impfstoffe stehen kurz vor dem Eintritt in eine erste Phase. Der Pharmakonzern Merck und das französische Pasteur-Institut hingegen stoppten ihr Projekt für einen gemeinsamen Corona-Impfstoff. Das Mittel sollte auf der Basis eines Impfstoffs gegen Masern entwickelt werden. Erste Tests ergaben allerdings eine zu schwache Immunisierung.  
Ein idealer Corona-Impfstoff würde bei jedem, der damit geimpft wird, bei nur wenigen und milden Nebenwirkungen einen vollständigen und lebenslangen Schutz vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 erzielen. Kein Impfstoff kann gegenwärtig dieses Idealziel vollumfänglich erfüllen. Über die langfristige Immunität gegenüber einer Coronaerkrankung nach der Impfung weiß man noch zu wenig. Auch Langzeitfolgen sind noch nicht erforscht.
Aber: „Sehr viele Menschen wollen sich aktuell erfreulicherweise impfen lassen, und wir Hausärzte bestärken sie darin, indem wir sie beraten und ihnen verlässliche Informationen zur Verfügung stellen. Aber selbst das größte ärztliche Engagement kann nur dann den erhofften Erfolg zeitigen, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt. Im Landkreis Nordwestmecklenburg gibt es übrigens acht Hausarztpraxen, die impfen. Sich die Impflinge aussuchen, können sie nicht. Die Terminvergabe verläuft hier wie auch anderswo nach der festgelegten Priorisierung der Bevölkerungsgruppen. Bis zum Sommer, hoffen die Experten, wird auch in den Hausarztpraxen geimpft werden können.

anja