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Sport

Wo Inklusions- und Rehasport sowie Kinder aufblühen

AVU unterstützt: Den Turnverein Hasslinghausen.

Kinder turnen

Die Dance-Kids des TVH.

Bildquelle: Turnverein Hasslinghausen

Am Landringhauser Weg in Sprockhövel befindet sich eine moderne Sportanlage, die vor allem zwei ortsansässige Vereine rege nutzen. Beim TuS Hasslinghausen wird auf dem Kunstrasen gekickt. Daneben ist der TV Hasslinghausen breit aufgestellt und besteht bereits seit 164 Jahren. Er hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren Bereichen einen Namen gemacht und ist eine beliebte Anlaufstelle.
1862 gründeten 21 „turnfreudige“ Männer den Verein – aus der damals verbreiteten Turnbewegung nach Turnvater Jahn. Neben Turnen kamen andere Abteilungen hinzu, früher etwa die „Trommler- und Pfeifencorps“ und Fußball. Es folgten viele weitere Angebote, von denen manche allerdings eingestellt wurden, zum Beispiel Handball. Aktuell gibt es 16 Breitensportangebote. In den 1970er- und 1980er-Jahren entstand nach der Einweihung der gebauten Sporthalle in Haßlinghausen (1972) das, was heute die Basis bildet: Eltern-Kind-Turnen/Kinderturnen, Laufen (beides seit 1977), und „Sport mit geistig Behinderten“ (seit 1986).

Sport mit geistig Behinderten als Alleinstellungsmerkmal
Letztere entstand durch die Initiative von Erika Rohleder, die als Sonderpädagogin ohnehin mit geistig Behinderten arbeitete. Der Verein war von der Idee angetan, die sich etablierte. Heute ist die Abteilung mit derzeit 106 Mitgliedern die größte des TVH. Die Vorsitzende, Britta von der Weiden, ist stolz auf das Angebot: „Es ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ In der näheren Region gibt es keinen Sportverein, der eine solche Abteilung hat. Sie wuchs schnell und mit der Zeit kamen Lebenshilfe-Gruppen aus Sprockhövel und Wuppertal vorbei.
Die Übungsleiter sind sensibilisiert. „Für viele ist es ein Mehrwert, die geistig Behinderten sind unfassbar herzlich und geben viel zurück. Es ergeben sich ganz andere Sichtweisen, was ich anfangs gar nicht vermutet hatte. Ich hatte erst Respekt vor dem Thema“, erzählt von der Weiden, die dem Verein seit ihrer Jugend angehört, dem sie seit drei Jahren vorsitzt. Die Abteilung sei ein Selbstläufer geworden. Zum einen gab es immer ausreichend Teilnehmer, zum anderen wurden fortlaufend Aktionen wie das beliebte Fußball-Turnier organisiert.
Übungsleiter wurden für die Abteilung erstaunlicherweise leicht gefunden. „Das ist ein riesiger Vorteil und so gab es immer dieselben Ansprechpersonen. Es ist in dem Bereich einfacher, die Erwartungen der Teilnehmer sind nicht so hoch“, erklärt die Vereinsvorsitzende, die dennoch auf die Bedeutung von qualifiziertem Personal mit entsprechender Ausbildung hinweist. Dies erfüllen die Abteilungsleiter Janosch Seibel und Christoph Dicke. Die Helfer haben Weiterbildungen absolviert. Auch die Unterstützung der AVU ist dabei eine große Hilfe. Der Energieversorger schaltet regelmäßig eine Anzeige im Vereinsheft, unterstütz Events für den Behindertensport und sponsert auch schon mal Trikots. „Dadurch kann vor allem Behinderten-Sport und auch der Jugendsport bestehen. Ohne sie würde es manchmal schwierig werden“, freut sich von der Weiden.

Vereinsbindung ist schwieriger geworden
Ein weiteres wichtiges Standbein sind der Reha- und Gesundheitssport beim TVH. Über die Kurse kann der Verein auch Einnahmen generieren, um sich zu finanzieren. Rund 200 Personen nehmen an den Kursen teil. Die meisten davon sind allerdings nicht im Verein angemeldet, was dabei auch keine Pflicht ist. Ebenso wenig beim Boule oder dem Lauftreff als offene Angebote. „Viele möchten sich nicht an einen Verein binden. Sie haben Befürchtungen, dass sie etwas übernehmen sollen und das wollen sie nicht. Also suchen sie sich etwas Neutrales“, bedauert von der Weiden.
Auch beim Eltern-Kind-Turnen bleiben viele nach den ersten Jahren nicht dabei. Dieser Bereich boomt, in der Halle sind bis zu 40 Kinder. Mehr Kapazitäten gibt es nicht, daher ist die Warteliste lang. Daneben sind rund 20 Turnzwerge unterwegs. „Eltern und wir möchten, dass sich die Kinder bewegen“, so von der Weiden. Kinder haben heutzutage koordinativ Rückstände: „Sie haben wenig Körpergefühl. Ein einfacher Purzelbaum fällt ihnen teils schwer.“

Von Hendrik Steimann