Es gibt keine offiziellen Mess-Stationen in der Stadt, sondern nur privat übermittelte Daten.
Der Sommer war wieder richtig heiß, Temperaturen an der Grenze zu 40 Grad wurden offiziell über den Deutschen Wetterdienst (DWD) in der Region gemessen. Am 27. Juni gab es mit 37,2 Grad den höchsten Wert. Doch wo werden die Gradzahlen für Witten erfasst und daraus Wettervorhersagen erstellt?
Zunächst einmal: Es gibt in Witten keine offiziellen Mess-Stationen, die über den DWD betrieben werden. Es gibt in der Innenstadt und in Annen allerdings Stationen, die privat betrieben werden – diese greifen neben eigenen Messungen aber auf Daten des DWD zurück. In der Innenstadt wird die Temperatur an den App-Anbieter „Wetterblick“ übermittelt, der seit 2020 Temperaturdaten liefert. Nach eigener Schilderung laufe dies über Algorithmen, die auf Messungen des DWS basieren. In Annen werden die Temperaturangaben an den App-Anbieter „Wetterdienst“ übermittelt. Die beiden privaten Stationen bilden das Mikroklima vor Ort ab, zwischen Wohnbebauung.
Der DWD hingegen unterliegt strengen Richtlinien der World Meteorological Organization (WMO) bezüglich nicht bebauter Freiflächen. „Mess-Stationen sollten viel freies Umfeld haben und keine Störquellen durch städtische Bebauung. Der Abstand zu Bäumen und Hecken ist geregelt, Naturrasen muss vorliegen. Die Sensoren müssen sich abgeschattet in Hütten befinden, um keine verzerrten Werte zu messen“, erklärt Ortrun Roll vom DWD. Die nächstgelegenen Stationen befinden sich in Gevelsberg und Bochum. Diese melden Lufttemperaturen, Luftfeuchte und Niederschlagsmenge. In Hattingen-Holthausen steht nur eine sogenannte „konventionelle Niederschlagsstation“, die einmal täglich die Niederschlagsmenge misst.
Eine „hauptamtliche Wetterstation“ des DWD mit kleinteiligen Angaben zu Temperatur, Niederschlag, Luft, Wind und Sonne gibt es erst wieder in Essen-Bredeney. Darüber kann ein Regenradar erstellt werden. Daneben gibt es noch „Landstationen“, die jedoch nicht vom DWD betrieben werden, sondern etwa am Kemnader See von der Ruhr-Universität Bochum. So gibt es nicht in jeder Stadt offizielle Stationen. Das sei auch gar nicht erforderlich. Es werden Messnetze gebildet, die über Werte von Wetterballons und Verkehrsflugzeugen ergänzt werden. So können Ausreißer herausgerechnet und angeglichen werden. Ebenso wie bei Lücken im Netz, die mathematisch und physikalisch ergänzt werden, um in ein globales Netz einzugehen.
Schwieriger seien Vorhersagen laut DWD nicht, da die Modelle besser geworden sind. „Die Werte müssen allerdings geprüft und verifiziert werden“, so Roll, die auf sich verändernde Wetterfronten verweist. „Die Temperaturen steigen insgesamt stetig an und die Dauer der Hitzeperioden wird im Schnitt länger“, sagt sie voraus. Seit 1950 haben sich die Tage mit einem Mittelwert von 25 Grad mehr als verdoppelt, die von 30 Grad sogar vervierfacht. Seit 2014 ist die Jahresmitteltemperatur – mit Ausnahme des Jahres 2021 – immer gestiegen. Deshalb seien neue Temperaturrekorde und längere Phasen mit wärmeren Tagen in den kommenden Jahren wahrscheinlicher. Für Witten werden über die Apps dann Hitzeereignisse angezeigt.
Von Hendrik Steimann