Logo
Hattingen

(Wieder) Diskussion um den Hattinger Wochenmarkt

Aufenthaltsqualität mit Verkostung – oder nur einkaufen und den Kühlschrank füllen?

Stadtbild

Krämersdorf in Hattingen: Ein schöner Platz, der auch bei Veranstaltungen gern genutzt wird. Eignet er sich aber auch für einen Wochenmarkt?

Haben Sie es mitbekommen? In Hattingen wird über den Wochenmarkt diskutiert. Er findet bisher samstags auf dem Rathausplatz und dienstags auf der Großen Weilstraße statt. Mal wieder – denn die Idee ist nicht neu – wird über eine Verlegung zum Krämersdorf nachgedacht.
Wie immer bei solchen Diskussionen gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen finden das toll, weil das Krämersdorf viel schöner ist und sie auf Atmosphäre und Aufenthaltsqualität setzen – ein Einkauf, ergänzt mit Verkostung. Die anderen finden den funktionalen Rathausplatz ausreichend, wünschen sich aber trotzdem mehr Händler und wollen einfach nur den Einkauf erledigen und sich den Kühlschrank füllen. Die gleichen unterschiedlichen Meinungen dazu gibt es bei Händlern und Kunden, wobei ich den Eindruck habe, dass im Moment die Mehrheit für den Rathausplatz stimmen würde.
Für mich will der klassische Marktbesucher zwei Dinge: einkaufen und quatschen. Wer Zeit hat, macht gerne beides. Wer keine Zeit hat, will einfach nur einkaufen, damit der Kühlschrank voll wird. Bei beiden Gruppen sehe ich persönlich eine Aufenthaltsqualität mit Verkostung kritisch. Klar, wenn ein neues Stückchen Wurst zum Probieren auf der Theke steht, greift man zu. Aber das ist mit Verkostung nicht gemeint. Da denkt man eher an hinsetzen, mehrere Dinge probieren und mit Aperitivo runterspülen. Das kann ich mir an einem Marktmorgen nicht vorstellen. Der Marktbesucher ist nicht der klassische Kunde für ein Sektfrühstück. Und der ein oder andere kommt auch mit dem Auto. Denn das ist ein Knackpunkt in der Diskussion – Parken auf dem Rathausplatz ist kein Problem. Im Krämersdorf sind die Wege weiter. Für die anliefernden Händler sowieso, für die Kunden aber auch. Fußläufig ist der Parkplatz, der zum Krämersdorf führt, aber eben weiter fußläufig. Es ist auch schon der Vorschlag von einem Lasten-Fahrrad-Service aufgetaucht. Man mag es mir nicht übelnehmen, aber ich habe herzlich gelacht und freue mich auf zahlreiche Ehrenamtliche, die vielleicht gegen eine Aufwandsentschädigung ihre Dienste anbieten. 
Wer kauft auf dem Wochenmarkt und was ist ihm wichtig? In der Regel eine etwas ältere Stammkundschaft, der die Qualität der Produkte wichtig ist und der direkte Kontakt zum Verkäufer. Dafür zahlt man auch etwas mehr Geld. Nahrungsmittel stehen im Fokus des Einkaufes. Das Einzugsgebiet ist lokal. 
Wenn man beim Marktgeschehen etwas ändern will, sollte man auf Fachleute zurückgreifen. Zum Beispiel auf die Deutsche Marktgilde, Impulsgeber und neutraler Dienstleister. Wer gute Feste und Feierabendmärkte organisiert, kann nicht automatisch auch Wochenmarkt.
Von Dr. Anja Pielorz