Über das Projekt „LiA“ können sich Menschen vernet zen und gemeinsam aktiv werden.
Lisa Celine Theiß, Projektkoordinatorin
Es war eine größere Runde als erwartet, die Mitte März im Treff an der Werkstadt Witten zusammenkam. Dort, wo die AWO EN dazu eingeladen hatte, sich privat zu vernetzen, um später gemeinsame Interessen auszuleben. Dies ist der Hintergrund des Projektes „Lernen im Alter“ (LiA).
Das Projekt läuft seit Mai 2025. Nach einigen Monaten Vorbereitungszeit gab es Ende vergangenen Jahres eine Auftaktveranstaltung im Gevelsberger Filmriss-Kino. Nun soll das Projekt durch den gesamten EN-Kreis wandern. Wobei bisher noch nicht in allen Städten Workshops geplant sind. „Es ist eine sehr große Aufgabe, neun Städte zu bespielen. In Breckerfeld zum Beispiel sind Personen untereinander schon super vernetzt. Wenn der Wunsch besteht, kommen wir dort aber auch vorbei“, sagt Projektkoordinatorin Lisa Celine Theis. Die nächsten Zusammenkünfte sind für Hattingen und Ennepetal geplant, genaue Termine stehen allerdings noch nicht fest.
Der AWO ist es wichtig, dass „Älterwerden“ als Prozess verstanden wird, der alle betrifft – nicht als Zustand des „Altseins“. Der Projektname sei etwas schwierig. Das Koordinationsteam hat ihn sich nicht selbst ausgedacht, sondern ein Antragsteller in der Vergangenheit. Das Projekt „Lernen im Alter! Engagiert mit Vergnügen!“ wird im Rahmen des Programms „Bildung und Engagement ein Leben lang“ vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und durch die Europäische Union über den Europäischen SozialFonds Plus (ESF Plus) gefördert. Die AWO kürzt es mit „LiA“ ab. Theis erklärt: „Das Wort Lernen löst eher negative Assoziationen mit aus. Auch das Wort Alter ist schwierig, weil sich manche noch nicht damit identifizieren, wenn sie gerade erst in den Ruhestand gehen.“ Es habe sich nach den ersten beiden Treffen seitens der Teilnehmenden allerdings ohnehin die These bestätigt, die sie und ihr Team hatten: „Es muss nicht immer das normale Lernen sein, sondern das Informelle und der Austausch sind wichtiger. Auch Aktivitäten oder kleine Kulturreisen können für neue Kenntnisse sorgen.“
Mit Begriffen vorsichtig umgehen
Im Prinzip sollen sich Personen finden, die womöglich noch nicht den richtigen Anschluss gefunden haben. Einen Begriff, den Theis darauf angesprochen kritisch sieht, ist Einsamkeit – die heutzutage viele betrifft. „Damit muss man vorsichtig umgehen. Es gibt Personen, die Interessen haben, sie aber nicht mit Bekannten teilen können, sondern auf der Suche nach einer passenden Gruppe sind. Die Begriffe muss man sorgsam auswählen, um die Menschen abzuholen und mitzunehmen“, erklärt Theis. Genau das möchte die AWO vermitteln. Der Ansatz ist folgender: Personen sollen nicht von einem Defizit ausgehen, was ihnen fehlt. Sondern davon, was positiv ist und wovon sie sich mehr wünschen. Dazu hingen bei der Zusammenkunft im Raum verteilt vier Plakate mit zentralen Fragen, zu denen die Anwesenden ihre Gedanken teilen konnten. Die Fragen: Was hat Ihnen in Ihrem Leben bislang besonders Freude bereitet? Wie haben Sie sich das Älterwerden vorgestellt, als Sie jünger waren? Wie erleben Sie das Älterwerden tatsächlich? Wie stellen Sie sich das Älterwerden heute vor?
„Spannend, dass sich die wenigsten positiven Dinge auf Bildung und Arbeit bezogen haben, sondern eher auf Familie, Freunde und das Aktiv-sein-und-Bleiben, sowohl körperlich und auch geistig“, sagt Theis. Dazu gab es bereits beim ersten Termin in Gevelsberg die Idee, einen „Instrument-Probier-Workshop“ zu organisieren. Viele interessieren sich dafür, ein Instrument zu erlernen, wollen sich aber erst einmal ausprobieren, was zu ihnen passt. So sollen demnächst über die verantwortliche Personen Instrumente zur Verfügung gestellt werden, der sich gleichzeitig gut auskennt. Die AWO befindet sich in diesem Punkt noch in Gesprächen.
In Witten kam seitens einer Frau das Angebot, einen Papierfaltkurs zu organisieren. Genau solche Vorschläge seien Sinn des Projektes. Theis: „Wir wollen in den Eins-zu-eins-Austausch gehen. Die Menschen sollen dadurch aktiviert werden. Wenn unser Projekt beendet ist, sollen die selbst entwickelten Angebote und sich gebildeten Gruppen fortlaufen. Häufig verlaufen Dinge nach einem Projekt im Sand. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Personen weiter selbst organisieren oder zumindest in Teilen weiterbestehen. Also benötigen wir auch Menschen, die sich von sich aus engagieren.“ Das Projekt endet im April 2028.
In Witten waren einige Neuinteressierte da. „Uns hat es gefreut, dass die meisten, die zum Start in Gevelsberg da waren, erneut vorbeigekommen sind“, sagt Theis. Bei der Veranstaltung im Treff an der Werkstadt waren außerdem Vertreter von drei lokalen Netzwerkpartnern dabei: Kathrin Brommer (Uni Witten/Herdecke), mit der die AWO ein gemeinsames Seminar für Ältere und Studierende plant, Rainer Blum (Belia Seniorenresidenz) sowie Arnold Evartz (Seniorenvertretung). Über die Uni soll ein Malprojekt entstehen, mit Jung und Alt. Theis schildert: „Es sollen Perspektiven zu einem Thema entstehen und dann wird darüber gesprochen, woher diese gekommen sind.“
Neben eigenen Ideen wird es Seminare geben
Für Ältere gebe es gleichzeitig ein breites Spektrum an Bedürfnissen – von niedrigschwelligen Angeboten bis hin zu Info-Seminaren. Dieses Spektrum möchte die AWO mit ihrem Projekt bestmöglich abdecken. Es wird Seminare geben, etwa zum Thema Gesundheitsvorsorge oder KI. „Eines der Top-3-Themen, die Personen bewegen, ist die Pflege: Sie haben Bedenken, selbst ein Pflegefall zu werden oder einer ihrer Angehörigen. Sie möchten sich vorbereitet fühlen und nicht erst dann damit beginnen, wenn es schon so weit ist“, sagt Theis. Für Seminare ist sie noch auf der Suche nach Referenten. Sonst zeigt sie sich offen: „Wir sammeln und kommen mit den Menschen in Kontakt. Nicht nur, um uns vorzustellen, sondern um sie zusammenzubringen.“
Von Hendrik Steimann