100 Jahre! Turngemeinde Herbede feiert am 16. Oktober Jubiläum.
Die Männerturnriege im Jahr 1930.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in Herbede vor allem der Fußball vertreten, wenn es um Sport ging. Rektor Robert Ostwinkel war damals der Ansicht, dass neben dem SV Herbede auch Turnsport betrieben werden sollte. So kam es am 16. Oktober 1926 in der Gaststätte Harnickel zur Gründungsversammlung der Turngemeinde Herbede, die seitdem besteht und nun ihr Jubiläum feiert.
Der Saal der Gaststätte diente zunächst als Turnboden. Danach wurden eine ehemalige Reithalle und eine Wiese in Eigenarbeit zu Sportstätten umgewandelt. Die TG erzielte mit ihren Turnriegen bei verschiedenen Sportveranstaltungen Erfolge. Nach dem zweiten Weltkrieg war es für den Verein zunächst schwierig, Fuß zu fassen. Der Turnboden befand sich im Saal der Gaststätte Hansa Hof. „Beim Reckturnen musste man aufpassen, nicht mit den Füßen an die Decke zu kommen“, beschreibt es der heutige Vorsitzende, Friedhelm Baumgart, beim Blick in die Chronik.
Als die Turnhalle an der Wilhelmstraße in Herbede im Jahr 1960 gebaut wurde, entwickelte sich der Verein weiter. Es bildeten sich neue Turn-Leistungsriegen (Jungen und Mädchen), die auf Bezirks- und Gauebene erfolgreich waren. Außerdem kamen im Verlaufe der Zeit neue Sportangebote hinzu: 1972 Volleyball, 1991 Basketball, 2007 Tischtennis und zuletzt 2023 Pickleball. Die Basketballer waren von 1999 bis 2017 als Spielgemeinschaft mit der SU Annen aktiv, ehe sich daraus die heutigen Witten Baskets bildeten – die Basis lag in Herbede. In den 1970er-Jahren gab es einige Jahre Volkswanderungen und -läufe mit schöner Strecke durch Buchholz, Kämpen und das Muttental, an denen bis zu 150 Personen aus ganz Deutschland teilnahmen.
Um die Jahrtausendwende gab es mit der Kampfsportart Kendo (abgewandelter japanischer Schwertkampf) ein ausgefallenes und seltenes Angebot. Mangels Übungsleitern konnte dieses jedoch nach ein paar Jahren nicht mehr aufrechterhalten werden. Auch bei den Leistungsriegen bestand dieses Problem später. „Damit steht und fällt alles. Vor allem, wenn es Randsportarten sind“, merkt Baumgart an, der 1978 zum Geschäftsführer des Vereins gewählt wurde und seit 2007 dessen Vorsitzender ist. Ein Problem ist, dass häufiger Engagierte mittleren Alters fehlen. „Diejenigen, die selbst in der Kindheit und Jugend ein tolles Sportangebot und Freizeiten erlebt haben, haben oft keine Zeit. Das ist sehr schade“, bedauert Baumgart.
Gemeinschaft außerhalb der Sportstunden fördern
Er ist selbst schon ewig aktiv, leitete lange Zeit eine Gymnastikstunde und leitet aktuell noch freitagabends eine Männergruppe mit Gymnastik und Fußballtennis für Ältere – der älteste Teilnehmer ist 87 Jahre. Nicht nur diese Gruppe, sondern auch weitere unternehmen neben ihren wöchentlichen Sporteinheiten gemeinsame Aktivitäten oder Ausflüge. Jedes Jahr wird eine Himmelfahrtswanderung angeboten, eine Fahrt ins Blaue und ein großes Herbstfest für die Mitglieder veranstaltet – mit wechselndem Programm, was aus den eigenen Reihen gestaltet wird. So gibt es viele, die der Turngemeinde schon lange treu sind. Einige mehr als 75 Jahre – und sie sollen weiterhin das Vereinsleben spüren. Intern gibt es zudem ein Fußballturnier. Baumgart: „Durch all das fördern wir die Gemeinschaft.“
Der Verein blieb trotz der Erweiterung des Sportangebots immer ein Einspartenverein. „Damit kommen wir gut zurecht. Es wäre auch schwierig, für neue Abteilungen Vorstände zu finden. Sie sind dafür zu klein und außerdem befinden sich unsere Volleyball- und Badmintongruppen nicht im Spielbetrieb, selbst wenn ehemalige ambitionierte Spieler bei uns eine neue Heimat gefunden haben. Sie möchten aber nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen“, erzählt der Vorsitzende. Es gibt für die Gruppen und Sportbereiche sogenannte „Funktionsbeauftragte“, die verantwortliche Ansprechpartner sind.
Ganz frisch seit September ist Salsa hinzugekommen. Baumgart freut sich zudem, dass die Mutter-Kind-Gruppen gut aufgestellt sind. Aktuell bestehen im 550 Mitglieder starken Verein 25 Sportgruppen. Darunter etwa auch Nordic-Walking, Aerobic, Yoga und ein Fahrradtreff. Der Vorstand ist stolz, dass sich der Verein trotz aller Widrigkeiten hält und intern gut zusammenhält.
Von Hendrik Steimann