PVT Witten richtete erstmals Wettbewerb im Freibad Annen aus. Auch Lehrkräfte am Start.
Der Sommer lockt bei gutem Wetter viele ins Wasser. Doch es kommt immer wieder zu Badeunfällen, weil nicht jede Person über ausreichende Schwimmfertigkeiten verfügt. Viele Vereine bieten daher Schwimmkurse an, um bereits Kindern die nötigen Techniken sowie Basiskenntnisse zu vermitteln, auf denen aufgebaut werden kann. In Witten gab es zuletzt erstmals einen Swim&Run für Schüler und Lehrer. Veranstaltet hatte ihn der PV Triathlon Witten – mit Erfolg und gleichzeitig einigen Erkenntnissen.
Ein kurzer Schwenk auf die Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): 2025 gab es in Deutschland 393 Todesfälle durch Ertrinken. Das sind zwar knapp 20 weniger als in 2024, aber nach Meinung der Experten 393 zu viele. Der Großteil der Ertrunkenen ist übrigens männlich (312 Fälle). „Wir haben die Schulen im Vorfeld darum gebeten, Kinder an den Start zu schicken, die sicher schwimmen können“, erzählt Thomas Niemeyer, zweiter Vorsitzender des PVT.
Wenige Startende konnten nicht gut schwimmen
Beim Wettkampf, der bei Kindern, Eltern und Lehrern sehr gut ankam, stellten die Organisatoren fest, dass es ein paar Kinder gab, die sich noch nicht so gut durch das Wasser bewegen können. „Sie hatten sichtbar Schwierigkeiten, die Strecke zu bewältigen. Ein Kind war sehr ehrgeizig, bei einigen Zügen aber unter Wasser. Viele lagen bei der Schwimmfertigkeit im Schnitt. Manche waren langsam, manche richtig gut unterwegs“, erzählt Niemeyer überblickend. Er verrät, dass der Verein davon ausging, dass es größere Probleme gibt, weshalb er positiv überrascht war. Die Kinder, die noch etwas Schwierigkeiten hatten, wurden bewusst nicht angesprochen. Aber allgemein wurden Flyer für ein Probetraining verteilt, auch an die Lehrer.
An den Start gingen Kinder von der dritten bis zur siebten Schulklasse, insgesamt waren rund 300 Startende auf dem Gelände an der Herdecker Straße dabei. Der PVT spricht von einem Erfolg und möchte die Veranstaltung kommendes Jahr wieder ausrichten. Die Kinder der dritten und vierten Klassen der beiden beteiligten Grundschulen (Borbachschule und Vormholzer Grundschule) absolvierten das Schwimmen aus Sicherheitsgründen im Nichtschwimmerbecken. „Dort hätten zur Not alle Kinder stehen können und wir hatten dort zur Sicherheit extra viele Rettungsschwimmer am Rand platziert. Doch alle Kinder sind problemlos durchgeschwommen“, berichtet Niemeyer.
Die Fünft- bis Siebtklässler durchschwammen einmal das große 50-Meter-Becken, ehe es in die Wechselzone und ohne Verschnaufpause direkt weiter zu einem 650-Meter-Lauf über zwei Runden um das Volleyballfeld auf der oberen Wiese des Freibades ging. Die vielen Helfer des PVT wurden von 25 Sport-Scouts aus neunten Klassen unterstützt. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten die Lehrer-Eltern-Staffeln, die aus drei Personen bestanden und lauthals angefeuert wurden. „Von allen teilnehmenden Schulen haben wir bereits Zusagen erhalten, dass sie nächstes Jahr wieder dabei sein möchten. Dann mit hoffentlich weiteren Schulen“, merkt Niemeyer an.
Der Verein bietet regelmäßig Schwimmkurse an, die voll sind. Es gibt teilweise noch freie Plätze. In der fünften und sechsten Ferienwoche finden drei Kurse statt (Infos: www.tri-wit.de). Niemeyer weiß: „Beim Schwimmen gibt es einen Prozentsatz, der eine gewisse Angst hat. Bei Sportarten an der Freiluft kann man immer frei atmen, bei Schwimmen nicht immer.“ Auch die Eltern müssen mitspielen. Für viele sei es ein Aufwand, den Nachwuchs zu den Kursen zu bringen.
Positive Effekte auf Körper und Seele
Dabei ist Schwimmen sowie generell Sport wichtig: „Viele Kinder hängen an ihrem Handy und sind damit zufrieden. Die Auswirkungen werden erst sehr viel später erkannt. Menschen sind so konzipiert, dass sie Bewegung brauchen. Das passiert weniger“, sagt Niemeyer. Auch Stress kann durch Bewegung abgebaut werden. „Für die Psyche ist es gut, auch ein kleines Ziel geschafft zu haben. Es klingt sehr banal, aber beim Swim&Run muss man erst eine Strecke schwimmen, die eignen Sachen in der Wechselzone finden, sich kurz umkleiden und dann noch laufen. Das ist aber etwas, worauf Kinder und auch Erwachsene am Ende stolz sind. Ohne auf die Zeit zu blicken“, erklärt Niemeyer.
Es gehe um Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben sollen. „Das hatten viele Kinder, glaube ich. Es macht etwas mit Menschen. Genau solche Sportereignisse können das auslösen. Sie machen natürlich mehr Spaß als reines Training“, sagt der Triathlet, der trotzdem gerne zum Schnuppern beim Training einlädt. Es ist eine Bestätigung der körperlichen Leistungsfähigkeit – im Falle des Schwimmens viel mehr, als sich nur über Wasser zu halten.
Von Hendrik Steimann