Seit November 2018 ein Besucherbergwerk.
Ein Blick in den Stock und Scherenberger Stollen.
Bildquelle: Verein Bergbauaktiv
Angefangen hat alles 2013. Bergbau-Enthusiasten begannen mit den ersten Arbeiten am Stock und Scherenberger Stollen in Sprockhövel. Doch eigentlich müssen wir in der Zeit noch viel weiter zurück.
Wir schreiben das Jahr 1746, als der Stollen nah am Plessbach angelegt wurde, um die Zeche Stock & Scherenberg zu entwässern. Benannt wurde er nach den Anteilseignern Stock und Scherenberg. Der Stock und Scherenberger Erbstollen erreichte nach rund 2400 Metern den Schacht Beust der Stock & Scherenberger Hauptgrube. Damit wurde der Abbau der Steinkohlen auf einer Bauhöhe von rund 100 Metern ermöglicht. Später wurde die Wasserlösung der Stock & Scherenberger Hauptgrube durch den tiefer liegenden Schlebuscher Erbstollen übernommen. Der Schlebuscher Erbstollen war mit 12 Kilometern der längste Erbstollen im Ruhrbergbau. Mit Einführung der Dampfmaschinen um 1850 endete die Ära der Wasserlösungsstollen. Jetzt konnten die Grubenwässer abgepumpt werden. Als Bodendenkmal wurde das Mundloch am 15. März 1988 in die Denkmalliste der Stadt Sprockhövel eingetragen.
Bergbau-Begeisterte schafften es, dass der Stollen schon 2017 auf einer Länge von 88 Metern befahrbar war. Der Stollen liegt mit dem Mundloch, also dem Eingang an der Tagesoberfläche, westlich der Helsbergstraße am Plessbach. Am 16. November 2018 erfolgte die Ernennung zum 30. Besucherbergwerk in NRW. 2019 wurde der Verein Bergbauaktiv Ruhr e.V. gegründet, der sich den weiteren ehrenamtlichen Arbeiten rund um den Stollen verschrieb. Wer das Besucherbergwerk besichtigen möchte, gelangt über einen steilen Trampelpfad und zwei alte Sandsteinstufen in den Stollen, der zwischen 1,65 und drei Meter hoch ist. Unempfindliche Kleidung, die dreckig werden darf, und hohe Gummistiefel sind ein Muss, um nassen Füßen vorzubeugen. Der Verein stellt Helm und Geleucht (Grubenlampe) und kann auch für das passende Schuhwerk sorgen. Immer wieder gibt es Führungen, um bergbauinteressierten Menschen den alten Stollen näherzubringen. Hier erfährt man hautnah die anstrengende Arbeit unter Tage, die Nässe und angenehme Kälte im Sommer eines Wasserlösungsstollens. So erhält man einen Einblick, was die Bergleute um Sprockhövel vor über 200 Jahren geleistet haben und kann sehen, woraus sich der Bergbau im Ruhrgebiet entwickelt hat. Die Führungen finden in Kleingruppen von 2-6 Personen statt. Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen, sowie Grundschüler in der 4. Klasse in Begleitung der Lehrer, dürfen an einer Führung teilnehmen. Weitere Infos: www. stock-und-scherenberg.de.
Neben dem Vereinsvorsitzenden Lasse Knährich und seinen Stellvertretern Dennis Lambrecht und Stefan Wolf ist vor allem der Denkmalschutzbeauftragte Ronald Mayer umtriebig in der Sache dabei. Wichtige Projekte sind in der Pipeline. Um Besucher zum Stollenmundloch zu führen, müssen diese wissen, wie sie dorthin kommen. Daher ist eine gute Beschilderung wichtig. Am 11. November soll dazu im Anregungsausschuss der Stadt Sprockhövel ein Antrag auf braune touristische Hinweisschilder gestellt werden. Darauf soll das Sprockhöveler Stadtwappen zu sehen sein: das historische Mundloch des Erbstollens ist natürlich ein Bestandteil des Wappens. Ronald Mayer erklärt: „Auch geografisch besitzt der Ort eine besondere Bedeutung, denn der Erbstollen liegt nahezu in der Mitte der Stadtteile. Somit steht der Stollen für Sprockhövel als Ganzes“, betont der Denkmalschutzbeauftragte.
Doch die Schilder sind längst nicht alles, was dem Denkmalschutzbeauftragten und seinen Vereinskollegen am Herzen liegt. Ein weiteres Projekt trägt den Titel „Vom Stollen bis zur Baumkrone“. Wenn alles klappt, dann wäre es in der Vereinsgeschichte das bisher größte Vorhaben. Ziel ist es, 300 Jahre Bergbau, Wald und Landschaft des das Bergwerk umgebenden Helsbergs deutlich zu machen. „Wir wollen eine Verbindung von Bergbaugeschichte, Waldentwicklung, Geologie, Archäologie und Natur für Besucher erlebbar zu machen“, so Mayer. „Konkret sollen ein Rundweg und Informationsstationen entstehen. Ein Bodenlehrpfad und digitale Vermittlungsangebote sollen erklären, was an vielen Stellen bislang nur Fachleute erkennen“, führt er aus. Hunderte Jahre alte Mauerreste beispielsweise würden so wieder sichtbar. Gespräche mit Experten, unter anderem dem zuständigen Revierförster Thomas Jansen haben schon stattgefunden. Auch Förderanträge laufen. Zusagen gibt es auch schon. Für Sprockhövel wäre ein solches Projekt nicht nur der Blick in die Vergangenheit, sondern eine Investition in ein attraktives Zukunftsprojekt.
Von Dr. Anja Pielorz