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Sport

Wie sich der Kreissportbund EN in 50 Jahren entwickelt hat

Im Jubiläumsjahr blicken die Mitarbeiter der Geschäftsstelle auf das, was bewegt wurde und wird.

Katrin Müller-Dahmen und Philipp Topp

Katrin Müller-Dahmen und Philipp Topp vom Kreissportbund Ennepe-Ruhr vor dem Haus des Sports.

Wenn am 16. September das nächste Sportforum des Kreissportbundes Ennepe-Ruhr ansteht, gibt es einen Grund zum Feiern: Der KSB besteht seit 50 Jahren. In dem halben Jahrhundert hat die Organisation einiges in den Sportvereinen des Kreises bewegt und vorangetrieben.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung ist der KSB entstanden. „Auf Landesebene wurde beschlossen, dass es Landes-, Kreis- und Stadtsportbünde geben soll“, erklärt der aktuelle Geschäftsführer, Philipp Topp. Alle Vereine im Ennepe-Ruhr-Kreis sind automatisch Mitglied im KSB. Derzeit sind es 387. Zunächst befand sich der Standort des KSB in Wetter und war in den Anfangsjahren hauptsächlich für das Deutsche Sportabzeichen zuständig. Im Laufe der 50 Jahre kamen etliche Handlungsfelder hinzu.

Vorsitzende sind immer gut vernetzt
Erster ehrenamtlicher Vorsitzender war Klaus Lohmann, sein Stellvertreter Reinhold Hund. Lohmann verlegte den Standort in den 1990er-Jahren nach Witten, wo der KSB seitdem im „Haus des Sports“ unterbracht ist. „Darin befand sich früher eine Kita. Es wurde zwischenzeitlich für Geflüchtete genutzt und schließlich umgebaut“, erzählt Topp. An der SSV-Spitze wirkte nach Lohmann dann Horst Peschel, ehe ihn Dirk Engelhardt ablöste und 2020 mit Sabine Kelm-Schmidt die aktuelle Vorsitzende ihr Amt antrat. Da die Vorsitzenden immer einen guten Draht zur Politik hatten oder selbst darin verwurzelt waren, gab es bei anspruchsvolleren Themen, etwa rechtlicher oder sportpolitischer Natur, keine großen Hürden. Gemeinsam mit der Kreisverwaltung werden Fördermittel besprochen und beantragt. Der KSB bezuschusst praxisnah notwendige Investitionen in Vereinen und kann sogar ganze Sportstättenfinanzierungen begleiten.
Qualifizierungsmaßnahmen waren Ende der 1970er Jahre die ersten, die über den KSB ins Leben gerufen wurden. Engelhardt war damals schon aktiv und einer der ersten Jugendbildungsreferenten in ganz NRW. „Es ging darum, Gruppenhelfer – heute Sporthelfer – Übungsleiter und Trainer auszubilden“, erinnert sich Kathrin Müller-Dahmen, die aktuell am längsten in der Geschäftsstelle sitzt, Jugendbildungsreferentin ist und den Bereich Sportjugend im Blick hat. In den Anfangsjahren gab es bereits den ersten Bus- und Spielgeräteverleih an Vereine und durch mehrere Kreissportbünde wurde es 1980 die Ruhr-Olympiade ins Leben, den Jugendwettkampfsport zu fördern.

Grundgedanke: Menschen in Bewegung bringen
Über Kursangebote sollten Menschen generell in Bewegung gebracht werden. Der KSB hatte in den 1980er-Jahren mal Kurse der VHS übernommen, ehe er sich dafür entschied, diese an die Vereine weiterzugeben. Topp sagt mit Blick auf die Motivation zur Bewegung: „Entweder unterstützen wir die Vereine durch Kooperationen oder wir bieten selbst Maßnahmen für Kinder und Jugendliche an.“ Die Anzahl der Lehrgänge zur Qualifizierung hat sich von anfangs rund 15 auf mittlerweile mehr als 200 pro Jahr vervielfacht. „Das Qualifizierungssystem hat sich unglaublich entwickelt“, kommentiert Müller-Dahmen.
In der KSB-Geschäftsstelle gab es anfangs eineinhalb Stellen. Nun ist das Team auf 19 Personen angewachsen, hinzu kommen viele Ehrenamtliche und Freiberufler, die in Aus- und Fortbildungen mitgestalten. Es gibt Fachkräfte für mehrere Bereiche: Sport im Ganztag/Sportjugend, Integration durch Sport, Prävention sexualisierter/interpersoneller Gewalt. Seit 2003 ist der KSB an Ganztagsschulen mit Bewegungsangeboten aktiv, häufig mit Vereinen. An der Grundschule St. Rafael und der Gemeinschaftsgrundschule Esborn – jeweils aus Wetter – trägt er seit diesem Jahr sogar den Ganztag ab mittags, mit Mittagessen, Betreuung, Hausaufgabenbetreuung sowie sportlich und künstlerischer Betreuung. Seit dem Schuljahr 2013/14 wurde das Sportkarussell in allen Kreisstädten eingeführt, bei dem Kinder sechs Sportarten innerhalb eines Jahres lernen.

Hauptamtlichkeit im Blick
Der Organisation hilft es, dass sie mit hauptamtlichen Stellen arbeiten kann, was sie auch in den Vereinen mit anstoßen möchte. Denn künftige Anforderungen im Sport seien laut Topp groß: „Die größte Herausforderung ist die Frage: Was ist uns der organisierte Sport Wert? Wir brauchen Sportstätten, Ehrenamt und Übungsleiter. Wir müssen Vereine dazu bringen, das Risiko zu wagen, hauptamtliche Kräfte einzustellen.“ Die Finanzierung sei natürlich nicht einfach. Erhöhen sich Beiträge, könnten Vereine Mitglieder verlieren.
„Wir müssen aber gute Rahmenbedingungen schaffen, vor allem Unterstützung für Ehrenamtliche. Freiwillige Leistung steht auf der Kippe, wenn Kapazitäten gekürzt werden. Es geht um den Aspekt Professionalisierung“, so betont Topp. Gerade bei Kooperationen mit Schulen werde Personal benötigt, um Jugendarbeit auszuweiten. Hauptämter lassen schnelleres Reagieren auf die gesellschaftliche Entwicklung zu. Der KSB leistet seit vielen Jahren Lobbyarbeit in Sport- und Kreisausschüssen und hakt bei Strukturen nach. „Im EN-Kreis gibt es keine Sporthallennutzungsgebühren, woanders werden welche erhoben. Für mich ist es ein Unding, zumal die Vereine Personen zu einem sozialverträglichen Mitgliedsbeitrag bewegen“, merkt Topp an.
Über den „Pakt des Sports“ wurde früher mit der Kreisverwaltung beschlossen, welche Aufgaben der KSB übernimmt. Er selbst finanziert sich übrigens aus Landes- und Bundesmitteln. Die rund 92.000 Mitglieder aller Vereine im Kreis sind sportversicherungstechnisch abgedeckt, die Vereine zudem verwaltungstechnisch. Mit rund 70 Vereinen bestehen regelmäßige Kooperationen und Projekte – in der Regel sind es diejenigen, die die meisten Mitglieder haben. „Je nach Projekt gibt es Vereine, mit denen wir vorher kaum oder noch gar keinen Kontakt hatten“, erzählt Müller-Dahmen. Sie schätzt, dass es künftig noch mehr Projektarbeit geben wird. Knapp 30 Projekte gibt es zurzeit. Und seit diesem Sommer gibt es eine Neuerung: Erstmals wird über den KSB eine Sport- und Fitnesskauffrau ausgebildet.
Von Hendrik Steimann