Was ist das eigentlich? Experten informieren in einem Vortrag über ADHS bei Erwachsenen.
Am Mittwoch, 25. März, 18 Uhr, gibt es einen neuen Termin aus der Reihe „med in Hattingen: Gesundheitsforen“. Es geht diesmal um das Thema „ADHS bei Erwachsenen – eine Trenddiagnose? Es referieren: Markus Kudla, Oberarzt, Ambulanz und Station für junge Erwachsene, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern, und Alicia Scholz, Psychologische Psychotherapeutin, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern. Die Veranstaltung findet im Vhs-Veranstaltungsraum, Bahnhofstraße 18a in Hattingen statt. Eine Anmeldung zum Termin ist über die Volkshochschule unter 02324/204-3513 (-3512 oder -3511) erforderlich. Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Was bedeutet eigentlich ADHS? Die vier Buchstaben stehen für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Ihre Kernsymptome sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Im Volksmund wird bei Kindern immer noch vom „Zappelphilipp-Syndrom“ gesprochen.
Keine Kinderkrankheit
ADHS galt lange Zeit als eine Kinderkrankheit, die sich bis zum Eintritt in das Erwachsenenalter zurückbilden würde. Diese Einschätzung hat sich als falsch herausgestellt. Viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen leidet auch noch im Erwachsenenalter unter den typischen ADHS-Symptomen und den damit verbundenen Problemen. Man geht davon aus, dass bei ca. 60 Prozent der betroffenen Kinder die Störung mit dem 18. Lebensjahr nicht aufhört. Die Betroffenen benötigen häufig weiter gezielte Hilfen.
Auf dem Info-Portal ADHS heißt es dazu: „Im Berufs- und im Privatleben erreichen Erwachsene aufgrund dieser Symptome oft nicht die Ziele, die sie sich ursprünglich gesteckt hatten, was bei vielen einen starken Leidensdruck erzeugt. Sie vergessen Termine, halten Absprachen nicht ein, verzetteln sich ständig und es gelingt den Betroffenen häufig nicht planvoll bei einer Sache vorzugehen.“ War es im Kindesalter das chaotische Kinderzimmer, so ist es beim Erwachsenen das Chaos auf dem Schreibtisch. So kann der motorische Bewegungsdrang bei Kindern einer ständig vorhandenen inneren Unruhe bei Erwachsenen weichen.
Deutliche Zunahme bei Erstdiagnosen von Erwachsenen
In einigen Fällen wird die ADHS-Diagnose bereits im Kindesalter gestellt, manchmal aber auch nicht. Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie untersuchen die Betroffenen. In Leitlinien haben Fachleute festgehalten, welche Untersuchungen für die Diagnose einer ADHS gemacht werden sollten. Es gibt ein ausführliches Gespräch, welches bei Erwachsenen auch Fragen zur Vergangenheit einschließt, ob die Kriterien für die Diagnose einer ADHS im Kindes- oder Jugendalter erfüllt wurden. Ergänzend können Gespräche mit Angehörigen, Partnern oder Freunden geführt werden. Es gibt Fragebögen, Tests, aber auch körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren. Ausgeschlossen werden muss, dass die Symptome durch Medikamente oder andere Erkrankungen ausgelöst werden. Wenn die Diagnose einer ADHS gesichert ist, muss auch noch überprüft werden, ob andere psychische Probleme oder Störungen zusätzlich noch vorliegen. Die Leitlinien zur Behandlung einer ADHS bei erwachsenen Betroffenen verlangen eine multimodale Therapie, das bedeutet, dass sich eine psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung ergänzen sollten.
Das Deutsche Ärzteblatt hat aktuelle Zahlen veröffentlicht. Danach ist die Zahl der erstmals diagnostizierten AD(H)S-Fälle bei Erwachsenen in Deutschland zwischen 2015 und 2024 fast um das Dreifache gestiegen. Von 10.000 gesetzlich Versicherten werden heute etwa 26 im Jahr neu mit
AD(H)S diagnostiziert, 2015 waren es nur neun. Besonders betroffen sind demnach junge Erwachsene unter 40 Jahren. Unter ihnen wurden in den vergangenen Jahren deutlich mehr Diagnosen gestellt, vor allem bei jungen Frauen, die in dieser Altersgruppe stark aufgeholt haben.
Ursachen für ADHS
Die Ursache für ADHS ist eine gestörte Signalübermittlung im Gehirn, vor allem in der Großhirnrinde. Botenstoffe übertragen Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten. Dieser Vorgang findet überall im Gehirn und zu jeder Zeit statt. Dieser Vorgang ist bei ADHS gestört, es herrscht ein Mangel des Botenstoffes Dopamin. Vererbung spielt vermutlich eine Rolle. Das Lebensumfeld, in welchem von ADHS betroffene Kinder aufwachsen, kann diese Anlagen verstärken oder abschwächen. Für den Verlauf und die individuelle Ausprägung spielen daneben psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen eine wichtige Rolle.
ADHS-Kinder im Grundschulalter können sich oft nur wenige Minuten konzentrieren. Sie reagieren oppositionell, haben eine reduzierte Frustrationstoleranz und wollen ihre Bedürfnisse sofort umsetzen. Viele der Kinder, das ist zumindest die Ansicht der Psychologen, haben bereits traumatisierende Erfahrungen gemacht und leben oft in einer nicht intakten Beziehungsumwelt. Sie können schlecht aus ihren Fehlern lernen und machen bei Kritik sofort „dicht“. Viele dieser Kinder haben auch keine dauerhaften Freunde, weil die Gesellschaft sie als sehr anstrengend einstuft.
Von ADHS betroffene Erwachsene haben oft seit ihrer Kindheit an immer wieder die Erfahrung gemacht, von Autoritätspersonen, wie Lehrern und Eltern ermahnt oder von Gleichaltrigen ausgegrenzt zu werden. Sie erleben sich daher häufig als anders und nicht dazugehörig. Die Betroffenen nehmen sich oft als weniger leistungsfähig wahr und entwickeln ein negatives Selbstbild, so die Experten auf dem Info-Portal.
Quellen: www.adhs.info; Deutsches Ärzteblatt 25/2025
Von Dr. Anja Pielorz