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Auto & Mobilität

„Wir möchten den Betroffenen d as Leben erleichtern“

Jonathan Verhaeghe baut mit seinem Team Autos für Menschen mit Einschränkungen um.

Doppelportrait

Jonathan und Alexa Verhaeghe vor einem Auto mit einem nach außen schwenkbaren Sitz. Das ist nur eine Hilfsmöglichkeit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die das Unternehmen einbauen kann.

Wer körperliche Einschränkungen hat, leidet vor allem darunter, nicht mobil zu sein und dadurch Lebensqualität zu verlieren. Ist der Betroffene noch im berufstätigen Alter, kommen nicht selten große Herausforderungen zum Arbeitsplatz auf ihn zu. Die Royal Mobility GmbH ist eines von nur zwölf anerkannten Unternehmen in Deutschland, die ein Fahrzeug so umbauen kann, dass der Betroffene in der Lage ist, mit dem Auto selbstständig zu fahren. Für Geschäftsführer Jonathan Verhaeghe ist seine Arbeit etwas ganz Besonderes und hat ihn selbst nachdenklich gemacht: „Wir können Menschen mit körperlichen Einschränkungen Mobilität ermöglichen. Ich bin jeden Morgen beim Aufwachen dankbar dafür, dass ich mit gesunden Beinen aus dem Bett aufstehen kann und mit meinen Armen und Händen arbeiten kann.“
Jonathan Verhaeghe hat diesen besonderen Kfz-Betrieb im Januar 2023 übernommen. Gegründet wurde das Unternehmen 1999 unter dem Namen „ms-mobil“. Seit 2005 befindet es sich an der Hattinger Kreisstraße und wurde 2013 in „Scheffler Mobilität“ umbenannt. Heute führt Jonathan Verhaeghe das Geschäft und blickt auf eine bundesweite Kundenklientel. „Eine eingeschränkte Handfunktion, Querschnittslähmung, eine Beinamputation oder Kleinwuchs – es gibt viele Gründe, die die Mobilität und damit die Teilhabe am Leben einschränken. Gründe dafür sind oft Krankheiten oder Unfälle. Wer noch berufstätig ist, steht dann auch in der Arbeitswelt vor großen Herausforderungen. Im wesentlichen gibt es drei Hilfsgruppen: Ladehilfen (für Rollstühle) wie Kräne, Rampen, Lifte, die Einstiegshilfen (Trittstufen, Schwenksitze) und Umbauten für Gas- und Bremspedale (Steuerungsveränderung per Hand, individuelle Veränderung oder Verlängerung der Pedalpositionen). Was beim Umbau möglich ist, wird in einem individuellen Beratungsgespräch geklärt. Es geht dann auch um die Frage, ob das vorhandene Auto umbaufähig ist oder nicht. Einen Schaltwagen können wir nicht umbauen, bei Automatik ist es prinzipiell möglich. Auch der Antrieb – E-Motor oder Verbrenner – bremst die Möglichkeit des Umbaus nicht aus. Aber es geht nicht alles bei allen Autos. Das sind sehr individuelle Entscheidungen, die zum Beispiel auch davon abhängen, ob der Betroffene noch ein paar Schritte gehen kann.“
Preiswert ist so ein Umbau nicht. „Zur Arbeitsplatzerhaltung übernimmt das Integrations- und Inklusionsamt ab 50 % Schwerbehinderungen oder die Agentur für Arbeit oder auch die Berufsgenossenschaft bei einem Arbeitsunfall oder die Deutsche Rentenversicherung bei beruflicher Rehabilitation die Kosten. Die Krankenkasse übernimmt nur bei einer medizinischen Notwendigkeit auf ärztliche Verordnung, wenn das Fahrzeug als Hilfsmittel eingestuft wird. Und einen Zuschuss der Pflegekasse gibt es nur bei einem Pflegegrad zur Unterstützung der häuslichen Pflege. Rund dreißig Prozent der Kunden sind Selbstzahler. Die Kosten variieren stark - je nachdem, was gemacht werden muss. Kleinere Umbauten kommen mit 2000 Euro aus, aber es können auch 50.000 Euro werden.“
Der bürokratische Aufwand ist fast immer groß. Und nicht selten gibt es zuerst ablehnende Bescheide, gegen die dann Widerspruch eingelegt werden muss. Verhaeghe geht den Weg gemeinsam mit dem Kunden. Er ist gut vernetzt, hat Kontakte zu Autohäusern und auch zu Fahrschulen. Eine Fahrschule hat sogar ein von ihm umgebautes Fahrzeug. Man kann aber auch ein solches Fahrzeug bei ihm mieten. Denn: „Ein umgebautes Auto muss vom TÜV abgenommen werden und der Fahrer muss eine Fahrprobe vor dem TÜV absolvieren. Man muss das schon richtig lernen. Die älteste Kundin von uns war 94“, lacht er. Eine Altersbeschränkung des Fahrers beim Umbau von Fahrzeugen gibt es nämlich nicht. 
Unser Gespräch vor Ort verfolgt zufällig eine betroffene berufstätige Frau. Sie sagt: „Ich bin krank, aber ich will trotzdem mobil und selbstständig sein. Ich will Lebensqualität. Und ja, man braucht einen langen Atem. Aber man darf sich nicht abschrecken lassen. Man kann sich beraten lassen, zum Beispiel beim Sozialverband VdK. Mobil im Leben stehen – das ist einfach jede Mühe wert.“

Von Dr. Anja Pielorz